Israel tötet Hamas-Militärführer im Gazastreifen
Israel hat nach eigenen Angaben auch den neuen militärischen Führer der Hamas im Gazastreifen getötet – keine zwei Wochen nach der Tötung von dessen Vorgänger. Der Angriff am Dienstag habe sich gegen Mohammed Odeh gerichtet, einen der Drahtzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz. Odeh sei „für die Ermordung, Entführung und Verwundung zahlreicher israelischer Bürger“ verantwortlich gewesen.
An diesem Mittwochmorgen gratulierte Katz den Streitkräften und dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet zu der Aktion und erklärte, man habe Odeh „zu seinen Genossen in die Tiefen der Hölle geschickt“. Die Hamas bestätigte inzwischen den Tod ihres militärischen Führers. Laut Vertretern des von ihr kontrollierten Gesundheitswesens im Gazastreifen wurden bei der Attacke mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 20 verletzt.
Vorgänger starb vor eineinhalb Wochen
Israel hatte erst vor rund anderthalb Wochen den Tod des vormaligen Hamas-Militärchefs Iss al-Din al-Haddad bei einem eigenen Luftschlag bekanntgegeben. Auch er galt nach den Worten des Verteidigungsministers als einer der Drahtzieher des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober, dem nach Angaben des Militärs etwa 1200 Menschen zum Opfer fielen.
Rund 250 Personen wurden seinerzeit als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Beim darauffolgenden israelischen Militäreinsatz wurden nach Zahlen der Hamas-Behörden mehr als 72.000 Menschen in dem Palästinensergebiet getötet. Die islamistische Hamas wird von zahlreichen Staaten als Terrororganisation eingestuft.
Israel zufolge soll Odeh kurz nach al-Haddads Tötung die Führung des militärischen Flügels der Hamas übernommen haben. Diese bestätigte das allerdings nicht offiziell.
Netanjahu: Terroristen aufspüren und töten
Im Krieg zwischen Israel und der Hamas gilt seit Oktober 2025 eine Waffenruhe, die jedoch brüchig ist. Regierungschef Netanjahu hatte als Ziel ausgegeben, alle Verantwortlichen für den Großangriff von 2023 aufzuspüren und zu töten. Durch Aktionen der Armee und der Geheimdienste starben unter anderem al-Haddads Vorgänger Mohammed Sinwar und Mohammed Deif, die ebenfalls an der Spitze der Kassam-Brigaden – also des militärischen Flügels der Hamas – standen sowie der damalige Chef des Hamas-Politbüros, Ismail Hanija.
Israelische Angriffe richteten sich zudem gegen ranghohe Kommandeure der mit der Hamas verbündeten und vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon; diese wird ebenfalls von etlichen Ländern als Terrororganisation gelistet. So tötete Israel den früheren Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und zahlreiche weitere Führungsleute.
Mitte April war auch in diesem Konflikt eine Waffenruhe verkündet worden. Zuletzt intensivierten aber beide Seiten ihre wechselseitigen Attacken. Bei israelischen Luftangriffen am Dienstag wurden im Libanon nach Angaben der dortigen Behörden mindestens 31 Menschen getötet. Die Hisbollah wiederum setzt zunehmend Glasfaserdrohnen gegen Israel ein, die als unempfindlich gegen Störsender gelten.
Ein israelischer Regierungsvertreter sagte dem Sender Channel 12, die Armee sei bisher „hilflos“ angesichts der neuen Bedrohung. In der Nacht zu diesem Mittwoch gab es nach abermaligem Beschuss aus dem nördlichen Nachbarland Luftalarm in grenznahen Gebieten Israels.
jj/pgr/pg (dpa, afp, rtr, ap)
