Israel und Libanon treffen sich zu Gesprächen in Washington
Nach einer Gesprächsrunde am Donnerstag, die ein Beamter des US-Außenministeriums als „produktiv und positiv“ bezeichnete, werden Libanon und Israel am Freitag in Washington einen zweiten Tag direkter Gespräche führen.
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„Wir freuen uns darauf, die Gespräche morgen [Freitag] fortzusetzen und hoffen, dann mehr berichten zu können“, fügte der Beamte hinzu.
Die dritte Verhandlungsrunde findet nur wenige Tage vor dem Auslaufen des Waffenstillstands zwischen Israel und der Hisbollah statt. Libanesische Beamte hoffen, dass die zweitägigen Gespräche zu einer neuen Vereinbarung führen werden.
Zudem setzen sie darauf, zentrale Streitpunkte voranzubringen, darunter den Abzug israelischer Streitkräfte aus dem Südlibanon sowie die Entwaffnung der Hisbollah.
Die vom Iran unterstützte militante Gruppe war nicht an den Verhandlungen beteiligt und hat sich deutlich gegen direkte Gespräche zwischen Libanon und Israel ausgesprochen.
Die letzte Gesprächsrunde zwischen Israel und Libanon fand ebenfalls im vergangenen Monat in Washington statt und wurde von US-Außenminister Marco Rubio vermittelt. An der aktuellen Runde konnte er nicht teilnehmen, da er US-Präsident Donald Trump auf dessen China-Reise begleitete.
Die laufenden Gespräche gelten als Fortschritt gegenüber der vorherigen Runde, da diesmal ranghöhere Vertreter teilnehmen. Die vergangenen Verhandlungen waren noch von israelischen und libanesischen Botschaftern geführt worden.
Dennoch bleiben die Differenzen groß. Trump hatte zuvor ein Treffen zwischen dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu angeregt. Aoun lehnte direkte Gespräche mit Netanjahu zum jetzigen Zeitpunkt jedoch ab.
Nach Angaben eines libanesischen Beamten, der anonym bleiben wollte, sprach Aoun zuletzt mit Trump und warnte davor, dass ein Scheitern der Gespräche nach einem Handschlag mit Netanjahu nicht nur innenpolitische Folgen für den Libanon hätte, sondern auch Trump schaden könnte.
Sollte jedoch eine Einigung erzielt werden, sei Aoun bereit, ins Weiße Haus zu reisen, um ein Sicherheitsabkommen offiziell auf den Weg zu bringen, sagte der Beamte weiter. Trump unterstütze diesen Vorschlag.
Kämpfe trotz Waffenruhe
Trotz des Waffenstillstands kommt es weiterhin zu Gefechten zwischen Israel und der Hisbollah.
Am Mittwoch griff Israel im Libanon sieben Fahrzeuge an, drei davon auf der Hauptverkehrsstraße südlich von Beirut. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei zwölf Menschen getötet, darunter eine Frau und zwei Kinder.
Weitere zehn Menschen, darunter sechs Kinder, wurden laut dem libanesischen Gesundheitsministerium bei späteren israelischen Angriffen im Südlibanon getötet.
Unterdessen beschießt die Hisbollah weiterhin israelische Streitkräfte im Südlibanon sowie entlang der Grenze zu Nordisrael.
Nur wenige Stunden nach Beginn der Gespräche am Donnerstag explodierte eine Hisbollah-Drohne nahe der Grenzregion bei Rosh Hanikra. Nach Angaben des israelischen Militärs wurden dabei drei Menschen verletzt.
Es war der erste Vorfall mit zivilen Verletzten seit Inkrafttreten des Waffenstillstands.
Die erneuten Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah waren am 2. März ausgebrochen, kurz nachdem die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begonnen und dessen obersten Führer Ali Chamenei getötet hatten. Als Reaktion darauf nahm die Hisbollah den Raketenbeschuss auf Israel wieder auf, worauf Israel mit Luftangriffen auf den Libanon reagierte, darunter auch auf die Hauptstadt Beirut.
Seitdem wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 2.896 Menschen getötet und 8.824 weitere verletzt. Auf israelischer Seite kamen 18 Soldaten, zwei Zivilisten in Israel sowie ein Rüstungsunternehmer im Südlibanon ums Leben.
