»Magnifica Humanitas«: Papst Leo XIV. warnt in erster Enzyklika vor Risiken durch KI



Papst Leo XIV. hat in seiner ersten Enzyklika vor den
Gefahren Künstlicher Intelligenz gewarnt. KI könne Desinformation verbreiten,
Konflikte verschärfen und die Welt auf einen Weg endloser Kriege führen,
heißt es in dem Lehrschreiben »Magnifica Humanitas«. Der Text wurde im Beisein des Papstes im Vatikan der Öffentlichkeit präsentiert. Der Papst warnt darin vor einer Entmenschlichung durch verfehlte Nutzung digitaler Technologien und fordert eine breitere gesellschaftliche Kontrolle von KI.

KI sei ein »wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht
erfordert«, schreibt Papst Leo. Er geht in seinem Text sowohl auf das Temo der Entwicklung ein als auch auf diejenigen, die die Kontrolle
darüber haben. Diese liege nicht in der Hand der Staaten, sondern von »großen
wirtschaftlichen und technologischen Akteuren«. Das berge die Gefahr der Intransparenz und erhöhe
»das Risiko einer schiefen Entwicklung, die neue Abhängigkeiten, Ausgrenzungen,
Manipulationen und Ungerechtigkeit erzeugt.« 

Leo thematisiert auch die
Auswirkungen von KI auf die Umwelt. »Aktuelle KI-Systeme erfordern große Mengen
an Energie und Wasser, haben erhebliche Auswirkungen auf den
Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und verbrauchen Ressourcen in großem Umfang«,
schreibt er und fordert die Entwicklung von nachhaltigeren technologischen
Lösungen.

Die Menschheit befinde sich in einem
»Epochenwandel«. »Die von Gott geschaffene großartige Menschheit steht heute
vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel
oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen«,
schreibt der Papst im ersten Satz der Einleitung.

Zusammenarbeit mit KI-Unternehmen

Mit seiner ersten Enzyklika setzt Papst Leo XIV. auch auf den Austausch mit Entwicklern aus dem Silicon Valley. An der Vorstellung des Lehrschreibens nahm unter anderen der Mitgründer des US-KI-Unternehmens Anthropic und Entwickler des Sprachmodells Claude, Christopher Olah, teil. Dass ein KI-Unternehmer gemeinsam mit dem Papst eine Enzyklika präsentiert, gilt im Vatikan als ungewöhnlich.

Die Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und KI-Firmen reicht bereits mehrere Jahre zurück. Schon unter Papst Franziskus suchte die katholische Kirche den Kontakt zu Technologieunternehmen wie OpenAI, DeepMind oder Anthropic. Ziel war es, ethische Leitlinien für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu entwickeln. Theologen, Philosophen und Programmierer diskutierten dabei unter anderem über Verantwortung, Fehlverhalten von Sprachmodellen und den Schutz menschlicher Würde.

Mit der Enzyklika knüpft Leo XIV. zugleich bewusst an die Tradition der
katholischen Soziallehre an. Das Schreiben erscheint 135 Jahre nach »Rerum
novarum«, der ersten großen Sozialenzyklika von Papst Leo XIII. aus dem Jahr
1891. Damals reagierte die Kirche auf die gesellschaftlichen Folgen der
Industrialisierung.

Sozialenzykliken gelten als besonders gewichtige Lehrschreiben der
katholischen Kirche. Päpste nutzen sie regelmäßig, um auf globale politische,
wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. In den
vergangenen Jahrzehnten prägten solche Texte immer wieder internationale
Debatten — etwa Franziskus’ Umwelt- und Sozialenzyklika »Laudato si’« zum
Klimawandel oder »Fratelli tutti« zu Ungleichheit, Migration und
gesellschaftlicher Spaltung.



Source link

Ähnliche Beiträge