Goethe‑Medaillen 2026: Das sind die Preisträger
Musik, Literatur und Theater – das sind die drei Bereiche, in denen die diesjährigen Preisträger der Goethe-Medaille tätig sind. Ihre Disziplinen und Lebenswege sind verschieden, was sie verbindet ist die Überzeugung, dass sie mit ihrer Arbeit zu kultureller Verständigung beitragen können, dass Kultur Verbindung schafft.
„Ihre Lebenswege und Werke sind Antworten auf Migration, Flucht und gesellschaftliche Transformationen, die Europa im 20. und 21. Jahrhundert geprägt haben, sie schenken unserer Gegenwart dafür eine neue Sprache und tieferes Verständnis“, so der Jury-Vorsitzende Thomas Oberender.
Arvo Pärt: Auf der Suche nach der eigenen Musiksprache
Der in Estland geborene Musiker, Jahrgang 1935, gehört zu den meistgespielten lebenden Komponisten zeitgenössischer Musik weltweit. Mit der sogenannten Tintinnabuli-Methode, die er in den 1970er-Jahren entwickelte, schuf er eine unverwechselbare, minimalistische und spirituell geprägte Klangsprache. Pärts Werke erreichen ein bemerkenswert breites Publikum und erklingen nicht nur in Konzertsälen, sondern auch in Film- und Theaterproduktionen. Sein Weg war kein leichter: Die religiöse Prägung seiner Musik brachte ihm in der Sowjetunion Zensur und Berufsverbot ein, 1980 verließ er mit seiner Familie seine Heimat, ging zunächst nach Wien, dann nach Berlin, wo er fast 30 Jahre lang lebte. Nach der estnischen Unabhängigkeit 1991 knüpfte Pärt wieder Kontakte in seine alte Heimat und kehrte 2010 dauerhaft zurück. Seine Musik berührt Menschen auf der ganzen Welt.
Anita Raja: Kulturvermittlung als Herzenssache
Die 1953 in Neapel geborene Literaturwissenschaftlerin hat seit den frühen 1980er-Jahren maßgeblich dazu beigetragen, deutschsprachige Literatur im italienischen Sprachraum bekannt zu machen. Unter anderem übersetzte sie Werke von Christa Wolf, Franz Kafka, Ingeborg Bachmann und Georg Büchner. Neben ihrer Übersetzungsarbeit prägte sie den deutsch‑italienischen Kulturaustausch als Bibliothekarin und Publizistin. Von 2005 an leitete sie rund ein Jahrzehnt lang als Gründungsdirektorin die Biblioteca Europea in Rom, die als Modell europäisch ausgerichteter Kulturvermittlung gilt. Raja habe sich „stets dafür eingesetzt, Bibliotheken zu einem Ort der Klassen-, Alters- und Bildungsgrenzen überwindenden Begegnung zu machen“, heißt es in der Begründung der Jury.
Prodromos Tsinikoris: Dokumentarisches Theater
Seine Eltern kamen als Arbeitsmigranten nach Deutschland, er selbst wurde 1981 in Wuppertal geboren. Prodromos Tsinikoris arbeitet als Theaterregisseur, Dramaturg und Schauspieler und gehört zu den wichtigen Stimmen des zeitgenössischen griechischen und europäischen Theaters. In seinen dokumentarischen Produktionen setzt er sich mit den Themen Migration, soziale Ungleichheit sowie historischen Perspektiven auseinander. Von 2015 bis 2020 leitete Tsinikoris die Experimentelle Bühne des Nationaltheaters in Athen. Heute ist er Co‑Kurator des International Forest Festival in Thessaloniki und unterrichtet an der Regieschule des Nationaltheaters. „Tsinikoris ist ein Ausnahmetalent, der das Dokumentarische nicht als bloßes Abbild der Wirklichkeit, sondern als künstlerischen Resonanzraum gesellschaftlicher Bruchlinien begreift“, so die Jury,
Die Goethe‑Medaille zählt zu den bedeutendsten deutschen Auszeichnungen für internationale Kulturarbeit. Offiziell verliehen wird sie am 28. August 2026, dem Geburtstag Johann Wolfgang von Goethes, in Weimar.
