Bundesregierung steigt bei Leopard 2-Panzerbauer KNDS ein
Deutschland steigt mit 40 Prozent bei dem deutsch-französischen Rüstungskonzern KNDS ein, der unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2 herstellt. Der Bund würde damit nach dem für den Sommer geplanten Börsengang gleich viele Anteile an dem Konzern halten wie Frankreich. KNDS-Verwaltungsratschef Tom Enders bestätigte am Mittwochabend entsprechende Angaben aus Regierungskreisen.
Bundeswirtschaftsministerium übernimmt die Federführung
Aus Regierungskreisen hieß es, es bestehe „die feste Absicht“, die 40-Prozent-Beteiligung „in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren auf 30 Prozent der Anteile zu reduzieren“. Nach Möglichkeit solle auch Frankreich seinen Anteil verringern. Die gleichen Rechte bei der Unternehmensführung wie bei Frankreich bleiben der Vereinbarung zufolge auch bei einer Verringerung des deutschen Anteils erhalten. Die Federführung bei dem Geschäft übernimmt den Angaben zufolge das Bundeswirtschaftsministerium.
Eigentümerfamilien wollen Börsengang zum Ausstieg nutzen
Derzeit halten die Familien Bode und Braunbehrens die Hälfte der Anteile an KNDS, Frankreich die andere Hälfte. Die Familien hatten das ehemalige Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) in für die Rüstungsindustrie schwierigen Zeiten gestützt, ehe sich KMW und der staatliche französische Nexter-Konzern zu KNDS zusammenschlossen. Die Familien wollen den milliardenschweren Börsengang nun zum Ausstieg nutzen. Über die Modalitäten des Einstiegs muss sich der Bund noch mit ihnen einigen. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es in Unternehmenskreisen. Der KNDS-Konzern wird in Finanzkreisen demnach aktuell mit 18 bis 20 Milliarden Euro bewertet.
Laut seiner Webseite hat der Rüstungskonzern, der auch das Militärtransportfahrzeug Boxer sowie Artillerie und Munition herstellt, mehr als 11.000 Beschäftigte und einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro. 2024 belief sich der Auftragsbestand demnach auf 23,5 Milliarden Euro.
Bundeswehr hat einen großen Beschaffungsbedarf
In Deutschland unterhält KNDS elf seiner weltweit 34 Standorte. Werke gibt es nach Unternehmensangaben in Hamburg, den nordrhein-westfälischen Städten Remscheid und Mülheim an der Ruhr und im thüringischen Ebeleben. In Frankreich gibt es zehn KNDS-Standorte.
Die Bundeswehr, die unter anderem den Leopold-2-Kampfpanzer von KNDS nutzt, hat derzeit einen großen Beschaffungsbedarf. Schließlich soll Deutschland nach dem Willen der Bundesregierung bis 2039 die „stärkste konventionelle Armee in Europa“ stellen. Laut einem Ende April veröffentlichten Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) erhöhten sich die deutschen Rüstungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr bis Ende 2025 inflationsbereinigt um 24 Prozent auf 114 Milliarden Dollar (100,7 Milliarden Euro nach damaligem Umrechnungskurs).
Auch seine Rolle als weltweiter Waffenexporteur hat Deutschland in den vergangenen fünf Jahren deutlich ausgebaut. Laut einem SIPRI-Bericht vom März rückte die Bundesrepublik im Zeitraum von 2021 bis 2025 in der Rangliste der wichtigsten Exporteure schwerer Waffen vom fünften auf den vierten Platz vor und überholte damit China.
pg/se (dpa, afp, rtr)
