Bundesliga aktuell: Stuttgart macht in Unterzahl das 3:3, Frust in Frankfurt – Sport


Wenn man schon den Tabellenvierten, den VfB Stuttgart, am drittletzten Spieltag zu Gast hat, dem man mit einem Sieg den potenziell letzten Startplatz für die Champions League abluchsen kann – dann kann man als TSG Hoffenheim schon mal alle Kniffe bemühen. Vor der Partie hatten sie kundgetan, dass einer ihr verdienten Mitarbeiter, Offensivkraft Andrej Kramaric, sein Dienstverhältnis bis ins Jahr 2028 fortsetzen will. Kramaric wäre dann zwölf Jahre lang in Lohn und Brot in Sinsheim. Der Kroate bedankte sich am Samstag jedenfalls mit seinen Bundesligatoren Nummer 139 und 140 für Hoffenheim, zum 1:0 (7.) und 3:1 (49.). Teamkollege Bazoumana Touré (24.) trug das zwischenzeitliche 2:1 bei.

Allein, es half nichts. Denn der Pokalfinalist aus Stuttgart schien auch dieses Duell um die Königsklasse als eine Art K.-o.-Spiel zu interpretieren. Chris Führich (20.) drückte den Ball zwischen Hoffenheims Torwart Oliver Baumann und dem Innenpfosten durch einen Spalt, der noch schmaler war als manche Gasse in der Sinsheimer Altstadt. Dann profitierte der VfB von der Gastfreundschaft Kramaric’, der den Ball herausrückte, ehe Ermedin Demirovic einen vorzüglichen Stuttgarter Konter vollendete (65.). Selbst als Atakan Karazor Hoffenheims Fisnik Asllani im Sprint auf die Achillessehne trat und die rote Karte sah, ließen die Stuttgarter nicht locker, ehe Tiago Tomas in der fünften Minute der Nachspielzeit das 3:3 erschaffen hatte. Tomas hatte schon im Pokalhalbfinale gegen Freiburg das entscheidende Tor beschafft.

Stuttgart behauptet somit mit 58 Zählern zumindest bis zum Samstagabend Platz vier vor den weiter punktgleichen Hoffenheimern. Dann schloss Leverkusen mit dem 4:1-Erfolg gegen Leipzig zu dem Duo auf – und übernahm dank der besseren Tordifferenz sogar den vierten Rang.

Union und Köln machen ein Hüpferchen Richtung Klassenerhalt

Kleidet man es in Arbeitszeugnisdeutsch, dann hat Marie-Louise Eta als neue Cheftrainerin von Union Berlin in jedem Fall eines bewirkt: Ihre Untergebenen sind mittlerweile wieder stets bemüht. Was bei solchen Urteilen im Arbeitszeugnis mitschwingt, gilt aber ebenso für die Profis von Union: Der Ertrag ist bislang überschaubar. So war es bei den Niederlagen gegen Wolfsburg und Leipzig, so war es auch am Samstag über weite Strecken gegen den 1. FC Köln, auch wenn Union seiner Trainerin mit dem Ausgleich kurz vor Schluss zumindest den ersten Punktgewinn im dritten Bundesligaspiel bescherte.

Köln hatte zunächst herrlich durch einen Fernschuss von Marius Bülter getroffen (33.), Said El Mala (61.) schien die Gäste dann dem Klassenerhalt ein gewaltiges Stück näherzubringen. Doch Tom Rothe spendete Union frische Hoffnung (73.), ehe Livan Burcu den Kunstschuss des Kollegen Bülter aus Halbzeit eins noch toppte. Statt eines großen Satzes machen beide Seiten also ein Hüpferchen Richtung Klassenerhalt – bei einem Sieg St. Paulis am Sonntag wären es jedoch nur noch drei (Köln) respektive vier (Union) Zähler Guthaben auf den Relegationsrang 16.

Livan Burcu sicherte mit seinem Tor einen Punkt, der für Union im Abstiegskampf noch wertvoll werden könnte.
Livan Burcu sicherte mit seinem Tor einen Punkt, der für Union im Abstiegskampf noch wertvoll werden könnte. Maja Hitij/Getty Images

War es das schon wieder für Frankfurts Trainer Albert Riera?

Noch ist nicht gänzlich geklärt, welchen Platz der Trainer Albert Riera in der Liste der schönsten Wutreden bei Pressekonferenzen einnehmen wird. Für den Spitzenrang (Struuuuunz! Flasche leer!!) reicht es wohl nicht ganz, mit Thomas Doll („Da lach‘ ich mir doch den Arsch ab!“), Bruno Labbadia („Trainer sind nicht die Mülleimer für alle Leute“) oder Klaus Augenthaler („Die Fragen stelle ich, die Antwort gebe auch ich“) kann es der (Noch-)Trainer der Eintracht aber locker aufnehmen. Riera hatte die Berichterstattung mancher Medien vor der Partie gegen den Hamburger SV, unter anderem, als „totalen Bullshit“ klassifiziert und von einem „vergifteten Umfeld“ gesprochen. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt: Wenn Trainer so sehr in die Vorwärtsverteidigung gehen, steht es um ihre Jobsicherheit in der Regel nicht unbedingt zum Besten.

Als Frankfurts Stadionsprecher am Samstag die Aufstellung samt Namen des Trainers vortrug, pfiffen jedenfalls manche Fans, zum gleichen Soundtrack ging es in die Pause (0:0). Und hernach hellte sich die Stimmung nur kurz auf, als Can Uzun das 1:0 nach einem Solo erzielte, das mehr an einen winterlichen Slalomlauf erinnerte als an frühsommerliches Maiwetter (48.). Drei Minuten später traf Albert Grönbaek dann sehr freistehend im Frankfurter Strafraum, in der 59. Minute wurde gleiches Glück seinem Teamkollegen Fabio Vieria zuteil. Beim Abpfiff übertönte der Jubel der Gäste dann weitere Unmutsbekundungen der Frankfurter: Im schlechtesten Fall haben die Hamburger nach diesem Spieltag fünf Zähler Abstand auf Relegationsrang 16, bei noch zwei ausstehenden Partien.

Werders Verteidigung lässt sich vom Freibadwetter inspirieren

Werder Bremen hätte mit einem Sieg am Samstag den Klassenverbleib sogar nahezu sichern können, doch nach munterem Beginn ließ die Körperspannung der Gastgeber auf rätselhafte Weise nach. Anton Kade (24./45.+3) beschaffte Augsburgs Pausenführung, er traf dabei aber auch auf eine Bremer Verteidigung, die in etwa so engagiert war wie ein Freibadbesucher beim Nachmittagsnickerchen. Die zweite Halbzeit begann mit einer Riesenchance für Bremens Justin Njinmah und einem Tor durch Salim Musah, das wegen Abseits nicht zählte; Romano Schmid traf schließlich per Schuss von der Strafraumkante (64.). Fünf Minuten später war Werder aber wieder in Freibadstimmung, Kristijan Jakic besorgte den Endstand – und den Gastgebern ein weiterhin zittriges Saisonfinale. Denn als Tabellenfünfzehnter könnte das Polster auf den 16. St. Pauli am Sonntag im schlechtesten Fall auf drei Zähler zusammenschmelzen.



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