Hantavirus: Was ist bekannt, was ist noch unklar? – Panorama
Bislang sind drei Passagiere gestorben, mutmaßlich alle an einer Hantavirus-Infektion: eine Frau aus Deutschland sowie ein älteres niederländisches Ehepaar. Der Ehemann verstarb bereits Mitte April an Bord, zu dem Zeitpunkt war noch unklar, dass das Hantavirus möglicherweise die Ursache war. Seine Frau verstarb zwei Wochen später.
Wie viele Menschen wurden von Bord gebracht?
Am Mittwoch wurden drei Menschen unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Außenministerium mitteilten.
Die zwei kranken Besatzungsmitglieder – ein 56-jähriger Brite und ein 41-jähriger Niederländer – werden in Krankenhäusern in den Niederlanden behandelt.
Die 65-jährige Deutsche befindet sich im Universitätsklinikum Düsseldorf. Es gebe keine Hinweise auf eine Infektion, sagte ein Sprecher der Uniklinik. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Inkubationszeit seien jedoch eine weitere Beobachtung und zusätzliche Untersuchungen erforderlich. Die Schutzmaßnahmen werden deshalb vorsorglich aufrechterhalten. Die Frau stand in direktem Kontakt zu der deutschen Frau, die am Virus gestorben ist.
Wie viele Menschen sind infiziert?
Wie viele Personen sich mit dem Hantavirus infiziert haben, ist derzeit noch unklar. Die Lage entwickelt sich ständig weiter. Am 6. Mai teilte die WHO mit, dass insgesamt acht Fälle gemeldet worden seien. Dazu zählen auch die drei verstorbenen Menschen. Derzeit sind also fünf lebende Personen mit dem Virus infiziert.
Eine Person ist in kritischer Verfassung und vier Personen zeigen leichte Symptome. Die Person in kritischer Verfassung wird auf einer Intensivstation im südafrikanischen Johannesburg behandelt. Zu den Personen mit leichten Symptomen zählen die zwei Männer, die in den Niederlanden behandelt werden. Ein weiterer Erkrankter ist ein Schweizer, der die Hondius bereits am 24. April auf der Insel St. Helena im Süden des Atlantischen Ozeans verlassen hatte. Wer die anderen beiden Personen sind, ist bislang unklar.
Eine Flugbegleiterin, die direkten Kontakt mit der verstorbenen Niederländerin an Bord eines Flugzeugs in Johannesburg hatte, könnte auch infiziert sein. Sie liegt mit leichten Krankheitssymptomen in einem Amsterdamer Krankenhaus. Das Gesundheitsministerium in Den Haag teilte mit, sie werde auf das Virus getestet.
Wie viele Passagiere befinden sich noch an Bord, wie geht es ihnen und wie geht es mit dem Schiff weiter?
An Bord zeigt laut dem Reiseveranstalter derzeit niemand der fast 150 Menschen Symptome. Die Stimmung an Bord sei gut, sagte eine Sprecherin der Reederei. „Die Menschen fühlen sich sehr miteinander verbunden“, sagte sie der Nachrichtenagentur ANP.
Am späten Mittwochabend nahm das Schiff Kurs auf die Kanarischen Inseln, die zu Spanien gehören. Es soll am Sonntag Teneriffa erreichen, teilte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC mit. Nach der Ankunft sollen alle Menschen an Bord untersucht und getestet werden. Wenn sie keine Symptome aufweisen, könnten sie nach Angaben des Veranstalters in ihre Heimatländer zurückkehren. Die 14 spanischen Passagiere müssen in einem Militärkrankenhaus in Madrid in Quarantäne.
Wie viele Menschen hatten vor dem ersten Infektionsfall das Schiff verlassen?
Bei einem Zwischenstopp auf der Insel St. Helena am 24. April sind mehrere Passagiere von Bord gegangen. Wie viele das waren, ist bislang unklar. Der Reiseveranstalter Oceanwide Expeditions spricht von 29 Personen, die niederländische Regierung von 40 Personen. Auch die niederländische Frau, die wenig später in Johannesburg an dem Virus starb, verließ auf der Insel das Schiff.
Laut einer Mitteilung der Britischen Behörde für Gesundheitssicherheit haben sieben britische Staatsangehörige auf St. Helena das Schiff verlassen. Zwei davon würden sich zu Hause selbst isolieren, die fünf anderen seien noch nicht zurückgekehrt. Vier befänden sich weiterhin auf St. Helena, die fünfte Person werde derzeit noch gesucht.
Wie ist das weitere Vorgehen für Kontaktpersonen?
Die Passagiere der Hondius kamen den Angaben zufolge aus etwa zwölf Ländern, auch aus Deutschland. Der Reiseveranstalter hat nach eigenen Angaben alle Passagiere informiert. Da das Schiff unter niederländischer Flagge fährt, ist auch das Land für die Lage an Bord zuständig. Nach Angaben des niederländischen Außenministeriums leiten nun die Gesundheitsbehörden Großbritanniens gemeinsam mit der WHO die Untersuchung, ob Passagiere mögliche Symptome aufweisen.
Die niederländischen Behörden haben Kontakt zu allen Passagieren an Bord der KLM-Maschine aufgenommen, an Bord derer sich die verstorbene Niederländerin kurze Zeit aufgehalten hatte. Die Passagiere werden den Angaben zufolge regelmäßig kontrolliert.
Droht mit Hanta eine neue Pandemie?
Das ist sehr unwahrscheinlich. Der entscheidende Unterschied zu einem Pandemievirus wie dem Coronavirus Sars-CoV-2 liegt im Übertragungsweg: Hantaviren werden vor allem durch Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen auf den Menschen übertragen – nicht aber großflächig von Mensch zu Mensch, wie man es von einem Atemwegsvirus wie Corona kennt oder erwartet. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet eigentlich nicht statt.
Eine Besonderheit davon stellt jene Variante des Hantavirus dar, die insbesondere in Südamerika vorkommt und nun auch bei den Schiffspassagieren nachgewiesen wurde. Beim Andes-Virus, das aktuell im Fokus steht, scheint eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich zu sein, es braucht dafür aber offenbar sehr engen Kontakt zu einem Infizierten. „Die bislang dokumentierten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des Andes-Virus traten überwiegend bei sehr engem und länger dauerndem Kontakt auf, etwa im familiären Umfeld oder in der medizinischen Versorgung“, sagt Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, dem Science Media Center (SMC).
Das Gesamtrisiko für die Allgemeinbevölkerung sei deshalb sehr gering, sagt Rowland Kao, Veterinärepidemiologe an der Universität Edinburgh. „Und die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Mensch-zu-Mensch-Übertragung noch geringer.“ Anders als bei einem Atemwegsvirus kann man bei Hanta auch einfacher Schutzmaßnahmen befolgen, insbesondere auch Kontakt zu Erkrankten vermeiden. „Das Risiko einer Weiterverbreitung in die Allgemeinbevölkerung sollte daher praktisch null sein“, sagt Andrew Pollard, Experte für Infektionskrankheiten und Immunologie an der Universität Oxford.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters)
