„Ladies First“ auf Netflix: Mehr als Klischees hat die Komödie nicht zu bieten – Kultur
Der Schauspieler und Regisseur Mel Gibson ist mittlerweile aus vielerlei Gründen, sagen wir, ein schwieriges Thema geworden. Doch eines muss man ihm lassen, zumindest dem Gibson der Neunzigerjahre: Machos spielen konnte er. Und zwar so, dass es auch noch lustig war.
In „Was Frauen wollen“ aus dem Jahr 2000 von Nancy Meyers bekommt Gibson als chauvinistischer Werbefuzzi eine Chefin (Helen Hunt). Nach einem Unfall mit Beautyprodukten, die er widerwillig für eine neue Kampagne testet, hört er plötzlich die Gedanken aller Frauen in seiner Umgebung, was einige zeitlos witzige Szenen zur Folge hat.
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Dieser Plot wirkt fast schon subtil im Vergleich zur neuen Komödie „Ladies First“ mit Sacha Baron Cohen und Rosamund Pike, die an den früheren Film erinnert, sich aber auf ein anderes Vorbild bezieht: den französischen Film „Kein Mann für leichte Stunden“ von 2018, der ebenfalls auf Netflix zu sehen ist. Bis auf den Schauplatz – London statt Paris – sind große Teile der Handlung identisch.
Im Original wie im Remake geht es um Damien, den arroganten Kreativdirektor einer Werbeagentur. Als er auf der Straße wie gewohnt Frauen hinterherschaut, läuft er gegen einen Laternenpfahl. Er wird ohnmächtig und erwacht in einer anderen Welt: Matriarchat statt Patriarchat, Männer plagen sich mit Figurproblemen, Frauen reißen sexistische Witze und geben in jeder Hinsicht den Ton an.
Der einzige befreiende Moment zwischen den Hauptfiguren kommt, als sie Sex haben
Der alte Film hatte damals, zu Zeiten von „Me Too“, einen konkreten Anlass, um sich den ewigen Geschlechterkampf satirisch überspitzt vorzunehmen. Wobei das auch nur halbwegs gelang. Wenn man die gleiche Geschichte aber acht Jahre später noch mal verfilmt, sollte dabei schon mehr herausspringen als nur die Umbenennung der Unterwäschemarke „Victoria’s Secret“ in „Victor’s Secret“.
Stattdessen bietet das Drehbuch von Katie Silberman, Cinco Paul und Natalie Krinsky nur alte Klischees: Sacha Baron Cohen, eigentlich ein Meister der Komik, spielt Damien als plakativen Womanizer, der seinen Aufstieg zum CEO plant. Für die Außenwirkung verlangt der Besitzer seiner Firma von ihm, gleichzeitig eine Frau zu befördern. Gesagt, getan: Damien befördert Alex (Rosamund Pike), ohne sie, geschweige denn ihre Arbeit zu kennen.
An Alex zeigt sich das allgemeine Dilemma des Films. In der neuen Rolle begeht sie zunächst jeden Fehler, den man in der Arbeitswelt nicht machen sollte: Sie fordert nicht, was ihr zusteht, sie lässt sich gängeln und lächelt dazu. Später, wenn die Realität kopfsteht, vernascht sie dagegen Männer am Fließband und flucht. „Fatherfucker“ ist allen Ernstes das Schimpfwort ihrer Wahl. Was lustig gemeint ist, soll außerdem noch gesellschaftskritisch sein und wirkt deshalb verkrampft.
Der einzige befreiende Moment zwischen den Hauptfiguren kommt, als sie miteinander Sex haben, aber auch dazu kommt es ohne erzählerische Rechtfertigung. Für eine glaubwürdige Beziehung ist es da schon zu spät. Wehmut verspürt man als Zuschauer vor allem wegen der insgesamt großartigen Besetzung. Neben Baron Cohen und Pike ist ein Who’s who der britischen Theater- und Filmkunst vertreten. Doch auch die können diesen missglückten Film nicht retten.
Ladies First, USA 2026 – Regie: Thea Sharrock. Buch: Katie Silberman, Cinco Paul, Natalie Krinsky. Kamera: Haris Zambarloukos. Mit: Sacha Baron Cohen, Rosamund Pike, Charles Dance, Fiona Shaw. 90 Minuten. Auf Netflix.

