Fraktur: Wir brauchen Käfigkämpfe vor dem Kanzleramt!

Wir verstehen durchaus, dass jetzt alle Welt auf die Fußballstadien in Amerika schaut. Bei dieser WM könnte es ja sein, dass ein Spiel nicht angepfiffen werden kann oder vorzeitig beendet werden muss, weil Spieler oder Schiedsrichter nicht ins Land der Freien gelassen oder in den Werbepausen von ICE abgeführt beziehungsweise gleich erschossen werden.
Dennoch möchten wir die Aufmerksamkeit auch auf ein Spektakel lenken, das weit mehr ist als nur Sport: auf die Käfigkämpfe vor dem Weißen Haus, die Donald Trump sich zu seinem 80. Geburtstag an diesem Sonntag gewünscht hat.
Führt Trump Maduro vor wie Cäsar Vercingetorix?
Dann schlagen dort kernige Kerle – also richtige Männer wie Trump und Putin – aufeinander ein, dass das Blut aus dem Käfig spritzt. Es gibt nichts, was näher an die Spiele herankommt, die im alten Rom abgehalten wurden, um den Imperator zu erfreuen, einen erfolgreichen Feldherrn zu ehren oder das Volk abzulenken. Im Falle Trumps trifft alles zu. Vielleicht führt er auch Maduro vor, wie es Cäsar mit Vercingetorix tat, oder schickt ihn sogar in den Käfig. Dann denkt doch keiner mehr daran, dass ein kleines gallisches Dorf namens Teheran immer noch Widerstand gegen das Imperium Americanum leistet.
Und opferten die Römer den Göttern nicht auch Hammel oder Stiere, wenn sie einen glorreichen Sieg errungen hatten wie der Präsident in der Straße von Hormus? Trump müsste ja nicht das Messer schwingen, wenn ihm ein solches Opfertier präsentiert werden würde. Er könnte es mit großer Geste begnadigen wie den Truthahn zu Thanksgiving oder die Helden vom Sturm aufs Kapitol.
Der Präsident und der Büffel ähneln sich sehr
Für diese Inszenierung käme natürlich nur der Albino-Wasserbüffel aus Bangladesch infrage, der Trumps Namen trägt, weil das Tier und der Präsident sich sehr ähneln, natürlich nur äußerlich. Der Büffel sollte eigentlich anlässlich des islamischen Opferfestes geschlachtet werden. Doch davor rettete ihn seine Popularität im Netz. Die verdankt er vor allem seiner markanten Frisur, die es auf der ganzen Welt nur zweimal gibt.
Eine Überlebensgarantie hat ein tierischer Internetstar aber selbst dann nicht, wenn er Millionen Follower begeistert. Das zeigt uns das tragische Schicksal des Border Collies Chutou, der seinen Herrn, einen sogenannten Reiseblogger, acht Jahre lang auf dessen Streifzügen durch China begleitete. Als der Influencer aber nach Georgien fuhr und den Hund zuhause ließ, wurde der sogleich gestohlen, an ein Restaurant verkauft, geschlachtet und gegessen.
Timmy kann nur noch zu Biodiesel verarbeitet werden
Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Gut, immer noch besser, als zu enden wie unser geliebter Timmy. Den Wal hatten ja viele zum Fressen gern, natürlich nur im übertragenen Sinne. Wer aber wirklich ein Walsteak essen will, muss weiter nach Japan fahren (und für ein Hundefrikassee nach China oder Vietnam). Die Überreste Timmys können nämlich nicht einmal mehr zu Metzelsuppe verarbeitet werden, sondern nur noch zu Biodiesel.
Dennoch muss das Schicksal Chutous jeden aufjaulen lassen, der einen Hund hat oder hatte. Zum Glück werden jedenfalls bei uns nicht mehr wie noch zu Wilhelm Buschs Zeiten Vierbeiner von der Straße geholt, gemeuchelt und verspeist. Vielmehr gewähren wir Streunern aus aller Herren Länder Asyl, päppeln sie auf und füttern sie mit veganer Fleischwurst.
Da ist es aber natürlich kein Wunder, dass Trump, Putin und ganz besonders Xi uns für verweichlicht, ja degeneriert halten. Wie können wir ihnen zeigen, dass wir keine Weicheier sind? Wenn wir nicht in den Kantinen einen Labrador-Tag einführen wollen, bleibt uns nur die Abhaltung von Käfigkämpfen vor dem Kanzleramt.
Da müssten die Politiker natürlich wie bei den Diäten als Vorbilder vorangehen und selbst in den Ring steigen. Bas gegen Weidel, Reiche gegen Reichinnek, Weber gegen Söder, das wäre schon was anderes als so eine lauwarme Spargelfahrt. Für diese Kämpfe würden wir sogar das Spiel Deutschland gegen die USA sausen lassen. Das müssten wir ja ohnehin verlieren, sonst brummt uns auch der achtzigjährige Trump wieder Strafzölle auf.
