Björn Höcke: AfD-Politiker irritiert über Aussage zu Ost- und Westdeutschen
In der AfD haben
mehrere Spitzenpolitiker irritiert auf Äußerungen des Thüringer Parteichefs
Björn Höcke zu angeblichen Unterschieden zwischen West- und Ostdeutschen reagiert.
Höcke hatte in einem Interview mit der Schweizer Zeitung Weltwoche gesagt,
Menschen im Westen hätten sich »von der amerikanischen Kultur völlig usurpieren
lassen«. Dies sei ein Grund für die gesellschaftliche Polarisierung und Ost-West-Unterschiede.
»Im Osten sind die Menschen noch Deutsche, im Westen haben sie über Jahrzehnte
eine Ersatzidentität gefunden«, sagte Höcke.
Höcke zitierte außerdem einen Satz, den er »irgendwo
gelesen« habe, der gut reinpasse: »In der westlichen Republik gibt es
deutsch sprechende Amerikaner oder wohnen deutsch sprechende Amerikaner, und im
Osten der Republik wohnen deutsch sprechende Deutsche.« Der Amerikanismus sei
eine Antithese zum Deutschtum, fügte er hinzu.
Höcke ist selbst Westdeutscher
Die AfD-Bundesvorsitzende
Alice Weidel verwies darauf, dass Höcke selbst Westdeutscher ist. Co-Parteichef
Tino Chrupalla sagte, »wahrscheinlich meint er sich ja selbst damit«. Chrupalla
warnte die AfD davor, sich als erste gesamtdeutsche Partei spalten zu lassen.
Auch AfD-Fraktionsvize
Beatrix von Storch sagte dem Portal The Pioneer: »Wir sind eine einige
unteilbare deutsche Nation. Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist
unser oberstes Ziel. Wir spalten sie nicht, weder politisch, geistig noch
kulturell.«
»Absolut falsch und töricht«
Der
AfD-Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen, der als Höcke-Kritiker bekannt ist, warf dem Thüringer
Landesvorsitzenden eine Wortwahl im Stil der SED vor, der früheren Staatspartei
der DDR. Er könne sich »nicht mehr erklären, was in ihn gefahren ist«, sagte
der frühere hochrangige Bundeswehroffizier und nannte Höckes Aussage
herabwürdigend. Seine Einschätzung, Westdeutsche seien »in Wahrheit verkappte
Amerikaner«, nannte Lucassen »absolut falsch und töricht«.
Der Erste
Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann,
sagte auf Nachfrage von Journalisten, man befinde sich im Bereich des
Wahlkampfs und der Zuspitzung. Er wollte Höckes Äußerung nicht direkt
kommentieren. Der Hamburger sagte aber, im Westen habe man eine andere
Erziehung genossen. Da habe man natürlich diesen Ansatz einer gewissen
Entnationalisierung, sagte Baumann.
AfD-Vize Kay
Gottschalk antwortete auf eine Journalistenfrage, ob er sich von der
amerikanischen Kultur vereinnahmt fühle, er betrachte die deutsche Einheit als
große Chance für Deutschland als Makler zwischen Russland und den USA. Er
selbst sehe sich »als gesundes Produkt einer damals noch intakten westdeutschen
Schule, die eigenes Denken und eigene Schlussfolgerungen ermöglicht hat«.
