Gautam Adani: USA lassen Anklage gegen reichsten Inder fallen



Es ist ein schlechtes Jahr für Indien, aber ein gutes für Gautam Adani. Vor einem Monat, als auf dem Subkontinent die Energiekrise infolge des Irankriegs immer stärker ihre Spuren hinterließ, war der Unternehmer aus Gujarat wieder an die Spitze der Reichenlisten gerutscht. Mit gut 92 Milliarden Dollar sah der Börsendienst Bloomberg den Inder als reichsten Bürger seines Landes. Mukesh Ambani, der zuvor die Liste angeführt hatte, kam mit einem Vermögen von zwei Milliarden Dollar weniger nur auf Platz zwei.

Inzwischen hat Adani den Vorsprung gehörig ausgebaut. Bloomberg taxiert das Vermögen des Unternehmers, der in Indien Flughäfen, Seehäfen und Solarparks gebaut hat, nun auf deutlich mehr als 100 Milliarden Dollar. Allein seit Mitte vergangener Woche hat der Preis der Aktie des Adani-Konzerns um 13 Prozent zugelegt. Da war in der „New York Times“ ein Bericht erschienen, dass die amerikanische Justiz den reichsten Inder vom Haken gelassen hat.

Im Fokus der Anklage: ein gigantisches Solarprojekt

Seit Montag ist es nun amtlich: Die amerikanische Staatsanwaltschaft sowie die Börsenaufsicht SEC lassen die Anklage und alle Vorwürfe gegen Adani fallen. Im November des Jahres 2024, als in Washington noch Joe Biden im Weißen Haus saß, hatten US-Staatsanwälte in New York den Inder und mehrere seiner Konzernmanager beschuldigt, im Zeitraum zwischen 2020 und 2024 mit rund 250 bis 265 Millionen Dollar indische Regierungsbeamte bestochen zu haben. So habe sich Adani eines der größten Solarprojekte der indischen Regierung gesichert, von dem nach zwanzig Jahren Betrieb ein Gewinn von mehr als zwei Milliarden Dollar zu erwarten gewesen sei.

Weil Adani das Kapital für sein Projekt auch in Amerika eingesammelt hatte, sahen sich die US-Behörden als zuständig an. Die Börsenaufsicht SEC hatte parallel zur Staatsanwaltschaft eine Zivilklage gegen Adani und seinen Neffen erhoben, weil Familie und Unternehmen falsche und irreführende Angaben über die laufenden Untersuchungen wegen des Bestechungsvorwurfs gemacht hätten. So hätte sich Adani Anleihen und Kredite über mehrere Milliarden Dollar gesichert, darunter 175 Millionen Dollar von Anlegern in Amerika.

Trumps Amtsübernahme machte Adani Hoffnung

Bereits bei der Amtsübernahme Trumps von Biden hatte es in den USA und Indien Spekulationen gegeben, ob der neue amerikanische Präsident seine Justizbeamten zurückpfeifen wird. Trump galt zu diesem Zeitpunkt noch als Freund von Indiens Ministerpräsident Narendra Modi, dessen Aufstieg im indischen Bundesstaat Gujarat zum Provinzchef und später an die Spitze der Zentralregierung in Neu Delhi eng mit dem Werdegang des Unternehmers Adani verbunden ist.

Bereits in der vergangenen Woche hatten Zeitungen berichtet, dass Adani einen früheren Anwalt Trumps engagiert und gegenüber der Regierung ein großes Versprechen abgegeben habe: Zehn Milliarden Dollar wolle er in den USA investieren, hat Adani demnach zugesagt. Sie hätten den Fall neu bewertet, hat die New Yorker Staatsanwaltschaft nun erklärt. Man wolle nicht mehr weiter gegen Adani und seine Angestellten strafrechtlich ermitteln. Mit der SEC hat sich Adani auf die Zahlung von 18 Millionen Dollar geeinigt, was dem Deal zufolge allerdings ausdrücklich kein Schuldeingeständnis ist.

Berichtet wird außerdem, dass Adani und sein Unternehmen 275 Millionen Dollar an das amerikanische Finanzministerium zahlen werden, um einen weiteren Vorwurf wegen Verstößen gegen US-Sanktionen gegen Iran beizulegen. Damit sei der Eindruck des „transaktionalen Charakters“ der Politik Donald Trumps perfekt, urteilen amerikanische Medien. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Regierung in Washington die Gesetze gegen Bestechung im Ausland erheblich zurückgefahren, was Beobachter als Trumps Drängen gewertet hatten, in der Welt nicht mehr Polizist zu spielen und Ermittlungen gegen Korruption außerhalb amerikanischen Staatsgebiets einzustellen.

In Indien löste der Rückzug der Amerikaner vom Adani-Fall scharfe Angriffe der Opposition gegen den Ministerpräsidenten aus. Dieser habe die Interessen Indiens aufs Spiel gesetzt, um im Handelsdeal mit den USA die „Freilassung“ Adanis unterzubringen, wetterte Rahul Gandhi von der Kongresspartei. Dass das Handelsabkommen für Indien schlecht sei, das das Land nach Trumps Strafzoll von 50 Prozent auf indische Exporte in die USA schlussendlich mit Washington geschlossen hat, werfen Kritiker Modi seit Langem vor. Dafür, dass Adani der Grund sei, fehlt freilich jeder Beweis.



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