Koro: Prägt diese Snackmarke bald eine ganze Generation?


Manchmal brauchen gute Entscheidungen Zeit. Daniel Kundt kennt sich ziemlich gut mit Zahlen aus. Als Piran Asci, einer der Gründer der Snackmarke Koro, ihn vor etwa fünf Jahren fragte, ob er ins Unternehmen einsteigen wolle, fragte sich der Zahlenmensch: Ist das wirklich eine gute Idee? Schließlich gibt es Müsliriegel, Nüsse und Trockenfrüchte doch in jedem Supermarkt um die Ecke. Doch er sagte schließlich zu.

Heute ist Kundt noch immer Finanzvorstand des Berliner Start-ups. Sein eindeutiges Fazit: Die Entscheidung hat sich gelohnt. Mit einem satten Wachstum von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr konnte Koro seinen Umsatz auf 252 Millionen Euro steigern. Mehr noch: Nach deutlichen Verlusten in den Jahren 2022 und 2023 befindet sich das Start-up hinsichtlich des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wieder im positiven Bereich.

Angesichts der aktuellen Marktlage sind solche Geschäftszahlen außergewöhnlich. Der Handel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren wuchs im vergangenen Jahr real lediglich um 1,1 Prozent, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. Derzeit spricht der Handelsverband Deutschland (HDE) von der schlechtesten Verbraucherstimmung seit mehr als drei Jahren. Wie hat es Koro geschafft, gegen diese miese Stimmung erfolgreich anzukämpfen?

Gesundheit und Nachhaltigkeit als Treiber

Ende April sitzt Kundt zusammen mit Unternehmenschef Florian Schwenkert am Hauptsitz im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht erzählen die beiden ihre Erfolgsgeschichte. Der Ansatz, der heute Koro so erfolgreich macht, ist jener, der Kundt trotz anfänglicher Zweifel am Ende doch noch überzeugte, das Angebot anzunehmen: Omnichannel, die intelligente Verbindung von digitalem und analogem Handel.

Florian Schwenkert ist der Chef von Koro.
Florian Schwenkert ist der Chef von Koro.KoRo

Wie andere Unternehmen, so schaut sich auch Koro genaustens die globalen Trends an. Doch dabei bleibt es nicht. Schwenkert und sein Team analysieren die Suchergebnisse und die Bestellungen sowie das Echtzeitfeedback von mehr als 2,5 Millionen Onlinekunden.  Was könnte gut ankommen? Welche Produktideen hat die Kundschaft für Koro? Das kann beispielsweise auch mithilfe einer Umfrage passieren.

Haben sich neue Produkte im Onlineshop bewährt, gelangen sie in die Regale von Einzelhandelsketten wie Rossmann und Rewe. Mittlerweile gibt es mehr als 13.000 Verkaufsstellen in Europa. 92 Prozent des Sortiments sind vegan, 54 Prozent Bio. Damit setzt das Unternehmen erfolgreich auf die Trendthemen Gesundheit und Nachhaltigkeit. Ohne diesen gesellschaftlichen Wandel wäre das Wachstum sicher nicht in dieser Form möglich gewesen, sagt Schwenkert. Durch die großen Packungen lassen sich unnötige Zwischenschritte wie das Umpacken der Waren vermeiden. Das spart Plastik und Kosten.

Erfolgreich auf Instagram und Tiktok

Dass der Omnichannel-Ansatz so gut funktioniert, ist nicht selbstverständlich. 2014 gegründet, war Koro zunächst eine Onlinedrogerie für Waschmittel. Mit der Zeit stellte sich aber heraus, dass sich mit Müsliriegeln und Nüssen mehr Geld verdienen lässt. Schon bald versuchte das Unternehmen sein Glück im klassischen Einzelhandel, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. Lange war das aber auch nicht notwendig. Vor allem in den ersten beiden Jahren der Corona-Pandemie zählte Koro als reiner Onlineshop zu den großen Gewinnern. Der Umsatz schnellte um fast 200 Prozent nach oben auf 62 Millionen Euro.

