Geldnöte bei Angeboten für LGBTQ-Personen


Der Juni ist weltweit Pride-Month – doch statt Ausgelassenheit durchleben die LGBTQ+-Organisationen in Kenia eine regelrechte Krise. Viele Organisationen, die für lesbische, schwule, bi-, transsexuelle sowie queere Menschen einstehen, hatten sich auf die Finanzmittel der US-Regierung zur Unterstützung ihrer Arbeit verlassen. Aber die Kürzung dieser Gelder hat starke Auswirkungen.

Die Organisation HOYMAS, die Personen mit HIV/Aids oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten hilft, betreibt drei Einrichtungen in Nairobi, Kajiado im Rift Valley und Nyeri in Zentralkenia, sagt ihr Direktor John Mathenge zur DW. 

Diese Zentren betreuen LGBTQ+-Personen und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen. Darunter Männer, die Sex mit Männern haben, Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, Menschen, die Drogen injizieren, sowie Transgender-Personen. „Pride bedeutet uns allen als LGBTI-Personen in Kenia und weltweit sehr viel, und der Pride-Monat ist ein Monat, in dem wir immer stolz auf uns sein sollten. Aber bisher sind wir es nicht – wegen der Mittelkürzungen durch USAID“, sagte Mathenge.

Zwei Männer gehen händchenhaltend nebeneinander, sichtbar sind nur die Unterkörper
In Kenia ist Homosexualität verboten und gleichgeschlechtliche Liebe wird mit bis zu 14 Jahren Haft bestraft – und damit ist die Lage immer noch besser als in Uganda, von wo diese beiden Männer nach Nairobi geflohen sindBild: Brian Inganga/AP/dpa/picture alliance

„Man kann sich vorstellen, dass wir in Nairobi fast 25 Mitarbeiter und 110 Freiwillige hatten und wir sie alle entlassen mussten“, sagte er. Mathenge schätzt, HOYMAS hat mehr als die Hälfte seiner Mittel verloren. „Wir arbeiten derzeit, mit einem kleinen Budget. Ich glaube, es fehlen fast 60 Prozent der Mittel, die wir früher von verschiedenen Partnern erhalten haben“, sagte er.

Überhaupt noch Dienste aufrecht zu erhalten, habe schon schwierige Kompromisse erfordert, so Mathenge. Er betonte jedoch, dass die begrenzte Unterstützung durch die kenianische Sozial- und Gesundheitsbehörde geholfen habe. „Mit dem wenigen Geld, das wir für die medizinische Grundversorgung erhalten, bezahlen wir unsere medizinischen Fachkräfte, drei Freiwillige, und stellen sicher, dass wir von diesem winzigen Betrag auch noch Medikamente beschaffen können“, sagte Mathenge.

Dennoch wurden die Sozialarbeit, die Schulung von Gesundheitspersonal, die Meldung von Gewaltfällen und die Programme mit Peer-Educators stark eingeschränkt. „Es hat mich tatsächlich psychisch belastet zu sehen, dass die Gemeinden und die ehrenamtlichen Peer-Educators nicht einmal mehr Zugang zu den wenigen Mitteln haben, die sie früher erhielten; einige unserer Mitarbeiter sind jetzt auf der Straße“, sagte er. 

Kliniken weiterhin geöffnet

Im Gegensatz zu einigen Gruppen, die ihren Betrieb einschränkten oder ganz einstellten, will HOYMAS weitermachen. „Die Einrichtungen sind weiterhin geöffnet. Wir versuchen, unsere Ressourcen durch private Spenden in Kenia zu mobilisieren. So wollen wir sicherzustellen, dass unsere Gemeinschaft Zugang zu Dienstleistungen hat“, fügte Mathenge hinzu.

Für Kevin, einen Studenten in Nairobi, waren die Auswirkungen unmittelbar spürbar. „Früher war ich auf gemeinnützige Organisationen angewiesen, um Beratungsgespräche, Gesundheitsinformationen und sogar Kondome zu erhalten. Seit die Kürzungen der Gelder einige Programme beeinträchtigen, sind diese Dienste seltener geworden und manchmal schwerer zugänglich“, sagte er gegenüber der DW. Dennoch betont er die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaft.

