AfD in Sachsen-Anhalt bei Wahlumfrage mit Rekordwert – CDU bleibt kleiner Trost – Politik
Vier Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewinnt die AfD weiter an Zustimmung und bleibt mit weitem Abstand stärkste Kraft. In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von MDR, Volksstimme und Mitteldeutscher Zeitung erreicht die laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextreme Partei einen Umfragerekord von 41 Prozent. Damit würde sie ihr Ergebnis im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren verdoppeln. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt in der am Donnerstag veröffentlichten Erhebung auf 26 Prozent, die Linkspartei auf zwölf, die SPD auf sieben Prozent. Grüne und BSW wären mit vier Prozent nicht im Landtag vertreten, die derzeit noch mitregierende FDP wird in der Umfrage gar nicht mehr einzeln ausgewiesen, zu gering ist der Wert.
Auch wenn Umfragen nur ein Stimmungsbild zeigen und kein Wahlergebnis vorwegnehmen, sind die Zahlen vor allem für die CDU ein neuer Schock. Denn sie büßt im Vergleich zum Sachsen-Anhalt-Trend aus dem vergangenen Jahr nicht nur bei der Sonntagsfrage ein. Auf die Frage, wer die Landesregierung nach dem September führen soll, antworten jetzt 44 Prozent mit CDU, 43 sagen AfD. Im September 2025 wollten noch 47 Prozent eine CDU-geführte Landesregierung, nur 37 Prozent eine AfD-geführte. Auch bei der Frage, welcher Partei die Wähler zutrauen, die wichtigsten Probleme zu lösen, liegt die AfD mit 31 Prozent vorn, weniger als ein Fünftel der Befragten trauen dies noch der seit 24 Jahren regierenden CDU zu.
Ministerpräsident Schulze (CDU) im Direktvergleich knapp vor Herausforderer Siegmund (AfD)
Einen Vorsprung, wenn auch einen knappen, hat Ministerpräsident Schulze im direkten Vergleich mit seinem Herausforderer Ulrich Siegmund (AfD). Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, so entschieden sich 36 Prozent für Schulze, 32 Prozent für Siegmund. Ein Drittel der Befragten ist unentschieden. Schulze ist seit Ende Januar Regierungschef, sein Vorgänger Reiner Haseloff hatte im vergangenen Herbst verkündet, mit 72 Jahren nicht noch einmal zur Wahl anzutreten.

Schulze machte am Donnerstag auch die Bundesregierung für die schlechten Umfragewerte verantwortlich. „Die Menschen hier sind unzufrieden mit dem, was sie aus Berlin bekommen, und ich bin es ehrlich gesagt auch“, sagte er dem MDR. Noch nie hätten schlechte Werte der Bundesregierung so starke Auswirkungen auf eine Landtagswahlumfrage gehabt, deswegen sei es wichtig, den Menschen zu sagen, dass es am 6. September nicht um einen Denkzettel für die Bundesregierung gehe.
Allerdings sind die von Schulze angesprochenen Menschen auch mit der Arbeit der aktuellen Landesregierung aus CDU, SPD und FDP mehrheitlich unzufrieden. 62 Prozent äußern sich dementsprechend, nur ein Drittel bewertet die Bilanz der Deutschlandkoalition positiv. Das generelle Vertrauen darin, dass der Staat seine Aufgaben erfüllt, ist noch einmal geringer: Nur 16 Prozent geben ein großes oder sehr großes Staatsvertrauen an, 82 Prozent haben dagegen wenig oder gar kein Vertrauen. Ähnlich düster ist der Blick auf die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt: 82 Prozent beurteilen die Lage als weniger gut bis schlecht, nur 14 Prozent als gut oder sehr gut. Auf die Frage nach den wichtigsten Problemen im Land nennen die meisten den Komplex Einwanderung, danach folgen Bildung und Wirtschaft.
Die AfD fühlt sich durch die Umfrage in ihrem Kurs bestärkt, Siegmund sah am Donnerstag eine „Schallmauer“ durchbrochen und sagte in einer Videobotschaft: „Jetzt bloß nicht nachlassen, bloß nicht zu früh freuen.“ Thüringens AfD-Chef Björn Höcke feuerte ihn an: „Ulli, zieh‘ durch!“ Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef Martin Reichardt erklärte: „Dass wir als AfD immer deutlicher vor der CDU liegen, zeigt, dass die Wähler der CDU nicht mehr abnehmen, eine echte Alternative zur aktuellen Politik zu sein.“
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sepp Müller aus Wittenberg zeigte sich davon unbeeindruckt: „Den Kampf um jede Wählerstimme führen wir jetzt mit aller Kraft“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. „Die Richtung ist klar: Während die AfD nur einfache Lösungen auf komplexe Probleme anbietet, haben wir einen echten Gestaltungsanspruch. Und davon werden wir die Wähler überzeugen.“
Sollten die Ergebnisse bei der Landtagswahl am 6. September so ausfallen wie in der Umfrage, wäre die Bildung einer stabilen Mehrheitsregierung nicht möglich. Die AfD käme zwar nicht auf die von ihr angestrebte absolute Mehrheit, aber auch CDU und SPD wären gemeinsam weit von einer Mehrheit entfernt.
Koalitionen mit AfD oder Linkspartei hat Schulze klar ausgeschlossen. Als einzige Option bliebe auf dieser Grundlage eine schwarz-rote Minderheitsregierung, die sich von der Linkspartei tolerieren lässt. In Sachsen und Thüringen hat die Linke den CDU-geführten Regierungen bereits zu Haushaltsbeschlüssen und zur Mehrheit bei den Ministerpräsidentenwahlen verholfen.
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