Iran meldet angeblichen Angriff auf US-Militärschiff
Der Iran hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars zwei Raketen auf ein US-Militärschiff in der Straße von Hormus abgefeuert. Zuvor habe die US-Fregatte „eine Warnung der iranischen Marine ignoriert“, meldete die iranische Nachrichtenagentur ohne Angaben von Quellen. Unabhängig konnten die Angaben nicht überprüft werden.
Das US-Armeeschiff habe mit seiner Einfahrt in die Meerenge einen „Verstoß gegen die Regeln der Schifffahrt und der maritimen Sicherheit“ begangen, schrieb Fars. Nach Angaben der Agentur befand sich die Fregatte in der Nähe des iranischen Hafens Dschask.
Die USA hingegen dementieren, dass die iranischen Streitkräfte ein US-Kriegsschiff angegriffen haben. Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom teilte auf der Plattform X mit, Berichte iranischer Medien, dass ein Schiff von zwei Raketen getroffen worden sei, seien falsch.
Trump kündigt Einsatz in der Straße von Hormus an
Zuvor hatten die USA angekündigt, mit einer neuen Initiative unter dem Namen „Projekt Freiheit“ festsitzende Handelsschiffe aus der blockierten Straße von Hormus zu führen. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Einsatz solle am Montagmorgen (Ortszeit Nahost) beginnen.
Trump begründete den Schritt damit, dass „Länder aus aller Welt“ Washington um Hilfe gebeten hätten. „Zum Wohle des Iran, des Nahen Ostens und der Vereinigten Staaten haben wir diesen Ländern zugesichert, ihre Schiffe sicher aus diesen gesperrten Gewässern zu geleiten, damit sie ihren Geschäften ungehindert nachgehen können“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Die Aktion gelte ausdrücklich nur für Schiffe aus Staaten, die nicht in den Iran-Krieg verwickelt seien: „Sie sind lediglich neutrale und unschuldige Dritte!“
Gleichzeitig drohte der US-Präsident mit Konsequenzen bei möglichen Störungen: Sollte „in irgendeiner Weise“ in die Aktion eingegriffen werden, werde „dieser Eingriff leider mit Gewalt beantwortet werden müssen“.
Militärische Unterstützung, aber keine direkte Eskorte
Das für die Region zuständige US-Zentralkommando (Centcom) kündigte umfassende militärische Unterstützung an. Demnach sollen Lenkwaffenzerstörer, mehr als 100 Fluggeräte, unbemannte Plattformen sowie rund 15.000 Soldaten eingesetzt werden. Centcom-Befehlshaber Admiral Brad Cooper erklärte, die Mission sei „für die Sicherheit der Region und die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung“, während gleichzeitig die bestehende Seeblockade gegen iranische Schiffe aufrechterhalten werde.
Konkrete Details zum Ablauf bleiben jedoch weitgehend unklar. Medienberichten zufolge ist derzeit keine direkte Eskorte durch US-Kriegsschiffe vorgesehen. Stattdessen soll eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden, die sichere Routen durch die Meerenge festlegt und Informationen über mögliche Gefahren wie Seeminen bereitstellt.
Trump bezeichnete die Initiative auch als „humanitäre Geste“. Viele Schiffe seien seit Wochen festgesetzt, an Bord gingen Lebensmittel und lebenswichtige Güter zur Neige, was hygienische Probleme verschärfe.
Iran weist Einmischung scharf zurück
Teheran reagierte umgehend und mit deutlicher Kritik. Jede amerikanische Einmischung in der Straße von Hormus werde als Verstoß gegen die Waffenruhe gewertet, erklärte der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Azizi. Die Meerenge werde nicht durch „Trumps wahnhafte Beiträge gesteuert“.
„Wir warnen davor, dass jede ausländische Streitmacht, insbesondere die aggressive amerikanische Armee, angegriffen wird, sollte sie beabsichtigen, sich der Straße von Hormus zu nähern und in diese einzudringen“, sagte der Kommandeur der zentralen Militärführung, Ali Abdollahi Aliabadi, laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim.
Frachter, die die Meerenge passieren wollten, müssten dies mit iranischen Streitkräften absprechen, hieß es weiter. Aliabadi ist der faktische Generalstabschef. Er leitet das Hauptquartier Chatam al-Anbija, das im Kriegsfall die operative Führung der iranischen Streitkräfte bündelt.
Seit Beginn des Iran-Kriegs kontrolliert der Iran die strategisch wichtige Wasserstraße und hat den Schiffsverkehr durch Drohungen und Angriffe weitgehend zum Erliegen gebracht. Vor dem Konflikt wurden dort etwa ein Fünftel der weltweit gehandelten Öl- und Flüssiggasmengen transportiert. Im Gegenzug haben die USA eine Blockade gegen Schiffe verhängt, die iranische Häfen anlaufen.
Neue Angriffe verschärfen Lage
Die Sicherheitslage bleibt angespannt. Die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) meldete mehrere Zwischenfälle: Ein Tanker wurde demnach nahe der Vereinigten Arabischen Emirate von „unbekannten Projektilen“ getroffen. In einem weiteren Fall berichtete der Kapitän eines Frachters von einem Angriff durch mehrere kleine Boote.
Alle Besatzungen blieben nach bisherigen Angaben unverletzt, Umweltschäden wurden nicht gemeldet. Dennoch rief die Behörde Schiffe dazu auf, die Region nur mit äußerster Vorsicht zu durchqueren.
Der Iran stellte einzelne Vorfälle anders dar: Ein Schiff sei lediglich zur Dokumentenprüfung gestoppt worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Fars.
Diplomatie ohne Durchbruch
Parallel zu den militärischen Spannungen laufen diplomatische Bemühungen zur Beendigung des Konflikts weiter – bislang ohne greifbaren Erfolg. Trump lobte nun die Verhandlungen mit Teheran über eine Beendigung des Iran-Krieges. „Ich weiß ganz genau, dass meine Vertreter sehr positive Gespräche mit dem Land Iran führen und dass diese Gespräche zu etwas sehr Positivem für alle führen könnten“, erklärte er auf Truth Social.
Kurz zuvor hatte Trump aber noch Zweifel an der Tragfähigkeit eines iranischen Vorschlags geäußert und eine Wiederaufnahme militärischer Angriffe als „Option“ bezeichnet.
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bakaei, hatte im Staatsfernsehen gesagt, Teheran habe einen 14-Punkte-Plan „mit Schwerpunkt auf der Beendigung des Krieges“ vorgelegt und Washington habe darauf in einer Botschaft an pakistanische Vermittler geantwortet. „Wir prüfen dies und werden jede notwendige Maßnahme in dieser Angelegenheit ergreifen“, sagte Bakaei. Das umstrittene Atomprogramm sei in dem vorgelegten Plan zunächst ausgeklammert und soll erst später behandelt werden.
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels begonnen. Seither bleibt die Lage fragil. Trotz einer Waffenruhe seit Anfang April wächst die Sorge vor einer erneuten Eskalation.
pgr/pg (dpa, afp, rtr)
