Israel fängt erneut Hilfsschiffe für Gaza ab
Die israelische Marine ist erneut gegen eine Hilfsflotte für den Gazastreifen vorgegangen. Auf einer Live-Videoübertragung der „Global Sumud Flotilla“ war zu sehen, wie Soldaten der israelischen Marine ein Boot mit Aktivisten enterten. Mindestens zehn Boote seien gestoppt worden, zu etlichen weiteren sei der Kontakt abgerissen, hieß es. Laut Aktivisten war die Flotte westlich von Zypern unterwegs.
Scharfe Kritik der Aktivisten an Israel
Die Veranstalter sprachen von einer „Attacke“ Israels auf ihre Boote. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, die Marine habe die Kontrolle über Boote der Hilfsflotte übernommen. Die Aktivisten sollten festgenommen und auf ein Schiff der Marine gebracht werden, auf dem sich ein „schwimmendes Gefängnis“ befinde. Von dort sollten sie in die israelische Hafenstadt Aschdod gebracht werden. In der Vergangenheit waren internationale Aktivisten stets nach einer Weile wieder in ihre Heimatländer abgeschoben worden.
Das israelische Außenministerium warf den Teilnehmern vor, es gehe ihnen ausschließlich um Provokation und nicht um humanitäre Hilfe. Sie dienten damit nur der islamistischen Terrororganisation Hamas, die weiter einen Teil des Gazastreifens kontrolliert. „Israel wird keinerlei Verletzung der rechtmäßigen Seeblockade des Gazastreifens zulassen“, hieß es weiter.
Die propalästinensischen Aktivisten waren vom türkischen Hafen Marmaris aus in See gestochen. Sie wollten erneut versuchen, die bereits seit 2007 bestehende israelische Seeblockade des Gazastreifens, die auch von Ägypten mitgetragen wird, zu durchbrechen und Hilfsgüter in die Konfliktregion zu bringen. Nach Darstellung Israels herrscht im Gazastreifen kein Mangel an Hilfsgütern.
Die Türkei sieht „Akt der Piraterie“
Die israelische Marine hatte schon im Oktober vergangenen Jahres und dann am 30. April nahe der Küste Kretas mehrere Schiffe der „Global Sumud Flotilla“ in internationalen Gewässern abgefangen. Bei der Aktion Ende April wurden nach israelischen Angaben 175 Menschen festgenommen. Griechenland nahm die meisten von ihnen auf und organisierte ihre Rückreise in die Herkunftsländer. Zwei Aktivisten wurden nach Israel gebracht, nach einer Woche aber abgeschoben.
Das türkische Außenministerium verurteilte das Vorgehen Israels scharf. Dieses stelle einen „Akt der Piraterie“ dar. Israel müsse die inhaftierten Teilnehmer unverzüglich freilassen. Man werde die notwendigen Maßnahmen ergreifen, damit die eigenen Bürger sicher in ihr Heimatland zurückkehren könnten, hatte Ankara im April erklärt.
Bei Einsatz 2010 gab es Tote
Mehrere EU-Staaten, darunter auch Deutschland, äußerten Zweifel an der Vereinbarkeit des Stopps in internationalen Gewässern mit dem Völkerrecht. Israel dagegen betont, das Vorgehen gegen die Aktivisten stehe im Einklang mit dem Völkerrecht. Der jüdische Staat wirft einigen Aktivisten Verbindungen mit der Hamas im Gazastreifen vor.
Israels Außenministerium warf den Veranstaltern Ende April auch vor, sie hätten zwei gewaltbereite türkische Gruppierungen an Bord. Bei einer Aktion im Jahre 2010 gegen die Gaza-Seeblockade hatten israelische Soldaten das türkische Schiff „Mavi Marmara“ vor der Küste des Gazastreifens gestürmt. Zehn türkische Staatsbürger kamen damals ums Leben.
haz/wa/ww (dpa, rtr, afp)
