Die fetten Jahre im deutschen Eishockey sind vorbei


Die Eishockey-WM in der Schweiz hat einen Trend bestätigt: Nach Jahren des Aufschwungs und einer großen Euphorie rund um das deutsche Team herrscht aktuell vor allem Tristesse. Und es zeigt sich eine gewisse Ratlosigkeit, warum man aktuell so gar nicht mehr mithalten kann mit den besten Teams der Welt.

Durch das 8:1 des lettischen Teams gegen Ungarn am frühen Dienstagnachmittag verpasst die DEB-Auswahl zum zweiten Mal in Serie das Viertelfinale, weil die Siege in den letzten drei Gruppenspielen nicht mehr ausgereicht haben, um die Lücke zu schließen. Und das in einer Gruppe, die man nicht zwangsläufig fürchten musste.

Es fehlt die Verbidung im Team

Vor allem das 1:6 gegen die Schweiz in der Vorrunde offenbarte, dass Deutschland aktuell Rückschritte macht. Mit dem WM-Gastgeber hatte sich Deutschland in der Vergangenheit viele intensive Duelle geliefert. Und häufig ging das DEB-Team als Sieger vom Eis. Diesmal war ein Klassenunterschied festzustellen.

Lettland galt als ein großer Rivale in den Zeiten, als es darum ging, überhaupt bei den Winterspielen dabei zu sein – so wie in der Qualifikation für Pyeongchang 2018. Dieses Turnier mit der Silbermedaille gilt als Startpunkt für den Aufschwung, der bis zur WM-Finalteilnahme 2023 reichte.

Lettland ist aber nicht nur bei dieser WM besser.  Bei den Olympischen Spielen im Februar versetzte es Deutschland einen herben Dämpfer in der Gruppenphase mit einem 4:3-Sieg. Und das, obwohl der DEB den vermeintlich besten Kader aller Zeiten ins Rennen schicken konnte.

Schon während der Winterspiele hatte man das Gefühl, dass es nicht richtig funkt im deutschen Team. Es kam keine richtige Verbindung auf zwischen den Spielern, die in der NHL ihr Geld verdienen, und den Profis der DEL.

Es war nicht komplett verschenkte Zeit. Aber wir haben uns sehr, sehr viel vorgenommen und werden unserem Standard leider nicht gerecht.

Moritz Seider, Kapitän des DEB-Teams

„Wir hätten schon gerne besser gespielt, aber wir haben nie so richtig zu unserem Spiel gefunden“, hatte NHL-Stürmer Leon Draisaitl gesagt, nachdem das olympische Turnier nach einem 2:6 gegen die Slowakei im Viertelfinale vorbei war.

Ähnlich ratlos äußerte sich nun Moritz Seider, der zu den besten Verteidigern in der NHL gehört, aber zum zweiten Mal als Kapitän ein frühes WM-Aus moderieren muss. „Es war nicht komplett verschenkte Zeit. Aber wir haben uns sehr, sehr viel vorgenommen und werden unserem Standard leider nicht gerecht.“ 

Im kommenden Jahr wird Deutschland wieder mal selbst Gastgeber sein, und erhofft sich einen Schub – gerade auch was die Stimmung betrifft. Doch alleine die Tatsache, dass die Fans Rabatz machen werden, sorgt nicht automatisch für ein rauschendes Eishockeyfest.

„Wir haben nächstes Jahr ein sehr, sehr großes Privileg, mit einer unheimlich tollen Chance zu Hause wieder in die richtige Spur zu kommen“, sagte Seider. Aber dafür braucht es wieder eine erkennbare Identität.



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