Hattersheim nutzt Energie aus Rechenzentrum
Wieviel Energie braucht KI? Vor allem das Training ist sehr energieintensiv. Reicht unsere Energie für die Rechenzentren? KI kann aber auch beim Energiesparen helfen, indem Abwärme genutzt wird.
04.05.2026 | 3:27 min
Im hessischen Hattersheim bei Frankfurt am Main betreibt der japanische Konzern NTT Data sieben Rechenzentren. Vom kleinen Handwerksbetrieb bis hin zu großen Cloud-Anbietern nutzen 1.000 IT-Kunden deren Mietserver. Die Anlagen produzieren dabei auch große Hitze und müssen permanent gekühlt werden. Das verbraucht viel Strom – rund doppelt so viel wie ganz Hattersheim, so der Klimamanager der Stadt.
Die Abwärme von Rechenzentren verpufft normalerweise ungenutzt. Nicht so in Hattersheim: Damit werden nun im Neubaugebiet in der Nähe der Anlagen 600 Haushalte beheizt. Die Abwärme der Rechenzentren wird dafür in ein Nahwärmenetz eingespeist. Gemeinsam mit dem städtischen Klimaschutzmanager und dem Energieversorger Mainova hat NTT Data das Projekt umgesetzt.
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Wie funktioniert das Heizen mit Abwärme?
Mittels unterirdischer Leitungen wird Wasser durch die Kühlung der Rechenzentren geführt und dadurch erwärmt. Anschließend leiten Pumpen das warme Wasser ins Neubaugebiet. Bereits bei der Bauplanung des Gebiets stand fest, wo dafür die Rohre verlegt werden sollen. Kein Haus benötigt dort eine eigene Gas- oder Ölheizung – auch eigene Wärmepumpen sind nicht nötig.
Da eine unvermeidbare Abwärme aus dem Rechenzentrum kommt, haben wir hier ein ganzes Quartier mit grüner Energie beheizt.
Andreas Flettner, Klimaschutzmanager von Hattersheim am Main
Großflächiger Ausbau des Abwärmenetzes noch schwierig
Bislang können allerdings nur drei bis sechs Prozent der gesamten Abwärme genutzt werden. Will man mehr erreichen, müssten in der Stadt weitere Rohre verlegt werden. Da sieht Bürgermeister Klaus Günter Schindling (CDU) technische Grenzen:
„Wenn man mit 60 Grad in die Fernwärmeleitung geht und mit jedem Kilometer die Temperatur abnimmt, kommen irgendwann vielleicht nur noch zehn Grad in den Haushalten an“, erklärt Schindling. In solchen Fällen rechnet sich das Projekt ökonomisch nicht mehr für die Anwohner. Die eigene Wärmepumpe ist dann günstiger.
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Räumliche Nähe ist entscheidend
In Berlin-Spandau gibt es seit 2025 das Vorzeigeprojekt: „Das Neue Gartenfeld“. Dort versorgt NTT Data ein komplettes Wohnquartier aus zwei Rechenzentren mit mehr als acht Megawatt Abwärme.
Zwei Kilometer lange Leitungen bringen die Wärme zu über 10.000 Menschen, in Schulen, Kindergärten, Gewerbeeinheiten, CO2-frei und direkt aus dem Rechenzentrum.
Günter Eggers, NTT Global Data Centers
Das Fazit: Je näher Rechenzentrum und Wohn- oder andere zu beheizende Projekte zusammenliegen, desto effizienter wird die Abwärmenutzung.
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Enormer Energiebedarf von Rechenzentren
Solche Projekte könnten in Zukunft womöglich breiter genutzt werden. Denn laut einer Prognose der Internationalen Energieagentur könnte sich der Energiebedarf von Rechenzentren bis 2030 verdoppeln und damit auch noch mehr Abwärme freigesetzt werden.
Vor allem rechenintensive KI-Anwendungen benötigen riesige Rechenzentren. „Wir werden in immer mehr Bereichen Künstliche Intelligenz und Large Language Models benutzen. Das wird den Energieverbrauch erhöhen“, stellt Prof. Ralf Herbrich vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam klar.
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Hattersheim will Abwärme auch fürs Freibad nutzen
In Hattersheim bringen die Rechenzentren außer der Wärme ins Neubaugebiet auch Geld in die Stadtkasse. Die Gewerbesteuereinnahmen stiegen von 6,6 Millionen Euro (2016) auf inzwischen 24 Millionen Euro im Jahr 2024. Dadurch kann die Stadt auch außerhalb des Neubaugebiets investieren.
Wir wollen das Freibad und große Unternehmen mit anschließen und sind optimistisch, dass wir mit Abwärme anstelle von Gas heizen können.
Klaus Günter Schindling, Bürgermeister von Hattersheim am Main
Claudia Krafczyk ist Redakteurin der ZDF-Sendung WISO.
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Über dieses Thema berichtete WISO am 04.05.2026 ab 19:25 Uhr.