„Die Leute sehen die geringeren Mittel und gehen davon aus, dass alles zum Stillstand kommt. Das ist nicht der Fall. „Wir verlieben uns immer noch, gehen zur Arbeit, zahlen Miete und kümmern uns um unsere Partner. Wir sind immer noch da, immer noch queer und immer noch auf dem Weg nach vorne“, sagt Kevin. „Wenn überhaupt, dann haben wir gelernt, dass Resilienz nichts ist, was uns Geldgeber geben; es ist etwas, das wir schon immer hatten.“

„Viele Menschen gehen davon aus, dass man einfach in jedes Krankenhaus gehen kann, aber das entspricht nicht immer der Realität. Manche Menschen fürchten Diskriminierung oder Vorurteile, wenn sie sich in Behandlung begeben, weshalb die Unterstützung durch die Gemeinschaft so wichtig ist“, sagt Sharon.

Ein Model läuft zwischen Zuschauenden entlang
Sichtbar bleiben statt unsichtbar gemacht zu werden: Eine queere Modenschau in NairobiBild: MARIE RUWET/AFP

Ihre Sichtweise hebt auch die Normalität von LGBTQ+-Personen hervor. „Ich habe eine Freundin, und letztendlich sieht unsere Beziehung viel weniger dramatisch aus, als sich die Leute vorstellen. Wir streiten uns über Geld, beschweren uns über die Arbeit, entscheiden, was wir zu Abend essen und machen uns Sorgen um die Zukunft wie jedes andere Paar auch.“

„Das Komische daran ist, dass manche Leute empört darüber sind, dass ich eine andere Frau liebe, aber kein Problem damit haben, dass mir Leistungen verweigert werden, die mir helfen, gesund zu bleiben und informiert zu sein. Das habe ich nie verstanden.“

Auf der Suche nach Lösungen 

Mathenge warnt davor, dass sich die Versorgungslücken vergrößern, insbesondere bei der HIV-Prävention. „Ich setze mich intensiv bei der Regierung dafür ein, dass ich die wenigen Medikamente ausleihen kann, die sie in staatlichen Einrichtungen vorrätig haben. Somit können unsere Kliniken den Betrieb aufnehmen und aufrechterhalten“, sagte er.

Die Krise hat auch Forderungen nach neuen Finanzierungsmodellen laut werden lassen. Förderprogramme für Unternehmen sein zurückgegangen, sagt Mercy, eine Unternehmerin aus Nairobi zur DW. „Für Menschen, die versuchen, finanziell unabhängig zu werden, haben diese Programme einen Unterschied gemacht.“

„Ich musste mich mehr auf soziale Medien und Mund-Propaganda verlassen, um mein Unternehmen auszubauen. Gleichzeitig denke ich, dass dies eine Chance für Organisationen ist, sich stärker auf Projekte zur wirtschaftlichen Stärkung zu konzentrieren. So können wir den Menschen helfen, ihr eigenes Einkommen zu generieren, anstatt sich vollständig auf von Spendern finanzierte Programme zu verlassen.“

Mathenge stimmt dem zu. „Ich werde mich dafür einsetzen und den Spendern, die die Gemeinschaft unterstützen wollen, sagen: Bitte finanziert von der Gemeinschaft geführte Organisationen. Die Gemeinschaft macht den Unterschied“, sagte er.

„Wir finanzieren einkommensschaffende Aktivitäten der Gemeinschaft. Damit können wir – selbst wenn wir morgen keine Mittel mehr haben – noch Geld verdienen.“ Er bemüht sich zudem um Unterstützung über die traditionellen US-Spender hinaus. „Wir wenden uns auch an andere Partner in verschiedenen Ländern, in denen sich Menschen für Menschenrechte einsetzen, wie in Europa und in anderen Ländern, wo man weiß, dass wir Menschen sind und nicht im Stich gelassen werden dürfen. Sie wissen ja: Niemanden zurücklassen“, sagte er.

Monate nach dem Verlust des Großteils ihrer Finanzierung bleiben Organisationen wie HOYMAS weiterhin aktiv. Die Fördermittel mögen geschrumpft sein, doch Kenias LGBTQ+-Gemeinschaft ist entschlossen, weiter durchzuhalten.

Dieser Text wurde aus dem Englischen adaptiert.



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