Marktbericht: Anleger nehmen wieder Reißaus
marktbericht
Die Furcht vor einer Fortsetzung der Krieges am Persischen Golf macht die Anleger nervös. Der DAX fällt zum Wochenstart deutlich zurück. Aber noch bleibt die Hoffnung auf eine Fortsetzung Fortsetzung der Waffenruhe.
Der DAX fällt im frühen Handel um 1,6 Prozent auf 24.304 Punkte. Am vergangenen Freitag hatten Aussagen des iranischen Außenministers, wonach die Durchfahrt der Straße von Hormus nun für alle Handelsschiffe frei sei, für Euphorie an den Aktienmä gesorgt. Der DAX war mit einem Aufschlag von 2,3 Prozent auf 24.702 Zähler gesprungen.
Die Stimmung hat sich wieder gedreht, nachdem der Iran die Straße am Samstag erneut sperrte. Für Spannungen sorgte zudem die Seeblockade der USA in der Straße von Hormus. Jetzt hoffen die Investoren auf eine Einigung zwischen den USA und Iran. In der Nacht zu Mittwoch (MESZ) wird die vereinbarte Waffenruhe enden.
Es ist vollkommen ungewiss, ob sich die krisenhafte Lage überhaupt entschärfen lässt: „Alles, was die Börsen am Freitag gefeiert haben, ist aktuell wieder hinfällig“, schrieb Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners.
„Neue Spannungen rund um die Öffnung der Straße von Hormus drohen die Schwankungsintensität zu Beginn der neuen Woche abermals zu erhöhen“, meint Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Die Anlegerinnen und Anleger würden jetzt das Signal benötigen, dass die aktuelle Phase den Beginn des Endes des Krieges markiert, und keine neue Eskalation der ohnehin verzwickten Lage.
Trotz der schlechten Nachrichten sei der Markt noch nicht in Panik, sagte Michael Brown, Stratege bei Pepperstone. Er gehe davon aus, dass ein Großteil der Gewinne vom Freitag wieder abgegeben werde. Der Markt habe sich da etwas zu weit vorgewagt. Sollte jedoch feststehen, dass der Iran nicht an den Gesprächen teilnimmt, würden die Anlegerinnen und Anleger deutlich risikoscheuer reagieren, erklärt Brown.
Aus konjunktureller Sicht zwingen die hohen Ölpreise und die damit verbundenen Inflationssorgen die Anlegerinnen und Anleger zur Vorsicht. Deshalb werden sie mit mit besonderer Aufmerksamkeit die kommenden Wirtschjaftsdaten verfolgen. In dieser Woche stehen die ZEW-Umfrage, die Einkaufsmanagerindizes und der ifo-Geschäftsklimaindex an.
Die konjunkturelle Erholung werde ausgebremst, zumal der Nahost-Konflikt die Energiepreise nach oben getrieben habe, heißt es von den Marktbeobachtern der Helaba. „Hinzu kommt, dass sich die Währungshüter um die Inflation sorgen machen und diesbezüglich unter Zugzwang geraten könnten.“ In der kommenden Woche wird die EZB über den Leitzins entscheiden: Ob es bereits dann zu einer Zinserhöhung kommen werde, bleibe abzuwarten, so die Fachleute.
In der für die Exportwirtschaft so bedeutsamen deutschen Industrie wachsen derweil die Sorgen: Wegen des Iran-Kriegs rechnet der Industrieverband BDI in diesem Jahr nicht mehr mit Wachstum bei der Industrieproduktion. Statt der bisher angepeilten leichten Verbesserung sei bestenfalls noch mit einem stagnierenden Ergebnis zu rechnen, sagte BDI-Präsident Peter Leibinger. Im Januar war der Verband noch von einem Zuwachs von einem Prozent ausgegangen.
Angesichts des Iran-Kriegs sehe er sogar Risiken für einen erneuten Rückgang der Produktion im Verarbeitenden Gewerbe. „Seit 2022 ist die Industrieproduktion in Deutschland jedes Jahr gesunken“, sagte Leibinger. „Für 2026 rechnen wir nicht mehr mit einer Erholung, sondern mit Stagnation.“
Wie berechtigt auch die Furcht vor steigenden Verbraucherpreisen ist, zeigt ein Blick auf die Notierungen am Ölmarkt: Sowohl die Preise für Öl der Nordseesorte Brent als auch für amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI legen deutlich zu – aber noch liegen sie unter 100 Dollar je Barrel. Am Freitag waren die Ölpreise um mehr als neun Prozent gefallen. Zu Beginn des Krieges Ende Februar lag der Preis für Brent bei unter 70 Dollar.
