„Ehrentag“ fürs Ehrenamt: Bundespräsident feiert Grundgesetz


Auf Anregung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird an diesem Samstag ein „Ehrentag“ in Deutschland begangen. Die Aktion soll Menschen die Möglichkeit geben, sich in einem Ehrenamt zu erproben. Bundesweit laden Vereine und Verbände, Initiativen und Nachbarschaftsgruppen dazu ein, sich für das Gemeinwohl zu engagieren.

Anlass ist die Verkündung des Grundgesetzes vor 77 Jahren: Mit Ablauf des 23. Mai 1949 trat die deutsche Verfassung in Kraft. Erarbeitet hatte sie der Parlamentarische Rat, eine Versammlung von Abgeordneten der westlichen Besatzungszonen und nicht stimmberechtigten Vertretern aus West-Berlin.

Ein anderes Deutschland

Wichtige Vorarbeit hatte der Verfassungskonvent auf der Insel Herrenchiemsee in Bayern geleistet. Ziel war es, nach den Jahren des Nationalsozialismus und den Schrecken des Zweiten Weltkriegs einen demokratischen deutschen Staat zu schaffen, der widerstandsfähig sein sollte gegen extremistische Bedrohungen, der aber auch als Provisorium betrachtet wurde – in der Hoffnung auf eine Überwindung der deutschen Teilung.

Deutschland l Ausarbeitung des Grundgesetzes vor 75 Jahren
Im Bonner Museum Koenig beriet der Parlamentarische Rat von September 1948 an über eine neue deutsche Verfassung (Archivbild)Bild: Erna Wagner-Hehmke/Haus der Geschichte/dpa/picture alliance

Demokratie lebe von Menschen, die mitmachen, erklärte Steinmeier nun zum „Ehrentag“, der in einen halbmonatigen Aktionszeitraum eingebettet ist. „Engagement ist nicht nur Einsatz, es ist auch Begegnung, Lachen, Gemeinschaftsgefühl“, so der Bundespräsident, der selbst an diesem Samstag Kindern in einer Berliner Bibliothek vorlas, hernach bei Gärtnerarbeiten half und später ein Seniorenheim besuchte.

42 Tage für Papierkram

Der unentgeltliche Einsatz für andere ist in Deutschland jedoch oft mit einer leidigen Zusatzpflicht verbunden: mit dem Ausfüllen von Papier und digitalen Formularen. „Ein durchschnittlich großer Verein benötigt rund 42 Tage pro Jahr oder sechseinhalb Stunden pro Woche für Verwaltungsaufgaben“, beklagt die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Dies sei zu viel, wenn man bedenke, dass drei Viertel aller Vereine ohne hauptamtliche Unterstützung arbeiteten, sagte der Vorstand der Stiftung, Jan Holze, der Zeitung „Rheinische Post“.

Nach seinen Angaben engagieren sich hierzulande rund 27 Millionen Menschen ehrenamtlich – fast zwei Millionen weniger als noch vor fünf Jahren, also vor der Corona-Pandemie. Die Politik müsse dringend Bürokratie beim Ehrenamt abbauen, verlangte Holze. Denn auch an rechtlichen Hürden und überbordenden Vorschriften liege es, wenn bei vielen Initiativen der händeringend gesuchte Nachwuchs ausbleibe.

jj/gri (dpa, afp, rp)



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