Kaum ein Viertel würde laut RTL-„Trendbarometer“ Union oder SPD wählen

Nach einjähriger Regierungszeit der schwarz-roten Koalition ist die Zersplitterung des Parteiensystems laut dem aktuellen „Trendbarometer“ von RTL und ntv so groß wie noch nie seit Gründung der Bundesrepublik 1949. Bei einer angenommenen Bundestagswahl Anfang Juni würden nur noch 24 Prozent aller Wahlberechtigten der Union oder der SPD die Stimme geben, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage hervorgeht. Doppelt so viele (50 Prozent) würden eine der anderen Parteien und 26 Prozent überhaupt nicht wählen.
Wäre Anfang Juni eine Bundestagswahl, würden weiterhin nur etwas mehr als ein Fünftel derer, die sich auch an der Wahl beteiligen würden, die Union wählen. Mit 22 Prozent lägen CDU/CSU weiterhin fünf Prozentpunkte hinter der AfD, die mit 27 Prozent stärkste Partei bleibt. Die SPD könnte nur mit elf Prozent der abgegebenen Stimmen rechnen und läge damit vier Prozentpunkte hinter den Grünen und gleichauf mit der Linkspartei.
Von allen Wahlberechtigten – also einschließlich denen, die nicht ihre Stimme abgeben würden – würden derzeit bei einer Wahlbeteiligung von 74 Prozent nur 16 Prozent die Union und acht Prozent die SPD wählen. Zusammen würden die Regierungsparteien somit nur die Stimmen von einem knappen Viertel aller Wahlberechtigten erhalten. Drei Viertel aller Wahlberechtigten würden eine andere Partei oder gar nicht wählen.
Bei den Parteipräferenzen zeigen sich weiterhin große Unterschiede zwischen dem Ost- und Westteil der Republik. Im Osten würden derzeit nur noch 15 Prozent aller Wahlberechtigten die CDU oder SPD wählen – im Westen sind es 26 Prozent. Größer als im Westen ist hingegen im Osten der Anteil der AfD-Anhänger und auch der Anteil der Wahlberechtigten, die sich gar nicht an einer Wahl beteiligen würden.
Der Anteil der Wahlberechtigten, die eine andere Partei als CDU/CSU oder SPD wählen würden, ist derzeit mit 50 Prozent so hoch wie noch nie bei einer Bundestagswahl seit 1949. Bei der ersten Bundestagswahl in der neu gegründeten Bundesrepublik 1949 hatten 30 Prozent aller Wahlberechtigten eine andere Partei als Union oder SPD gewählt.
Seit 2002 ging dann der Anteil der Wahlberechtigten, die der Union oder der SPD ihre Stimme gaben, kontinuierlich weiter zurück und erreichte bei der letzten Bundestagswahl 2025 mit 37 Prozent einen Tiefpunkt. Doch nach einjähriger Regierungszeit der jetzigen Koalition aus CDU/CSU und SPD ist der Anteil der Wahlberechtigten, die eine der Regierungsparteien wählen würden, nochmals um 13 Prozentpunkte auf aktuell 24 Prozent gesunken.
Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa befragte im Auftrag von RTL Deutschland zwischen 2. und 8. Juni 2502 Menschen. Die statistische Fehlertoleranz lag laut Forsa bei plus/minus 2,5 Prozentpunkten. (AFP)
