Viele halten die Krankheit für ein Gerücht


Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Bunia versprühen Desinfektionsmittel auf einem Markt in der Nähe eines Müllwagens.

In Afrika breitet sich eine seltene Ebola-Variante aus, gegen die es keinen Impfstoff gibt. Im Kongo gab es bereits 177 Todesfälle, die WHO warnt vor einer landesweiten Epidemie.

23.05.2026 | 1:37 min


Verkohlte Trümmer liegen auf dem Boden, von acht Betten stehen nur noch die Gerippe. Verbrannt sind Isolationszelte, die Helfer einer französischen Hilfsorganisation vor einer Klinik aufgebaut hatten. Angehörige eines Ebola-Opfers hatten sie aus Wut angezündet. Ärzte hatten ihnen untersagt, den Verstorbenen mitzunehmen. „Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie eine verkohlte Leiche – das ist mein Sohn“, sagt Leopold Katabuka.

Wir hatten schon einen Sarg vorbereitet. Mit dieser Ebola-Sache ist alles so kompliziert.

Leopold Katabuka, Vater eines Ebola-Opfers

Mannschaftsfoto der Nationalmannschaft der DR Kongo in einem Stadion.

Das Weiße Haus fordert die Fußball-Nationalmannschaft der Demokratischen Republik Kongo zur Isolation vor der WM auf. Hintergrund ist der Ebola-Ausbruch im Land.

23.05.2026 | 0:19 min


Menschen halten Ebola für ein Gerücht

Menschen, die an Ebola sterben, bleiben hoch ansteckend. Deshalb gelten strenge Regeln für Bestattungen. In vielen Regionen der Demokratischen Republik Kongo gehören das Waschen und Berühren der Toten jedoch zu den traditionellen Ritualen. Das erhöht das Infektionsrisiko erheblich.

Die Zustände sind vielerorts chaotisch, zahlreiche Menschen in den betroffenen Gebieten begegnen den Helfern mit großem Misstrauen. Sie glauben den Warnungen der Ärzte nicht oder halten Ebola für ein Gerücht.

Niemand erklärt den Menschen, was hier geschieht. Diese mangelnde Kommunikation von den Gesundheitsbehörden hat dazu geführt, dass sich Gerüchte verbreiten.

Luc Malembe, Einwohner der Stadt Bunia

Ebola ist eine schwere Viruserkrankung, die häufig tödlich verläuft. Erste Symptome sind Fieber, Schwäche, Kopf- und Muskelschmerzen. Später können Durchfall, Erbrechen und innere Blutungen auftreten. Übertragen wird das Virus durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen oder Verstorbener – etwa Blut, Speichel oder Erbrochenem. Eine Übertragung über die Luft gilt als ausgeschlossen. Beim aktuellen Ausbruch im Kongo handelt es sich um die seltenere Bundibugyo-Variante des Virus, gegen die bislang kein zugelassener Impfstoff existiert. 


"Ebola-Viren sind sehr schwer übertragbar"

Nach der Corona-Pandemie seien viele Menschen verunsichert. Doch das Ebola-Risiko für Deutschland und Europa werde als sehr gering eingeschätzt, so Infektiologin Prof. Marylyn Addo.

22.05.2026 | 5:11 min


Chaotische Zustände in Kliniken

Richard Kitenge, Leiter der nationalen Krisenbewältigung im Kongo, beschreibt chaotische Zustände in einigen Kliniken: „Infizierte Menschen kommen ins Krankenhaus und mischen sich dort unter andere Patienten. Das Erste, was wir tun müssen, ist eine Trennung der Verdachtsfälle.“

Die Lage setzt die ohnehin fragile Region zunehmend unter Druck. Internationale Hilfsorganisationen verstärken ihre Einsätze, doch die Bedingungen sind schwierig: Viele Dörfer sind nur über unbefestigte Straßen erreichbar, die Provinz Ituri gilt zudem als gefährliche Konfliktregion. „Es gibt viel zu wenige Akteure vor Ort, nicht genug Medikamente und die Isolierstationen sind zu klein“, so beschreibt Florent Usny von Ärzte ohne Grenzen im Interview mit ZDFheute die Situation vor Ort.

Zahl der Ebola-Erkrankungen im Kongo steigt

Der Ebola-Ausbruch im Nordosten des Kongo setzt die Region unter Druck. Über 750 Menschen sollen erkrankt sein. Die logistischen Anforderungen an Hilfsorganisationen sind riesig.

22.05.2026 | 2:32 min


Kampf gegen die Zeit in einer gefährlichen Region

Wegen der schnellen Ausbreitung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite erklärt. Für die derzeit kursierende Bundibugyo-Variante des Virus gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff. Es ist ein Kampf gegen die Zeit, die Zahl der Infizierten steigt.

Wir wissen, wir sind spät dran. Aber wir beeilen uns. Die anhaltenden Konflikte erschweren unsere Arbeit und die ständigen Bevölkerungsbewegungen. Aber wir bleiben entschlossen und konzentriert.

Dr. Anna Ancia, WHO

Es ist der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976. Doch auch dieses Mal zeigt sich, wie schwer sich das Virus in einer Krisenregion eindämmen lässt.

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo zählt seit Jahren zu den instabilsten Regionen Afrikas. Besonders die Provinzen Ituri sowie Nord- und Südkivu werden immer wieder von bewaffneten Konflikten erschüttert. Zahlreiche Rebellengruppen kämpfen dort um Macht, Einfluss und den Zugang zu Rohstoffen. Zu den aktivsten Gruppen gehören die islamistische Allied Democratic Forces (ADF) sowie die M23-Miliz. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Dörfer, Vertreibungen und schweren Menschenrechtsverletzungen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. Die Gewalt erschwert auch die Arbeit von Ärzten und Hilfsorganisationen massiv: Straßen gelten als unsicher, manche Regionen sind kaum erreichbar, Gesundheitszentren wurden zerstört oder aufgegeben.  


Verena Garrett ist Korrespondentin im ZDF-Studio Johannesburg.

Demokratische Republik Kongo: Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes wird desinfiziert.

In der Demokratischen Republik Kongo und Uganda breitet sich die Ebola-Epidemie weiter aus. Die WHO schätzt die Gefahr einer globalen Ausbreitung jedoch als gering ein.

20.05.2026 | 1:25 min


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen des Ausbruchs einer seltenen Ebola-Variante im Osten der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Unter folgendem Konto können Hilfen für Menschen vor Ort gespendet werden:

Aktionsbündnis Katastrophenhilfe
Spendenkonto: Commerzbank
IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600
Stichwort: ZDF Nothilfe Ebola

Im Aktionsbündnis Katastrophenhilfe haben sich Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, UNICEF und Diakonie Katastrophenhilfe zusammengeschlossen.




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