Hotel Lanserhof Sylt: sehr gutes Gesundheitszentrum & Pionier bei Longevity
Rath checkt ein
Gesundheitszentrum für High Performer
Zeit ist die härteste Währung der High Performer. Der Lanserhof auf Sylt hat den Wechselkurs neu berechnet, findet unser Kolumnist. Er unterzieht sich dem „Essential Health Check“ und lässt sich vier Tage lang auf Herz und Nieren prüfen
Carsten K. Rath hat zahlreiche Grandhotels geführt. Er ist Gründer des Hotel-Rankings „Die 101 besten Hotels“, das auch als Buch in Kooperation mit Capital erscheint. Hotels, über die er für Capital schreibt, bereist Rath auf eigene Rechnung.
Seit seiner Gründung in Lans, Tirol, im Jahr 1984 hat sich der Lanserhof zu einem der führenden Gesundheitszentren in Europa entwickelt. Heute setzen die Standorte in Lans, am Tegernsee und auf Sylt eine wichtige Benchmark im boomenden Touristikzweig der „Medical Spas“.
Den Lanserhof auf der liebsten friesischen Insel der Deutschen kenne ich gut, bereits 2022 durfte ich als einer der ersten Gäste beim Pre-Opening auf Sylt dabei sein. Meine Geschichte mit der Lanserhof-Gruppe reicht sogar noch weiter zurück. Vor einigen Jahren checkte ich für zehn Tage am Tegernsee ein und verlor stolze acht Kilogramm Körpergewicht.
Die Architektur von Christoph Ingenhoven holt das idyllische „Draußen“ dank großer Fenster direkt in die Suite © Alexander Haiden
Hotel-Pionier bei Longevity
Die Marke Lanserhof hat das Thema „Longevity“ – den Wunsch, ein möglichst langes, vor allem aber gesundes Leben zu führen – sehr früh besetzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Auf ein Niveau, das manchen Nachahmer blass aussehen lässt. Der Erfolg gründet auf einem kompromisslos ganzheitlichen Konzept, dazu später mehr. Nun bietet das Haus für besonders zeitarme Erholungswillige neben den klassischen sieben- und zehntägigen Kuren ein „Essential Health Check“-Programm an, das mit vier Tagen auskommt.
Ich gebe zu, wenn jemand verspricht, mein Leben innerhalb weniger Tage zu verändern, meldet sich meine Skepsis. Gesundheit ist kein Quick Fix. Doch am Schluss siegt die Neugier des körperbewussten Hoteltesters, und jetzt stehe ich vor dem langgestreckten Reetkomplex auf Sylt. Bereit für einen präzise orchestrierten Check-up unter der ärztlichen Leitung von Dr. Jan Stritzke und dem COO Christian Siegling. Maximale Erkenntnis bei minimalem Zeitaufwand.
Fitness trifft Daten: Sämtliche Untersuchungen, Analysen und Messungen ergänzen das Protokoll zur persönlichen Leistungsoptimierung © Alexander Haiden
Tag 1: Ankunft und Analyse
Bereits bei der ersten Untersuchung, zur Aufnahme sozusagen, wird mir klar: Das wird kein Wellness-Kurzurlaub. Dr. Jan Stritzke startet sofort mit der ärztlichen Eingangsuntersuchung. „Wir schauen nicht nur, wie es Ihnen geht. Wir wollen verstehen, warum“, sagt er. Zunächst werden sämtliche Stoffwechselprozesse mittels Laborproben seziert, dann blickt der Mediziner per High-End-Ultraschall tief ins System. Er scannt die Schilddrüse als energetischen Motor und sämtliche Organe des Unterbauchs.
Zum Abschluss eine Salztherapie: In der feinen Sole-Inhalation regenerieren die Schleimhäute, das maritime Mikroklima aktiviert das Immunsystem. Tief durchatmen, denn es steht mir sicherlich noch so einiges bevor.
Mein Rückzugsort ist eine Maisonette-Suite, deren Design den Puls bereits beim Eintreten spürbar senkt. Das von Architekt Christoph Ingenhoven entworfene Gebäude des Lanserhofs auf Sylt verschmilzt mit den Dünen und übersetzt die schroffe Klarheit der Landschaft in eine beruhigende Ordnung der Innenräume. Exakte Linien, große Glasfassaden und das mächtige Reetdach – das größte Europas – erzeugen ein in sich stimmiges Umfeld. Die markanten, begehbaren Dachgauben wirken wie private Logen über der Nordsee.
