Champions League im Handball: Mathias Gidsel ist stolz auf das Erreichte mit Füchsen Berlin



Manchmal wirkt es arg viel, was auf Mathias Gidsels gar nicht so breiten Schultern lastet. Nicht nur sich selbst, Dänemark und die Füchse Berlin möchte der 27 Jahre alte Handballprofi in höchste Höhen führen. Sondern die ganze Sportart. Sie kommt ihm altbacken vor, schwerfällig, innovationsscheu.

Deswegen hat der weltweit beste Spieler gerade einen lebenslangen Vertrag mit Puma abgeschlossen. Der Kontrakt macht ihn – ohne dass genaue Summen genannt wurden – zum Einkommensmillionär. Doch darum geht es nur im Kleingedruckten. „Ich will noch mehr junge Menschen dazu bringen, sich für mich und den Handball zu interessieren“, sagt Gidsel. „Wir müssen bessere Geschichten erzählen, damit die Menschen sich weltweit für uns interessieren.“

Das allerdings könnte eine Aufgabe werden, die ihn bis weit nach seiner aktiven Karriere fordert. Im Hier und Jetzt galt es zunächst, sich mit einer verdienten Niederlage abzufinden – am Sonntagabend verloren die Füchse 34:37 (16:20) gegen den FC Barcelona und mussten den Spaniern beim Jubeln zuschauen. Allein der Titel in der Champions League fehlt Mathias Gidsel nun weiterhin in seiner großen Sammlung.

Wie schon 2025 (gegen den SC Magdeburg) hatte er auch bei der Auflage 2026 nicht seinen besten Tag, näherte sich erst spät und mit acht Treffern der gewohnten Klasse an. Seine Analyse fiel knapp aus: „Es ist ganz einfach – du kommst durch, und dann ist da Emil Nielsen.“ Sein dänischer Freund im Tor der Katalanen zog ihm früh den Zahn; Berlin lief hinterher und verpasste ausgerechnet durch Gidsel selbst, das Momentum zu nutzen: Es stand 30:32 in diesem fiebrigen Finale vor mehr als 20.000 Menschen in Köln-Deutz, als sein Zuspiel in Händen des Gegners landete. Ein Gegenstoßtor und eine Parade Nielsens später wurden den Füchsen endgültig die Läufe lahm.

Er wurde mit allen Mitteln bekämpft, gehalten, gestoßen

„Ich kann das sehr gut akzeptieren. So ist Profisport: Der Andere bringt unfassbare Leistungen, und dann hast du keine Chance“, sagte Gidsel über Nielsen, der seine letzte Fiesta feierte – der beste Torhüter der Welt wird Barcelona Richtung Veszprém (Ungarn) verlassen.

Sie hatten Gidsel mit allen Mitteln bekämpft, gehalten, gestoßen, aus der Luft gepflückt. Wie das im Handball so ist. Gidsel stand jedes Mal auf. Aber seine Ideen schwanden, wie der mal offensiven, mal defensiven Abwehr der Spanier beizukommen sein würde. Es war ein Kampf der Körper und Hirne. Wie sehr das zehrt, erklärte er später: „Ich bin leer. Ich habe wenig Energie und Kraft übrig. Es ist hart, in der Kabine zu sitzen und derjenige zu sein, der dem Team den Re-Start nach der Pause verschaffen soll. Ich weiß, dass es auf mich ankommt und ich auf das ganze Team ausstrahlen muss.“

Gidsel hatte jüngst in der F.A.Z. erläutert, dass er es sich mit seinem Mentaltrainer über Jahre erarbeitet habe, bei allen Erwartungen den Spaß am Spiel nicht zu verlieren. Auch wenn das unmöglich leicht sein kann. Schon gar nicht im Trubel eines solchen Wochenendes. „Volle Aufmerksamkeit auf mich – da ist es eine harte Aufgabe, bei mir zu bleiben“, sagt Gidsel. „Jeder will etwas. Es ist eine Riesen-Aufregung. Trotzdem muss ich den Kopf oben behalten und meine Mannschaft anführen. Das ist mir diesmal nicht gelungen.“

Was übertrieben selbstkritisch klang, ließ dennoch Raum für Freude, Stolz auf das Erreichte. Eine Siegermentalität habe man bei den Füchsen etabliert, sagte Gidsel, der mit der Hervorhebung der Medien wenig anfangen konnte, die Berliner hätten nun zweimal nacheinander ein großes Finale verloren. „Du musst nicht eine so große Überschrift drüber machen“, entgegnete er dem Fragenden freundlich auf Deutsch. „Ein Finale zu spielen heißt, das Halbfinale gewonnen zu haben. Und zwar gegen Magdeburg, die für mich beste Mannschaft der Welt. Wir haben viele gute Schritte gemacht – wir haben den Favoriten rausgeworfen. Wenn wir vier-, fünf-, sechsmal hier gewesen sind, hoffe ich, dass es einmal klappt, die Champions League zu gewinnen.“

Noch einmal zurück zum Anfang. Während andere in ihren Analysen beim Spiel verharrten, bildete Gidsel kurz nach Spielende eigene Narrative aus. Er möchte, dass die Medien ihm folgen, also zog er eine andere Schublade auf als die vom Finalverlierer auf Vereinsebene, als er gefragt wurde, wie es nun weitergehe. „Ich bin mit dem ganzen Team der Füchse und allen Menschen dahinter auf einer großen Reise, und die Champions League ist ein Teil davon“, sagte er. „Da geht es um mehr als Siege. Wenn ich die Kinder mit meinem Trikot sehen, gibt mir das Kraft. Diese Reise endet nicht, weil ich ein Champions-League-Finale verloren habe. Sie geht morgen weiter.“ Es sind Sätze, nach denen es still ist in der Mixed Zone. Und niemand weitere Fragen aus der banalen Welt des Handballs stellt. So sammelt Mathias Gidsel Aura-Punkte.



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