Max Verstappen hat die Wahl: McLaren oder Red Bull in der Formel 1?
Das Auto als Vehikel in die Freiheit. Das war einmal ein Leitspruch im Land der Autofahrer. Heute mokiert sich mancher über diese Behauptung. Max Verstappen nicht. Bei ihm ist es so gekommen. Der viermalige Weltmeister der Formel 1 kann machen, was er will. Seine Freiheit in einem teils strangulierenden, zumindest ankettenden Geschäft, mit Verträgen, manchmal so dick wie die Bibel, hat er sich „erfahren“. Am Samstag startet der wertvollste Pilot der Formel 1 – zieht man Gehalt und Erfolgsaussicht zusammen – beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife des Nürburgrings.
Verstappen fährt im Red Bull hinterher
Der Teamchef seines Formel-1-Teams Red Bull wird drei Kreuze machen, wenn der Niederländer in einem Mercedes (!) am Sonntag das Ziel erreicht hat, nach der Tour mit Profis wie Amateuren auf einer der gefährlichsten Rennstrecken der Welt. Ob der WM-führende Formel-1-Kollege Kimi Antonelli von Mercedes eine Freigabe erhalten hätte? Niemals.
Verstappen hat die Wahl. Und deshalb erscheint das jüngste Gerücht mehr als das übliche Spielchen um bessere Angebote zu sein. Der stets gut informierte englische Journalist Joe Saward behauptet in seinem Blog, McLaren verhandele bereits mit Verstappens Vertrauten über einen Wechsel ins Weltmeister-Team. Alles andere wäre verwunderlich. Der Bolide von Red Bull bot ihm zwar beim Rennen neulich in Miami eine bessere Basis. Aber McLaren machte auf der Jagd nach dem Branchenführer Mercedes den größeren Sprung.
74 Punkte liegt Verstappen in der Fahrerwertung hinter Antonelli – auf Rang sieben. Das könnte, das wird sich noch ändern. Aber vermutlich reicht es nicht, den RB22 so zu beschleunigen, dass Verstappens Ausstiegsklausel hinfällig wird. Dazu müsste er angeblich zu einem gewissen Termin auf Rang zwei liegen. Und selbst wenn – Verstappen wäre nicht zu halten, wollte er gehen.
McLarens Risiko
Dafür spricht nicht nur sein gewaltiges Interesse, stets im schnellsten Auto seine Fähigkeiten ausspielen und die Freude daran genießen zu können. Das Meisterteam von Red Bull hat sich längst aufgelöst. Auch Verstappens kongenialer Renningenieur Gianpiero Lambiase verlässt den Rennstall – und wechselt 2028 zu McLaren. Er könnte dort mittelfristig Teamchef werden. Und wird alles tun, wieder mit „seinem“ Fahrer zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig bereitet sich Red Bull auf die Zukunft vor.

Das Interesse der Österreicher, Oscar Piastri aus dem McLaren-Cockpit zu locken, wurde schon im vergangenen Jahr kolportiert und für glaubhaft gehalten. Weil der Australier unzufrieden wirkte, jedenfalls in der Saison 2025 beim Kampf um den Titel Abweichungen von der Beteuerung der Teamführung wahrnahm, ihn und den späteren Weltmeister Lando Norris immer gleichzubehandeln.
Der mögliche Tausch birgt ein Risiko für beide. Piastri wechselte in ein Team, das gegenwärtig hinterherfährt. Und McLaren holte sich jemanden, der sofort die Chefpilotenrolle fordert, sobald er liefert.
Weil in der Formel 1 aber selten eintritt, was zuvor breitgetreten wird, dient das Gerücht wie üblich als Marktwertbestimmung. Darauf deutet die lancierte Jahresgehaltszahlung bei McLaren (70 Millionen Euro) hin. Man kann sie auch als Aufforderung an Mercedes verstehen, das lange hinterlegte Interesse an Verstappen entsprechend zu würdigen. Denn der Wert des Niederländers für Mercedes sinkt mit jedem Erfolg des 19-jährigen, vergleichsweise billigen Antonelli (drei Siege in den ersten vier Rennen 2026).
Bei allem Hang der Branche zur Spekulation ergibt sich aus den Details eine ziemlich handfeste, gute Nachricht für das Formel-1-Management: Verstappen denkt trotz seiner Klagen über die Regelreform nicht an einen Ausstieg.
