China verstärkt Kontrollanspruch über Nordkorea


Seine erste Auslandsreise 2026 führt Chinas Staatspräsident Xi Jinping nach Nordkorea. „Ein bedeutendes diplomatisches Ereignis“, schrieb die staatliche nordkoreanische Zeitung „Rodong Sinmun“. Die Gespräche mit Machthaber Kim Jong Un machen deutlich, dass die ostasiatischen Länder ihre Beziehungen angesichts geopolitischer Veränderungen festigen wollen.

Beide Länder würden „die Souveränität, Sicherheit und das Recht auf Entwicklung entschlossen verteidigen und gemeinsam den Frieden und die Entwicklung in der Region wahren“, hieß es in der amtlichen chinesischen Agentur Xinhua. Die Rückkehr zum Regelbetrieb der Zug- und Flugverbindungen und die Öffnung aller Grenzübergänge sollen mehr Menschen aus beiden Ländern zusammenbringen. Die Verbindungen waren im Rahmen der COVID-19 Pandemie fast vollständig gekappt worden.

Nordkorea Pjöngjang 2026 | Kim Jong Un & Xi Jinping beim Bankett im Mokran-Haus
Kim und Xi: Trinken auf die Freundschaft beider LänderBild: Yonhap/picture alliance

Chinas Wettbewerb mit Russland?

China wolle Nordkorea wieder an sich binden, sagt Han Ki Bom, Ex-Vizedirektor des südkoreanischen Geheimdienstes (NIS) im DW-Interview. „Xis Besuch zielt offenbar zum Teil darauf ab, Nordkoreas wachsende Abhängigkeit von Russland zu verringern.“ Nach dem Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wurden die Beziehungen zwischen Moskau und Pjöngjang intensiver.

Zwar stehen beide Länder unter internationalen Sanktionen, aber Nordkorea hat Munition und Soldaten nach Russland geschickt. Im Gegenzug dürfen russische Touristen an der Pazifikküste in Nordkorea Erholungsurlaub machen. Peking sei zunehmend besorgt über die enge militärische Zusammenarbeit Nordkoreas mit Moskau. Peking möchte selbst seinen Einfluss auf der koreanischen Halbinsel aufrechterhalten und die Verbindungen im Wettstreit mit den USA festigen.

Rivalität zwischen USA und China

Nach dem Ende des Koreakriegs in den 1950-er Jahren ist das US-Militär auf der anderen Seite der Demilitarisierten Zone in Südkorea stark präsent. Das US-Camp Humphreys ist der größte Stützpunkt der US-Armee in Asien mit bis zu 44.000 Soldaten. „Peking betrachtet Nordkorea zunehmend als strategischen Partner bei der Bewältigung umfassenderer internationaler und regionaler Herausforderungen“, resümiert Ex-Geheimdienstler Han.

Der Zeitpunkt ist bedeutsam, da China und Nordkorea im Juli vor 65 Jahren einen umfassenden Freundschaftsvertrag unterschrieben haben. China scheint zu versuchen, eine Beziehung wiederzubeleben und sie mit Substanz zu bereichern, die viele Beobachter bislang als weitgehend symbolisch angesehen hatten.“ Aus einem losen Bündnis soll ein starkes Trio der Atommächte China, Russland und Nordkorea entstehen.

Was führt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im Schilde?

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Für Jeong Joon Hee, den ehemaligen Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministeriums, hat die Begegnung zwischen Xi und Kim signalisiert, dass Peking und Pjöngjang bereit seien, die Kerninteressen des jeweils anderen zu unterstützen. „Die Gespräche deuten darauf hin, dass China und Nordkorea versuchen, einen breiteren Rahmen für die Zusammenarbeit zu schaffen, der über die traditionellen bilateralen Beziehungen hinausgeht“, sagt Jeong.

Keine Erwähnung der Denuklearisierung

Allerdings ist nicht bekannt, wie Xi zum ambitionierten Atomprogramm von Nordkorea steht. In der Abschlusserklärung findet die Denuklearisierung keine Erwähnung. Einen Tag vor Xis Ankunft hatte Kim Yo Jong, Schwester des Machthabers Kim Jong Un, den Status Nordkoreas als Atommacht für „nicht verhandelbar“ erklärt. Forderungen nach Verhandlungen seien „Tagträume“ feindlicher Mächte gewesen. Die USA hatten nach dem Ende des Kalten Kriegs alle atomaren Sprengköpfe aus Südkorea abgezogen. Auch China plädiert für „eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel“.

Schätzungen des Stockholmer Friedensinstituts SIPRI aus dem Jahr 2019 zufolge besitzt Nordkorea 20 bis 30 atomare Sprengköpfe. Das Land trat 2002 aus dem Atomwaffensperrvertrag aus. Nordkorea testet immer wieder Trägerraketen, die eine Reichweite bis 11.500 Kilometern haben und somit die USA erreichen könnten. „China erkennt Nordkorea nicht offiziell als Atommacht an“, sagt Han. „Indem Peking die Denuklearisierung jedoch nicht mehr betont, toleriert und duldet es faktisch das nordkoreanische Atomprogramm.“

„Das Thema der Denuklearisierung Nordkoreas wurde bewusst aus den Gesprächen ausgeklammert, während die politische, militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit im Vordergrund stand“, sagt Südkoreas Ex-Vizeminister für Wiedervereinigung Kim Hyung Suk im DW-Interview.

Erst Trump dann Putin: China – das Zentrum der Weltpolitik?

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Warum das Treffen beiden Seiten nützt

Xi wollte unterstreichen, dass China in den Beziehungen mit Nordkorea und Russland im Zentrum steht, so wie die USA bei denen mit Südkorea und Japan. 

„Für Nordkorea könnten verbesserte Beziehungen zu China unterdessen erhebliche wirtschaftliche und diplomatische Vorteile bringen. Pjöngjang möchte vermeiden, sich ausschließlich auf Russland zu verlassen“, sagte Han. „Indem Kim Jong Un die Beziehungen sowohl zu Peking als auch zu Moskau verbessert, kann er den Handlungsspielraum Nordkoreas maximieren und Vorteile aus beiden Seiten ziehen.“

China bleibt trotz internationaler Sanktionen Nordkoreas größter Handelspartner und eine entscheidende Quelle wirtschaftlicher Unterstützung, so Han. Allerdings könne Chinas wirtschaftliche Unterstützung Einfluss auf das Verhalten Pjöngjangs nehmen. „Wenn China die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Nordkorea ausweitet, insbesondere in Bereichen wie dem Tourismus, könnte sich die harte Haltung Pjöngjangs gegenüber der Außenwelt etwas mäßigen.“

Aus dem Englischen adaptiert von Dang Yuan



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