Doch schon während dieser Hochphase ahnte Schwenkert: Wenn die Pandemie vorbei ist, wird sich auch der Onlineboom wieder abschwächen. Es brauchte also eine Weiterentwicklung – und so versuchte Koro abermals sein Glück in den klassischen Läden. Dieser Schritt hatte aber durchaus einen hohen Preis. Die Investitionen dafür drückten gewaltig auf die Gewinne. 2022 und 2023 schrieb das Unternehmen tiefrote Zahlen. Heute können Schwenkert und Kundt berichten: Die Investition hat sich ausgezahlt.

Mittlerweile habe es Koro auch geschafft, über seine Kernklientel der Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren hinaus neue Fans zu finden. Der Anteil der über Vierzigjährigen sei gestiegen. Und auch junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren lassen sich nach eigenen Angaben häufiger von Koro begeistern. Der nächste Schritt ist der Verkauf über den Tiktok-Shop. Seit mehr als einem Jahr können Nutzerinnen und Nutzer dort direkt über die Live-Veranstaltungen und Kurzvideos Käufe abschließen. Dabei erhofft sich das Start-up, ähnlich wie jetzt schon über Amazon neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen.

Daniel Kundt ist der Finanzvorstand von Koro.
Daniel Kundt ist der Finanzvorstand von Koro.KoRo

Auf den ersten Blick könnten die Voraussetzungen dafür kaum besser sein. Sein Wachstum und seine Bekanntheit verdankt Koro auch den mehr als 1500 Influencerinnen und Influencern in ganz Europa, die in Kurzvideos auf Instagram und Tiktok die Werbetrommel für die Berliner rühren. Auch Finanzvorstand Kundt stand schon vor der Kamera.

Nicht alles funktioniert reibungslos

Dabei überlässt das Start-up nichts dem Zufall: „Wir rollen Koro nicht einfach eins zu eins in jedes Land aus“, sagt Kundt. Das Unternehmen hat ihm zufolge in jedem Land ein lokales Team mit Markenmanagerinnen und -managern, die den Markt und die Kultur vor Ort bestens kennen. In Paris und Mailand hat das Unternehmen ein eigenes Büro. „Frankreich und Italien sind unsere stärksten Auslandsmärkte“, sagt Schwenkert. Mittlerweile ist Koro in 14 Ländern aktiv. Seit der Gründung konnte das Start-up rund 120 Millionen Dollar einsammeln. Die meisten Anteile hält HC Capital, auch die Gründer sind noch Miteigentümer.

Reibungslos funktioniert aber nicht alles. „Bei bestimmten Rohwaren müssen wir sehr langfristig planen“, sagt Schwenkert. „Artikel wie Mangos kaufen wir wegen der einmaligen Ernte auch nur einmal im Jahr ein und müssen Nachfrage und Wachstum entsprechend planen.“ Somit besteht die Herausforderung, die Nachfrage für ein ganzes Jahr abschätzen zu müssen. „Für einen reinen Onlineshop ist die Datenlage einfacher auszuwerten“, sagt er. „Für den Handel über einen Supermarkt oder eine Drogerie ist das wesentlich komplexer.“ So kommt es hin und wieder zu Lieferengpässen.

Kompromisse muss Koro auch bei anderen Obstsorten eingehen. Die Marke versteht sich als Vorreiter für Nachhaltigkeit. Aber: Die getrockneten Erdbeeren kommen vor allem aus China. Das wirkt auf den ersten Blick nicht besonders nachhaltig. „Bei einigen Rohwaren prüfen wir genau, welche Herkunftsmärkte Menge, Qualität und Verfügbarkeit zuverlässig abbilden können“, sagt Schwenkert. Kundt betont: „Wenn unsere Kundschaft das will, bekommt sie es auch.“ Immerhin kläre Koro anders als die Konkurrenz ausführlich über die Herkunft auf.

Beide betonen: An erster Stelle stehen für sie immer die Kundschaft und deren Geschmack. Erst wenn sich Koro mit leckeren Snacks ins kollektive Bewusstsein einer ganzen Generation eingebrannt haben sollte, hätte Schwenkert sein großes Ziel erreicht: „Wir sind als Kinder mit Nutella und Kitkat groß geworden“, sagt er. „Ich hoffe, Menschen werden das irgendwann auch über Koro sagen.“



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