Hat Israel geheime Stützpunkte im Irak aufgebaut?


Armeeeinheiten sind in der Wüste von Nukhaib südwestlich von Kerbela und Nadschaf im Irak zu sehen.

Stand: 26.05.2026 • 11:01 Uhr

Es sind eigentlich zwei verfeindete Staaten. Doch nun sorgt ein Verdacht für Diskussionen. Hat Israels Militär für den Krieg gegen Iran geheime Stützpunkte im Irak genutzt?

Von Magdalena Knöller, ARD-Studio Kairo

Waren israelische Soldaten geheim im Irak stationiert für den Krieg gegen Iran? Zwischen der irakischen Armee und Sicherheitsexperten des Landes ist ein Kampf um die Wahrheit ausgebrochen.

Im arabischen Fernsehsender Al-Arabiya etwa kochen die Emotionen zweier irakischer Militärexperten hoch. Es geht darum, für wen die Schande größer sei: für Israel oder den Irak? Einer der beiden Militärexperten ist sich sicher, dass Israelis in der irakischen Wüste stationiert waren. Der andere erwidert, auf gar keinen Fall.

Stationierung unter dem Radar des US-Militärs?

Wenn Israel monatelang in der irakischen Wüste militärisch operiert hat, wie und warum hat vor Ort angeblich niemand etwas davon mitbekommen? Radarsysteme kontrollieren den Luftraum über dem Irak. Die USA unterstützen die Iraker dabei. Amerikanische Soldaten sind seit dem Irakkrieg 2003 und dem späteren Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) im Land. Sie sollen aber abziehen. Eigentlich hätten sie Hubschrauber und andere Bewegungen mitbekommen müssen.

Der irakische Politik- und Sicherheitsexperte Ra’ad Hashem spricht in einer Fernsehsendung in Al-Hadath von zwei Theorien, die auch anderswo zu hören sind. Es gebe Stimmen, die sagen, die Radarsysteme wurden von den Amerikanern ausgeschaltet. Er vertritt dagegen die Meinung, dass sie von Milizen angegriffen wurden. Das sei seiner Kenntnis nach quasi sicher.

Radarsysteme für den irakischen Luftraum waren ausgeschaltet

Fakt ist: Die Radarsysteme für den irakischen Luftraum waren vor Kriegsbeginn ausgeschaltet. So berichtet es auch die New York Times. Sie und das Wall Street Journal hatten diesen Monat zuerst aufgedeckt, dass Israel in der irakischen Wüste geheim Militär positioniert hatte: mit Landebahn, Hubschraubern, Eliteeinheiten und Sanitätern, unter anderem um nah dran zu sein, falls israelische Soldaten bei den Angriffen im Iran verwundet werden.

Andere Sicherheitsexperten sprechen davon, dass Israel nicht nur während dieses Irankrieges, sondern auch schon in den Jahren davor in der irakischen Wüste aktiv war. Bisher äußert sich Israel nicht dazu. Es gebe weder eine Bestätigung noch ein Dementi, aber es sei bekannt, dass Israel hier und da Stützpunkte habe oder versuche, solche zu errichten, sagt Majdi Al-Halabi in Al-Hadath. Der Journalist ist spezialisiert auf Themen rund um Israel.

Die New York Times hatte darüber berichtet, dass ein Hirte bei einer Fahrt durch die Wüste die fremden Soldaten entdeckt und das den Behörden gemeldet hatte. Wenig später fand seine Familie ihn tot in seinem ausgebrannten Wagen. Daraufhin soll das irakische Militär eine Aufklärungsmission an den Ort geschickt haben, um den Bericht des Hirten zu überprüfen. Auch dabei soll es zu einer gewaltsamen Konfrontation gekommen sein. Ein irakischer Soldat starb.

Dieses von Airbus DS zur Verfügung gestellte Satellitenbild zeigt eine offenbar von Menschenhand angelegte Spur in der westlichen Nukhaib-Wüste im Irak.

Was sagt das irakische Militär zu den Vorfällen?

Der für das Gebiet zuständige Kommandeur Ali Ghazi Al-Hashemi stellte sich in der Wüste an einen der beiden mutmaßlichen Stützpunkte Israels und sagte vor laufender Kamera dem Nachrichtensender Al Jazeera: „Wir haben das gesamte Gebiet abgesucht und keine Truppen vorgefunden. Weder Truppen noch Lager, keine ausländischen Streitkräfte. Nur die heldenhaften irakischen Sicherheitskräfte.“ Eine Anfrage an das irakische Militär aus dem ARD-Studio Kairo blieb bislang unbeantwortet.

Inzwischen soll es keine Spuren mehr einer Landebahn geben, nachdem es dort geregnet haben soll, sagt Ahmed al-Sharifi, Sicherheits- und Strategieexperte in Bagdad, auf Shams TV. Er hat keinen Zweifel daran, dass Israel Militärstützpunkte in der irakischen Wüste hatte. Die Landebahn sei rund 850 Meter lang gewesen. Sie sei in einem Gebiet errichtet worden, das tiefer liege – in einem ausgetrockneten Seebecken. Dieser Standort sei von höhergelegenem Gelände umgeben und damit schwer einsehbar.

Israel habe das Knowhow und die Ausstattung dafür, innerhalb weniger Stunden eine Landebahn zu bauen und Transportflieger einzusetzen. Die hätten die besondere Fähigkeit, nur wenig Staub aufzuwirbeln, um unentdeckt zu bleiben.

Sicherheitsexperte: Irakische Armee braucht bessere Ausstattung

Al-Sharifi zufolge braucht die irakische Armee dringend neue technische Ausstattung wie beispielsweise Drohnen, um die riesige Wüste überwachen zu können: „Die Stationierung von Soldaten in einer Wüste von 175.000 Quadratkilometern ist sehr schwierig: Das braucht viel Personal, und die Verwaltung und Logistik sind teuer.“

Die „bittere Ironie“ sei, sagt er, dass die irakische Regierung den Abzug der Amerikaner fordert. Die Lücke, die sie hinterließen, könne die irakische Armee gar nicht ausgleichen.

Irakische Regierung unter Druck

Bis diesen September sollen die US-Truppen abgezogen sein. Die irakische Regierung steht unter Druck. Schon jetzt werfen irakische Abgeordnete ihr vor, die Kontrolle über Teile des Staatsgebiets verloren zu haben.

Die Regierung hat laut Medienberichten wegen des Vorfalls in der Wüste, bei dem ein Soldat von ausländischen Kräften getötet wurde, Beschwerde bei den Vereinten Nationen eingelegt.



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