Bund startet Verkauf seiner Anteile am Energiekonzern Uniper
Die Bundesregierung beginnt mit der Reprivatisierung des Düsseldorfer Energiekonzerns Uniper. Als Optionen stehen ein Börsengang oder ein Verkauf im Raum. Eine Entscheidung ist bislang nicht getroffen.
Rund dreieinhalb Jahre nach der Verstaatlichung des Energiekonzerns Uniper beginnt die Bundesregierung mit dem Wiederverkauf des Unternehmens, wie aus einer in der Financial Times veröffentlichten Anzeige hervorgeht. Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung über die Pläne berichtet.
In der formalen Bekanntmachung in der Financial Times hieß es, der Bund wolle am Ende des Prozesses noch 25 Prozent plus eine Aktie an dem Gasversorger halten. Der Staat soll demzufolge „strategische Anteile“ für eine Sperrminorität behalten. Zudem werde die Veräußerung einzelner Geschäftsteile von Uniper ausgeschlossen.
Aktuell sind es – nach der Verstaatlichung im Zuge der Energiekrise von 2022 – 99,12 Prozent. Eine endgültige Entscheidung über Umfang, Zeitpunkt oder Form einer möglichen Transaktion sei aber noch nicht gefallen.
Kaufangebote bis zum 12. Juni
Als Optionen wurden ein Börsengang oder ein Verkauf genannt. Kaufinteressenten sollen sich bis zum 12. Juni mit einer Absichtserklärung bei den koordinierenden Investmentbanken UBS und JP Morgan sowie dem Finanzministerium melden.
Dabei würden einzig langfristig orientierte Investoren gesucht, die zudem den Energiekonzern als Ganzes erhalten wollten. Mögliche Abschlüsse seien dann bis November geplant. Parallel dazu werde an einem Börsengang im Januar 2027 gearbeitet.
Außerbörslicher Verkauf bevorzugt
Der Börsenwert von Uniper liegt derzeit bei rund 18 Milliarden Euro. Laut der Süddeutschen Zeitung ist dieser jedoch „mit Vorsicht zu genießen“. So könnte der Aktienkurs in dem Moment, da der Bund größere Mengen zum Verkauf anbietet, deutlich sinken – weshalb ein außerbörslicher Verkauf favorisiert werden könnte.
„Uniper freut sich über die heutige Ankündigung des Bundesministeriums der Finanzen“, sagte Uniper-Chef Michael Lewis. „Wir sind nun stabiler, resilienter und strategisch klarer aufgestellt. Wir haben unser Geschäft konsequent auf verlässliche Erträge ausgerichtet und verfügen über eine starke Bilanz.“ Damit seien Dividenden wieder möglich, ebenso gezielte Investitionen. „Über Form und Zeitplan der Reprivatisierung entscheidet der Bund.“
Verstaatlichung nach Energiekrise 2022
Uniper zählt bei Stromerzeugung und Gashandel zu den größten Energieunternehmen Europas. Zu seinen Kunden zählen rund 1.000 Stadtwerke und Firmen. Der Konzern betreibt unter anderem Steinkohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Großbritannien und Schweden. Strom erzeugt Uniper auch aus Wasserkraft.
In Schweden ist Uniper Mehrheitseigentümerin eines Atomkraftwerks. In Deutschland ist das Unternehmen auch größter Betreiber von Gasspeichern. Ende März beschäftigte die Firma mit Hauptsitz in Düsseldorf knapp 7.200 Menschen.
Das Unternehmen war als größter deutscher Gasimporteur 2022 in Schieflage geraten, als Russland nach dem Angriff auf die Ukraine kein Gas mehr lieferte. Der Bund rettete das Unternehmen mit Milliarden-Beihilfen und wurde quasi Alleineigentümer. Die EU hatte die Beihilfen damals unter vielen Auflagen erlaubt. Eine davon ist, dass Deutschland seine Beteiligung bis Ende 2028 auf höchstens 25 Prozent plus eine Aktie wieder reduzieren muss.