Im Erdgeschoss meiner Suite wartet ein gemütlicher Leseraum, oben ein minimalistisches Schlafzimmer in Beige und hellem Holz. Die großen Fenster fluten den Raum mit Licht und geben den Blick aufs Meer frei. In der ersten Nacht schlafe ich besser als irgendwo sonst.
Der Außenpool des Lanserhof Sylt verbindet die Natur der Insel mit der luxuriösen Moderne des Resorts © Alexander Haiden
Tag 2: Strand, Gesundheitsprotokoll und Detox-Drainage
Der Morgen beginnt früh mit einem „Aktiven Erwachen“ am Meer: Ein Spaziergang zwischen Dünen und Flutsaum, wo die jodhaltige Seeluft tief in die Lungen gepresst wird, der von sanften Mobilisierungsübungen und Barfußlaufen im Sand begleitet wird. Zurück im Lanserhof übernimmt Frederik Joisten, der Leiter des Bewegungsbereiches. Er misst per Bioimpedanz das Verhältnis von Fett, Wasser und Muskelmasse in meinem Körper und die maximale Sauerstoffaufnahme unter Belastung. Das resultierende Protokoll bezeichnet er als „Status quo, nicht das mögliche Potenzial“.
Danach eine Detox-Drainage zur Aktivierung des Lymphsystems und ab in die Kältekammer – drei Minuten bei minus 110 Grad. Dazwischen immer wieder feste Elemente wie das Mittagessen und die anschließende Ruhezeit, die ein wichtiger Teil des Programms ist und keine bloße Pause. Ich beginne zu verstehen: Durch die ausgeklügelte Struktur wird beim Erfolg der Minikur nichts dem Zufall überlassen.
In der weitläufigen Lodge samt angrenzender Bibliothek trifft architektonische Raffinesse auf behagliche (Kamin-)Wärme © Alexander Haiden
Tag 3: Gezielte Belastung
Heute lerne ich: „Gesundheit entsteht durch Reize, nicht durch Komfort.“ Die Analyse der Handkraft dient dabei als verblüffend präziser Indikator für Vitalität und biologisches Alter. Danach wird mein Organismus gezielt gefordert und angeregt. Etwa mit simuliertem Höhentraining im Liegen zur Regeneration der Zell-Kraftwerke, einer Heilmassage und der Fußreflexzonen-Therapie.
Zwischen den Anwendungen besuche ich einen Vortrag der Ökotrophologin Salla Schmilewski. Ihr Satz „Entzündungen sind das Grundrauschen unserer Zeit“ bleibt bei mir hängen. Eine Antwort darauf ist die „Lanserhof Energy Cuisine“, deren Rezepte wissenschaftlich fundiert, anti-entzündlich und darmfreundlich sind. Chefkoch Sebastian Ritz zaubert Gerichte, die ich trotz ihrer entlastenden Funktion genussvoll esse. Statt Verzicht steht nämlich maximale Nährstoffdichte im Fokus: sonnengereifte, biologische Zutaten, so exakt kombiniert, dass sie den Blutzuckerspiegel stabil halten und dem Körper konstante Energie spenden.
Auch bauliche Highlights wie die schneckenförmige Wendeltreppe betonen die Dynamik des Hauses und seines Angebotes © Alexander Haiden
Tag 4 und 5: Das System „Lanserhof“
Bei der Sonografie der Bauchorgane erklärt mir Dr. Stritzke, dass er und seine Kollegen den Körper nicht als Sammelsurium von Einzelteilen verstehen, sondern als komplexes Netzwerk. Ein ganzheitlich auf zig Ebenen verbundenes System. Klingt logisch, und doch ungewohnt.
Auch der letzte Tag folgt dem bewährten Ritual: Erwachen am Meer, Frühstück, Fußmassage, Eiskammer – und dann das Abschlussgespräch. Alle relevanten Daten meines Körpers sind ausgewertet und werden nun von Dr. Stritzke in schlüssige Zusammenhänge gebracht. „Ein kurzer Aufenthalt kann der Moment sein, in dem Gesundheit vom Zufall zur bewussten Entscheidung wird“, hatte er beim Kennenlernen gesagt. Jetzt verstehe ich, was er damit meinte. Dazu hat auch das Rahmenprogramm beigetragen, darunter etwa Pilates, Breathwork, Koch- und Backkurse sowie die Fachvorträge.
Ja, vier Tage sind zu kurz, um sein Leben komplett umzukrempeln. Immerhin aber lange genug für die Erkenntnis, dass man es vielleicht versuchen sollte.
Raths Reise-Rating
1 Ganz großes Kino
2 Wenn’s nur immer so wäre
3 Meckern auf hohem Niveau
4 So lala, nicht oh, là, là
5 Besser als im Hostel
6 Ausdrückliche Reisewarnung
