Marktbericht: DAX geht im Plus ins lange Wochenende


Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse


marktbericht

Stand: 30.04.2026 • 18:14 Uhr

Gestützt von wieder fallenden Ölpreisen dreht der DAX zum Wochenschluss deutlich ins Plus. Nach den beiden Notenbank-Sitzungen haben Anleger auch jede Menge Quartalszahlen zu verarbeiten.

Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Donnerstag von einer schwächeren Eröffnung erholt und im Zuge fallender Ölpreise merklich zugelegt. Der im frühen Handel noch schwächelnde DAX stieg nach dem EZB-Zinsentscheid deutlich. Zum Handelsschluss stehen 24 292 Punkte auf der DAX-Tafel im Frankfurter Börsensaal, ein Plus von 1,3 Prozent. Auf die Woche gerechnet ein Gewinn von 0,7 Prozent.

Am letzten Tag der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche waren neben den Bilanzen wichtiger US-Technologiekonzerne und einer Fülle an Zahlen deutscher Unternehmen auch die jüngsten Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed sowie der Europäischen Zentralbank (EZB) im Fokus.

Die Europäische Zentralbank ließ die Leitzinsen im Euroraum trotz des Ölpreisschocks wie erwartet unverändert. Volkswirte erwarten jedoch, dass die Zentralbank im Jahresverlauf die Zinsen anheben wird, wenn ihr mehr Daten vorliegen, um die Folgen des Nahost-Kriegs zu beurteilen. Die Aussicht auf steigende Zinsen trieb den Euro-Kurs auf 1,1733 Dollar, ein Sprung um 0,5 Prozent. Am Vorabend hatte zudem die US-Notenbank Fed den Leitzins erwartungsgemäß nicht angetastet. Sie beließ den Leitzins unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent.

Die steigenden Ölpreise haben sich am letzten Handelstag im April zunächst als Belastung für den Aktienmarkt erwiesen. „Der Ölpreis ist aktuell der dominierende Stressfaktor, welcher wie eine zusätzliche Steuer auf Wachstum und Konsum wirkt“, resümiert Timo Emden von Emden Research. Seit drei Wochen gilt eine fragile Waffenruhe in dem Konflikt, die für den internationalen Energiehandel essentielle Seeroute blieb aber weitgehend dicht.

„Der weiter steigende Ölpreis steht beim DAX einer nachhaltigen Erholung im Weg. Und nun beginnt morgen der gefürchtete Wonnemonat Mai“, kommentiert IG-Chefmarktanalyst Christian Henke. Das Nordseeöl Brent stieg zeitweise um bis zu 7,1 Prozent auf 126,41 Dollar je Fass, den höchsten Stand seit vier Jahren. Das US-Öl WTI notierte mit 110,93 Dollar je Fass an der Spitze 3,8 Prozent fester.

Immerhin gute Nachrichten kamen vom Statistischen Bundesamt: Die deutsche Wirtschaft ist Anfang des Jahres etwas gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Grund: Die privaten und staatlichen Konsumausgaben nahmen zu, auch die Exporte stiegen. Die weiteren Aussichten sind mit Blick auf den Iran-Krieg und die Folgen aber schlecht.

ING-Analyst Carsten Brzeski erklärte zwar, Deutschlands Wirtschaft sei besser als ihr Ruf. Er fürchte aber eine Abwärtskorrektur, denn die Schnellschätzung des Statistikamtes enthalte keine konkreten Daten für den Monat März. Die Angaben sind vorläufig – ausführliche Ergebnisse will das Statistikamt am 22. Mai bekanntgeben. Der Iran-Krieg hatte Ende Februar begonnen, die Preise für Öl und Gas stiegen unmittelbar danach stark an.

Thema auf dem Parkett waren die Bilanzen von vier der großen US-Tech-Konzerne. Google-Mutter Alphabet, Meta, Microsoft und Amazon konnten mit ihre Quartalsberichten zwar überzeugen, gleichzeitig wachsen aber die Zweifel, ob sich die gewaltigen Investitionen in Künstliche Intelligenz langfristig auszahlen. Gerade bei Meta sorgten hohe Ausgaben für KI für Skepsis, die Aktie verlor im Handelsverlauf an der Wall Street zeitweise fast zehn Prozent und setzte sich ans Ende der Nasdaq.

Alphabet meldete im ersten Quartal des Jahres einen Gewinn von 62,6 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von fast 110 Milliarden Dollar und übertraf damit mühelos die Markterwartungen. Amazon meldete ebenfalls einen starken Anstieg des Gewinns im ersten Quartal und erklärte, dass seine Investitionen in das KI-Start-Up Anthropic das Ergebnis erheblich beflügelt hätten. Der Konzern gab an, der Nettogewinn in den ersten drei Monaten des Jahres sei auf 30,3 Milliarden Dollar angestiegen, was fast einer Verdoppelung gegenüber 17,1 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum entspricht.

Auch in Europa ist die Berichtssaison in vollem Gang. Während der französisch-italienische Autobauer Stellantis das operative Ergebnis mit 960 Millionen Euro nahezu verdreifacht hat, steckt Volkswagen in der Krise. Das operative Ergebnis ging zu Jahresbeginn insgesamt um gut 14 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro zurück, der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich rutschte das Ergebnis nach Steuern um gut 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ab.

Der Chemieriese BASF hält trotz der massiven Unsicherheiten durch den Nahost-Krieg an seinen Jahreszielen fest und treibt zugleich seinen tiefgreifenden Konzernumbau voran. „Es wird nicht mehr so wie früher. Abwarten ist keine Option“, sagte Vorstandschef Markus Kamieth auf der Hauptversammlung in Mannheim. Negative Währungseffekte und niedrigere Preise drückten den bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) im ersten Quartal zwar um 5,6 Prozent auf 2,36 Milliarden Euro. Damit übertraf BASF jedoch die Analystenerwartungen von rund 2,19 Milliarden Euro.

Der Logistik-Riese DHL Group, ehemals Deutsche Post, hat zum Jahresstart überraschend gut abgeschnitten. Ergebnistreiber waren das lukrative Geschäft mit zeitkritischen Sendungen sowie der Warentransport auf dem Luft- und Seeweg; beide fielen besser aus als von Analysten erwartet.

Das Geschäftsmodell sei widerstandsfähig und die Sparmaßnahmen wirksam, sagte DHL-Chef Tobias Meyer laut Mitteilung am Donnerstag in Bonn. Er bestätigte seine Jahresziele. Die DHL-Aktie legte deutlich zu und setzte sich mit einem Plus von 7,5 Prozent an die DAX-Spitze.



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