Barcelonas Problem mit der eigenen Dominanz


Champions-League-Finale gegen Lyon:FC Barcelona – wenn die eigene Dominanz zum Problem wird

Spiel, Stars, Fans, Finanzen: Der FC Barcelona hat den Frauenfußball revolutioniert. Doch die spanische Frauen-Liga stagniert und Barcas Dominanz birgt auch Probleme für den Klub.

Barca-Trainer Pere Romeu (rechts) trainiert das mit Abstand beste spanische Frauen-Team

Barça-Trainer Pere Romeu (rechts) trainiert das mit Abstand beste Frauen-Team in Spanien.

Quelle: IMAGO / Eibner


Beatriz Medina hatte nie Zweifel. Die Mutter von Claudia Pina, Angreiferin des FC Barcelona, buchte die Reise nach Oslo schon vor Weihnachten. In Norwegens Hauptstadt findet an diesem Samstag das Finale der Champions League der Frauen (18 Uhr/ZDF Livestream) statt. Barça fordert Rekordchampion Lyon.

Die Wette von Pinas Mutter war nicht allzu riskant: Es ist der sechste Finaleinzug der Barça-Frauen in Serie. So viele Endspiele am Stück schaffte nicht mal Olympique Lyon, das die Fußball-Königsklasse zwischen 2016 und 2020 fünfmal am Stück gewann, insgesamt schon achtmal. Just die Französinnen sind nun Finalgegnerinnen von Barcelona, das den Pokal bislang dreimal gewinnen konnte (2021, 2023, 2024).

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Duell der besten Teams

Der Rekordchampion aus Frankreich trifft auf den Klub, der den Frauenfußball revolutioniert hat. Nadine Keßler, deutsche Ex-Weltfußballerin und UEFA-Frauenfußballdirektorin, bringt es auf den Punkt:

Es begegnen sich die wohl besten zwei Teams der Geschichte.

UEFA-Frauenfußballdirektorin Nadine Keßler

Barça spielt nicht nur als Team stilprägenden Fußball, immer offensiv und mit viel Ballbesitz. Es stellt auch die überragenden Einzelkönnerinnen: Alexia Putellas (2021, 22) und Aitana Bonmatí (2023, 24, 25) gewannen die fünf letzten Auszeichnungen mit dem Goldenen Ball der Weltfußballerin des Jahres. Beide sind Mittelfeldspielerinnen nach hauseigener Prägung, beide kommen aus Vororten von Barcelona.

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Lyon-Protagonisten mit Barca-Vergangenheit

Wie dominant die katalanische Schule im aktuellen Frauenfußball ist, zeigt auch ein Blick auf die Trainer der beiden Finalisten. Barças Pere Romeu trifft auf seinen Vorgänger Jonathan Giráldez, der mittlerweile Lyon trainiert. Und Lyons Abwehrspielerin Ingrid Engen spielte bis vorigen Sommer in Barcelona.

Dort werden Maßstäbe auch jenseits des Fußballerischen gesetzt. 2022 kamen 91.648 Zuschauer zum Champions-League-Halbfinale gegen Wolfsburg ins Camp Nou: bis heute gültiger Weltrekord für ein Frauenspiel. Auch diese Saison stellt Barça mit jeweils gut 60.000 Fans im Viertelfinale gegen Real Madrid und im Halbfinale gegen den FC Bayern wieder einsame Bestmarken auf. Mehr Leute passen derzeit wegen des Umbaus nicht ins Stadion.

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Die Abteilung schreibt eigenständig Gewinn

Ebenso singulär sind Barças Geschäftszahlen. Anders als bei der Konkurrenz muss die Frauenabteilung nicht querfinanziert werden, sondern schreibt eigenständige Gewinne.

Allerdings führte Barça zuletzt mit einem Umsatz von rund 22 Millionen Euro nicht mehr bei den absoluten Einnahmen, sondern rangierte auf Platz drei hinter den englischen Klubs Arsenal und Chelsea.

Die spanische Liga stagniert

Diese Ablösung fügt sich in den Trend einer immer potenteren englischen Frauenliga – mit der die eher stagnierende spanische Liga nicht mithalten kann.

Aitana Bonmatí etwa kritisiert seit Jahren die mangelnden Investitionen einer Liga, in der manche Klubs noch auf Sportplätzen spielen und nur bedingt unter professionellen Bedingungen operieren. Zuletzt sagte die Weltfußballerin:

Ich bin müde davon, meine Stimme zu erheben, ohne dass etwas passiert. Viel Talent bleibt ungenutzt und die Spielerinnen wechseln ins Ausland.

Barcelonas Aitana Bonmatí

Selbst Barça muss zunehmend auch prominente Spielerinnen abgeben. Verteidigerin Mapi León, 30, hat ihren Abschied für diesen Sommer schon angekündigt. Auch Klubikone Putellas, 32, hat ihren auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert.

Noch wachsen immer weiter Talente nach

Vorerst fallen Abgänge der Routiniers kaum ins Gewicht, sondern erleichtern sogar den Verjüngungsprozess. Denn aus der Jugend rücken immer wieder Ausnahmetalente nach wie Vicky López, 19, oder Clara Serrajordi, 18. Selbst ein monatelanger Verletzungsausfall von Aitana wurde diese Saison nahtlos kompensiert.

Doch angesichts von sieben Meisterschaften in Serie ohne nennenswerte Gegenwehr locken nicht nur die Gehälter aus England. Manchen Spielerinnen droht es auch, schlicht langweilig zu werden. Barças Frauen werden im Training untereinander mehr gefordert als in fast jedem Spiel. Nur gut, dass es auch noch den Gegner Lyon gibt.

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Quelle: Reuters


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Über das Thema berichtete ZDFsportstudio im „Bolzplatz“ am 14.05.2026 ab 17 Uhr. Das Finale zeigt das ZDF im Livestream am Samstag, den 23.05.2026 ab 17:55 Uhr



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