Bayern-Fußballerinnen: Pause für Gwinn nach Pokalsieg – Sport


Vielleicht ist es organisatorisch nicht anders möglich, aber irgendwie doch schade, dass der FC Bayern die gemeinsame Meisterfeier von Frauen und Männern diesmal nicht hinbekommt. Wenn Trainer Vincent Kompany am Sonntagmittag mit seiner Mannschaft zum Empfang beim neuen Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause geladen ist, stimmt der Kollege José Barcala sein Team gerade auf das letzte Bundesligaspiel am Sonntag (14 Uhr) beim Hamburger SV ein. Sicher gerettet ist der Aufsteiger HSV noch nicht, und ähnlich wie die Männer wollen sich auch die FCB-Frauen keineswegs dem Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung aussetzen. Noch einmal also Fokus aufs letzte Pflichtspiel.

Trotzdem hat das die Protagonistinnen nach einem einseitigen DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg (4:0) natürlich nicht gehindert, ihre Freude über den erneuten Double-Gewinn auszuleben. Franziska Kett und Klara Bühl, deren Zusammenspiel auf der linken Flanke die Verliererinnen nur eine Halbzeit unterbanden, alberten im Doppelinterview vor der ARD-Kamera herum. „Wir haben über die Saison einen unfassbar guten Fußball gespielt“, sagte Kett, 21, deren nüchterne Ausführungen („Ich trinke nicht so viel Alkohol“) ihre Mitspielerin Bühl, 25, zu einer spontanen Bemerkung animierte: „Ich trinke für dich mit!“ Die Außenstürmerin hatte noch angemerkt, dass der inzwischen weit abgehängte Rivale aus der Autostadt eigentlich „die Hand auf dem Pokal“ hatte. Doch nach elf Endspielerfolgen zwischen 2012 und 2024 wirkten die Wolfsburgerinnen in der 46. Auflage dieses Finales chancenlos.

Der FC Bayern ist der mit Abstand umsatzstärkste Lizenzverein in Deutschland. Er machte eine Überlegenheit deutlich, die früher auch die reinen Frauenfußballklubs Turbine Potsdam und der 1. FFC Frankfurt in ihren Hochzeiten demonstrierten, als der Frauenfußball weit weniger professionell aufgestellt war. National wirken Giulia Gwinn & Co. inzwischen nahezu unbesiegbar. Insbesondere die DFB-Kapitänin hat dafür zuletzt allerdings einen hohen Preis gezahlt. „Es ist Fakt, dass die Schulter operiert werden muss“, räumte die Rechtsverteidigerin im Sender Sky ein. Ein Umstand, der bislang nicht in diesem Ausmaß bekannt war.

Giulia Gwinn, 26, hatte sich vor einem Monat im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich die linke Schulter ausgekugelt, seither spielte sie für die Bayern immer mit einer Manschette und verzichtete auf Einwürfe. Das sei „ganz gut aufgegangen“, sagte sie, „aber es ist klar, dass es jetzt irgendwann in der Sommerpause passieren muss“.  Deshalb ist es möglich, dass sie auf die entscheidenden Qualifikationspartien mit dem DFB-Nationalteam gegen Norwegen am 5. Juni und in Slowenien am 9. Juni verzichtet. „Mal schauen, wie es die nächsten Tage ist“, erklärte Gwinn, die das Gespräch mit Bundestrainer Christian Wück suchen will, der beim Pokalfinale in Köln vor der Rekordkulisse von 46 064 Zuschauern zu den Augenzeugen gehörte.

Auch Wück sah, wie die eingespielte Formation von José Barcala dominierte. Spektakel und Spannung blieben zwar weitgehend auf der Strecke, dafür traten die vom Trainer bevorzugten spanischen Stilelemente nach dem Seitenwechsel zum Vorschein. Erstaunlich: Der Bayern-Trainer mahnte weitere technische und taktische Verbesserungen an, „um ein Topteam in Europa zu werden“. Barcala, 44, imponierte, wie geduldig seine Spielerinnen geblieben seien. Tatsächlich bestach seine internationale Achse mit der isländischen Abwehrchefin Glodis Perla Viggosdottir, der englischen Europameisterin Georgia Stanway und der dänischen Torjägerin Pernille Harder erneut durch ihre Abgeklärtheit.

Momentan ist der FC Bayern einfach die Benchmark im deutschen Frauenfußball, das muss man neidlos anerkennen.

Wolfsburg-Trainer Stephan Lerch nach dem 0:4 des VfL im Pokalfinale

Selbst bei der mit Tränen kämpfenden VfL-Anführerin Alexandra Popp wich die Enttäuschung schnell der Anerkennung. „Die Bayern haben die bessere Qualität, sie haben eine andere Ruhe – und sie sehen die Räume.“ Vor zwei Jahren hatte sich die Leitfigur der Wolfsburgerinnen noch vehement gegen den Begriff der Wachablösung gewehrt, nun ging ihr das Eingeständnis flüssig über die Lippen: „Sie haben uns einfach überholt. Wir sind qualitativ nicht ebenbürtig.“ Auch VfL-Trainer Stephan Lerch hielt respektvoll fest: „Momentan ist der FC Bayern einfach die Benchmark im deutschen Frauenfußball, das muss man neidlos anerkennen.“

Vielleicht wird eines Tages Borussia Dortmund bei den Frauen zum Rivalen. Auch ein Grund, warum Popp, 35, beim BVB einen Vertrag bis 2029 unterschrieben hat. Dumm nur: Nach aktuellem Stand droht ihrem Herzensverein mit den Frauen eine Ehrenrunde in der Regionalliga West, denn die zweite Mannschaft des 1. FC Köln liegt drei Spieltage vor Schluss noch zwei Punkte vorn. „Wir müssen natürlich schon damit rechnen, dass mein erstes Jahr jetzt vielleicht noch in der Regionalliga stattfindet“, räumte Deutschlands dreimalige Fußballerin des Jahres ein. Ihren Optimismus hat sie dennoch nicht verloren: „Wenn alles super läuft, also wenn wir jetzt so völlig vom Top-Top-Weg ausgehen, vielleicht in zwei Jahren Bundesliga, dann bin ich wieder da.“ Um den FC Bayern womöglich im schwarz-gelben Dress herauszufordern.



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