Instagram-Hit aus Wallenfels: 380 Millionen Videoaufrufe für eine Floßfahrt auf der Rodach – Bayern


So putzig, die Provinz. Sogar im Nordoberfränkischen machen sie jetzt Instagram-Filmchen, wie schön. Ums Floßfahren auf der wilden Rodach in Wallenfels geht es darin, Frankenwald, hach, urtümlich. Und der Kleinstadtbürgermeister hat sogar ein paar Zeilen in ortsüblicher Sprache zu seinem Insta-Reel gestellt, lovely: „In Gott’s Noma“ – also: in Herrgotts Namen – schreibt er, hätten gerade die Flößer abgelegt. Wie viele Aufrufe? 380! Reespeeekt!

Moment. Was heißt jetzt die Angabe „Millionen“ hinter der Ziffer 380? Ach so. Nicht 380, sondern 380 Millionen Zugriffe (Stand: Freitag, 5. Juni) hat das Flößer-Filmchen aus Wallenfels, Nordoberfranken, inzwischen. Und mehr als fünf Millionen Likes. Oh. Ja, das ist dann wohl sogar richtig, äh, gut.

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Um mal kurz die Stilart zu wechseln: Auch der Bürgermeister von Wallenfels im Kreis Kronach hätte durchaus mit ein paar Millionen weniger Zugriffen auf sein Privatvideo gerechnet. Wallenfells hat keine 2500 Einwohner. Flößer, die Baumstämme aus dem Frankenwald auf dem örtlichen Flüsschen transportieren, gibt es dort seit einigen Hundert Jahren. Da hätte Bürgermeister Jens Korn die Insta-Tauglichkeit jener Aufnahme, wie im Mai wieder mal die Flößer-Saison eröffnet wird, nicht gar so wuchtig eingeschätzt.

„Ich saß abends auf meiner Couch“, erzählt Korn. Und habe halt einfach mal dieses Video ins Netz gestellt. „Als Arbeitsnachweis“, sagt der Bürgermeister, ein übrigens sehr ironiebegabter Mann.

Als er morgens aufwachte, hatte sein „In-Gott’s Noma“-Reel, 18 Sekunden lang, bereits einige Millionen Aufrufe. Die 100-Millionen-Grenze knackte es nach 24 Stunden. In Bayern schafften das nicht mal die allerbesten Söder-Döner-Filmchen, spöttelt der Bürgermeister.

Korn, jetzt Top-Influencer, darf das, er war mal Markus Söders Büroleiter. Ist allerdings schon 20 Jahren her. Seit 2014 ist Korn Rathauschef von Wallenfels, Nordoberfranken. Und freut sich jedes Jahr wieder, wenn die Saison losgeht. Wenn also das erste Wehr in, jawohl, famos Schnappenhammer geöffnet wird, einem Ortsteil von Wallenfels. Etwa 50 Einwohner.

Genau diesen Moment zeigt das 380-Millionen-Video: Der Flößer manövriert das Floß zur Wehröffnung, es entsteht ein Sog, die Floßgäste, auf einem Holzbalken sitzend, müssen die Köpfe einziehen und sitzen in diesen ersten Sekunden mindestens bis zum Gürtel im Wasser. Das ist den Fahrtgästen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen vorab ja garantiert worden: Nass werdet ihr werden. Richtig nass.

Ohne die vielen Tausend Kommentare im Einzelnen gelesen zu haben, die Welt ist, das darf man sagen, fasziniert: „Oh Lord!“ Hat aber offenbar noch Fragen an Franken: Wie das denn bitte sei mit der Sicherheit? Die Wasserwacht ist im Einsatz. Und wer, kreisch, ist dieser Flößer, der coole Typ mit der Zigarettenschachtel im weiß-blau karierten Hemd? Chris Hofmann heißt der Mann, 34, Flößer quasi von Geburt an, schon sein Opa war so unterwegs.

Etwa 40 Minuten dauert eine Floßfahrt auf der wilden Rodach in Wallenfels. 
Etwa 40 Minuten dauert eine Floßfahrt auf der wilden Rodach in Wallenfels.  Foto: Mauritius Images

Und nun? Will Wallenfels – was den Tourismus betrifft – Neuschwanstein in Angriff nehmen? Und danach Hallstatt in Österreich, das europäische Overtourism-Örtchen schlechthin?

„Selbstverständlich“, sagt Korn, der Ironiker. Die Floßfahrten immerhin sind in dieser Saison bereits ausverkauft.



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