Deutsche Telekom und T-Mobile US: Kommt die größte Fusion aller Zeiten? – Wirtschaft
Es ist eine spektakuläre Vorstellung: Die größte Fusion aller Zeiten würde den weltweit wertvollsten Telekommunikationskonzern schaffen. Aber die Aktionäre sind skeptisch; zumindest sank der Aktienkurs der Deutschen Telekom am Mittwochvormittag. In der Nacht zum Mittwoch hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, das Bonner Dax-Mitglied erwäge einen Zusammenschluss mit seiner hochprofitablen Tochter T-Mobile US. Bislang hält die Telekom nur 53 Prozent an dem amerikanischen Mobilfunkanbieter. Später berichtete auch Reuters darüber. Die Nachrichtenagenturen berufen sich auf nicht näher benannte Insider und betonen, dass sich die Überlegungen in einer frühen Phase befänden und es diverse Hürden gebe.
Ein Sprecher der Telekom sagte der SZ, man äußere sich grundsätzlich nicht zu Spekulationen. Ein Börsenanalyst der Deutschen Bank warnte in einem Kommentar, Zusammenschlüsse seien kein Allheilmittel, um den Unternehmenswert zu steigern. Die Kombination der Geschäfte ermögliche in der Telekommunikationsbranche oft nur geringe Einsparungen.
Die Deutsche Telekom kaufte zur Jahrtausendwende eine US-Mobilfunkfirma und benannte diese in T-Mobile US um. Das Geschäft lief anfangs schlecht, die Bonner wollten sich zwischenzeitlich sogar wieder trennen von der Tochter. Doch dann gelang die Wende, und inzwischen ist die 53-Prozent-Beteiligung an T-Mobile US ein wichtiger Gewinnbringer. Fast zwei Drittel des Betriebsgewinns stammen aus den Vereinigten Staaten, und der Umsatz dort ist höher als in Deutschland.
T-Mobile US ist deshalb an der Börse mehr wert als der Mutterkonzern Deutsche Telekom. Nach Berechnungen von Bloomberg würde ein Zusammenschluss eine Gruppe mit 320 Milliarden Euro Börsenwert schaffen – deutlich mehr als der Börsenwert der bisherigen Nummer eins in der Telekombranche, China Mobile. Das Geschäft wäre zugleich die teuerste Fusion der Wirtschaftsgeschichte. Hier ist der Kauf von Time Warner durch AOL zur Jahrtausendwende bislang der Spitzenreiter.
Die Bundesregierung ist wichtigste Aktionärin
Den Insidern zufolge soll jedoch kein Geld an die Aktionäre fließen. Stattdessen ist geplant, eine neue Holdinggesellschaft in einem EU-Staat, aber nicht unbedingt in Deutschland zu gründen. Diese soll dann den Anteilseignern von Telekom und T-Mobile US deren Aktien abkaufen – nicht gegen Geld, sondern gegen Aktien an dieser neuen Holding. Die Aktien von Telekom und T-Mobile US verschwänden, stattdessen gäbe es nur noch Papiere dieser neuen Mega-Telekomgruppe. Deren Aktien sollen an der New Yorker Wall Street und an einem europäischen Börsenplatz gelistet werden.
Wichtigster Anteilseigner dieser Holding wäre die Bundesregierung. Die hält bisher 28 Prozent der Telekom-Aktien. Der Anteil an der neuen Holding wäre kleiner, weil ja auch die Aktionäre von T-Mobile US Papiere erhalten. Je nachdem, wie Telekom und T-Mobile US bei der Fusion bewertet werden, könnte der Staatsanteil auf unter 20 Prozent sinken. Klar ist jedenfalls, dass solch ein Geschäft nur mit Unterstützung der Politik in Berlin und Washington möglich wäre. Und die Aktionäre müssten ebenfalls von den Vorteilen überzeugt sein. Die Reaktion des Aktienkurses am Mittwoch spricht gegen große Begeisterung.
