Angriffe auf Kiew: Mehrere Tote
Bei einem russischen Angriff auf Kiew werden mehrere Menschen verletzt. Ein historisches Kloster gerät in Brand, auch Wohnhäuser sind betroffen – Tausende ohne Strom.
15.06.2026 | 0:16 min
Bei massiven nächtlichen Angriffen der russischen Armee auf Städte in der Ukraine sind Behördenangaben zufolge mindestens elf Menschen getötet und eine Kathedrale in Kiew beschädigt worden. Allein in der Hauptstadt seien fünf Menschen getötet worden, erklärte Bürgermeister Vitali Klitschko.
„So zeigt Russland der Welt seine Absicht, den Krieg fortzusetzen“, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Plattform X. Er forderte die Gruppe der sieben großen Industrienationen (G7), die zu einem Gipfel zusammenkommen, bei dem auch Selenskyj selbst erwartet wird, zum Handeln auf.
X-Post von Wolodymyr Selenskyj
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Flammen loderten aus Dach der Kathedrale
Neben Angriffen auf Wohngebiete und Ersthelfer kritisierte er insbesondere einen Brand am Kiewer Höhlenkloster, der seinen Angaben zufolge von russischen Drohnen ausgelöst wurde. Mithilfe Dutzender Feuerwehrautos wurde versucht, den Brand der berühmten Kathedrale zu löschen. An der Seite des Gebäudes war ein großes Loch zu sehen, während Flammen aus dem mit goldenen Kuppeln besetzten Dach der Kathedrale loderten.
Laut Selenskyj wurde das Feuer in der Kathedrale am Morgen gelöscht. Dies sei eines „der bislang schwersten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur“, erklärte er. Der ukrainische Präsident kletterte selbst auf das Dach der massiv beschädigten Kathedrale, um sich mit Geistlichen und Regierungsvertretern von den Schäden zu machen, wie auf einem von ihm veröffentlichten Video zu sehen war.
Selenskyj drohte Moskau mit einer „gerechten Antwort“ Kiews. Nach Regierungsangaben wird die Kirche wieder instand gesetzt.
Das Kiewer Höhlenkloster (Kyivo-Pecherska Lavra), das infolge eines russischen Luftangriffs Brandschäden erlitten hat, gehört seit 1990 zum Unesco-Welterbe. Die vom 11. bis 19. Jahrhundert gewachsene Klosteranlage mit ihren Kirchen, Glockentürmen und berühmten Höhlenklöstern gilt als eines der bedeutendsten Zentren des orthodoxen Christentums in Osteuropa. Zu ihren wichtigsten Bauwerken zählt die Entschlafungs-Kathedrale, die als Hauptkirche des Klosters das geistliche Zentrum der Anlage bildet. Sie wurde bereits im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört.
Zwischen 1999 und 2000 wurde die Kathedrale wieder aufgebaut – im Stil des ukrainischen Barocks des späten 18. Jahrhunderts. Seit 2023 steht das Kloster wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf der Liste des gefährdeten Menschheitserbes. Nach Unesco-Angaben zeugt die Anlage von den über Jahrhunderte gewachsenen byzantinischen Kulturtraditionen der Kiewer Rus. Die Höhlenklöster mit ihren unterirdischen Gängen und Grabstätten sind ein prägendes Merkmal der Anlage und machten das Kloster über Jahrhunderte zu einem bedeutenden Pilgerort.
Quelle: epd
Unesco und Bundesregierung verurteilen Angriff auf Kathedrale
Auch die Unesco verurteilte den Angriff. Dieser habe „erhebliche Schäden am Äußeren und Inneren der Mariä-Entschlafens-Kathedrale verursacht“, erklärte die UN-Organisation im Onlinedienst X.
Die Unesco verurteilt Angriffe auf Kulturgüter, Bildungseinrichtungen, Studierende, Lehrkräfte und Medienschaffende, die unter dem Schutz des Völkerrechts stehen.
Mitteilung der Unesco
Die russischen Streitkräfte hatten sich zuvor zwar zu „massiven Angriffen“ auf ukrainische Militärstandorte in Kiew, Charkiw und Dnipro bekannt. Nach Aussage des Moskauer Verteidigungsministeriums sei der Komplex des Weltkulturerbes jedoch „von einer Rakete eines amerikanischen Patriot-Flugabwehrraketensystems getroffen“ worden.
An der Universität Kiew zeigt sich, wie sehr der russische Angriffskrieg den Alltag verändert hat. Fotos erinnern an getötete Studenten, ständige Bedrohung prägt das Leben.
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Ein Sprecher der Bundesregierung verurteilte die Angriffe ebenfalls „auf das Schärfste“. Der erneute Angriff mit „einer erheblichen Zahl an Toten“ zeige, „wie wenig ausgeprägt die Bereitschaft auf russischer Seite ist, irgendetwas in Richtung einer Beruhigung und einer Befriedung dieses Konflikts zu tun“, sagte der Sprecher.
Hunderte Drohnen im Einsatz
Bei den schweren Angriffen setzte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 611 Drohnen und 70 Raketen ein. 50 Raketen und 582 Drohnen seien unschädlich gemacht worden, bevor sie ihre Ziele hätten erreichen können, erklärte die Luftwaffe. Nach ersten Erkenntnissen wurden 42 Orte in der Ukraine von 20 ballistischen Raketen und 27 Angriffsdrohnen getroffen. An zwölf Orten stürzten Drohnentrümmer zu Boden.
Die Ukraine greift mit Mid-Range-Drohnen russische Logistik hinter der Front an und erzielt dabei Erfolge. Die von Russland besetzte Krim leidet immer mehr unter Versorgungsengpässen.
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Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass Verteidigungs- und Industrieanlagen in Kiew, Charkiw und Dnipro Ziele der Angriffe gewesen seien. Darunter seien Unternehmen und Werkstätten, die Komponenten für Langstrecken-Drohnen und Marschflugkörper herstellten. Eine davon sei auf dem Gelände eines Filmstudios in Kiew untergebracht, das getroffen wurde.
Nach russischer Darstellung wurde zudem das Radar-Werk in Kiew attackiert, das Drohnenkomponenten herstelle, sowie das Majak-Werk, in dem angeblich die ukrainischen Langstrecken-Marschflugkörper vom Typ „Flamingo“ produziert werden.
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Quelle: dpa, AP
Über dieses Thema berichtete heute Xpress am 15.06.2026 um 08:08 Uhr. Über den russischen Angriffskrieg berichtet das ZDF fortlaufend, zuletzt im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF am 11.06.2026 ab 5:30 Uhr.
