USA betonen Ansprüche an die Nato: Europa unter Druck
Truppenverlegungen, Abzugspläne, Alleingänge – die USA setzen die europäischen Bündnispartner unter Druck. In Helsingborg haben die Nato-Außenminister getagt.
22.05.2026 | 2:32 min
Die USA setzen ihre europäischen Bündnispartner sechs Wochen vor dem Nato-Gipfel in der Türkei massiv unter Druck. US-Außenminister Marco Rubio machte am Rande eines Vorbereitungstreffens in Schweden deutlich, dass US-Präsident Donald Trump davon überzeugt werden müsse, dass die Nato noch einen Mehrwert für die Vereinigten Staaten hat:
Wie bei jedem Bündnis muss klar sein, dass es allen Beteiligten nützt.
Marco Rubio, US-Außenminister
Als einen Grund für Trumps Zweifel am Mehrwert der Nato nannte Rubio den transatlantischen Streit über den Iran-Krieg. Die Enttäuschung des Präsidenten über einige der Nato-Verbündeten und deren Reaktion auf die Operationen im Nahen Osten sei gut dokumentiert, sagte er bei dem Außenministertreffen. Dies sei etwas, das auf Ebene der Staats- und Regierungschefs besprochen werden müsse.
Rubio: US-Stützpunkte in Europa sind zentraler Wert
Konkret nannte Rubio die Weigerung von Ländern wie Spanien, die Nutzung von Stützpunkten für den Krieg gegen Iran zuzulassen. Die Mitgliedschaft der USA in einem Bündnis müsse einen Wert für die USA haben, und ein zentraler Wert bei der Nato seien die Stützpunkte in Europa. Diese ermöglichten es den USA, in einem Krisenfall im Nahen Osten oder anderswo militärische Macht auszuüben.
In Europa herrsche die Sorge, dass Donald Trump die Truppenbewegungen „als Belohnung oder Bestrafung nutzen will“, berichtet ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers vom Nato-Treffen.
22.05.2026 | 1:38 min
Wenn nun aber die Nutzung von Stützpunkten verweigert werde, stelle sich die Frage, warum man dann in der Nato sei, sagte Rubio. Über das Thema müsse jetzt gesprochen werden.
Truppenveränderung der USA in Europa laut Rubio keine „Strafe“
Wie zuvor Nato-Generalsekretär Mark Rutte machte Rubio deutlich, dass Trumps Entscheidung, zusätzliche 5.000 US-Soldaten nach Polen zu entsenden, nicht als Kurswechsel zu verstehen ist. Die Pläne der USA, das Engagement für die konventionelle Verteidigung Europas zu reduzieren, stünden.
Die Vereinigten Staaten hätten globale Verpflichtungen, denen sie mit Blick auf ihre Truppenstationierung nachkommen müssten, erklärte Rubio. Das zwinge die USA ständig dazu, neu zu prüfen, wo man Truppen stationiere. Er sagte allerdings, dass dies keine Strafmaßnahme sei.
Diese Entwicklung zeige, „dass die USA ernst machen mit ihrem teilweisen Rückzug aus der Nato, aus Europa“, sagte ZDF-Korrespondentin Isabelle Schäfers. Die Europäer haben gewusst, dass die Amerikaner sich zurückziehen wollen.
Aber sie hatten gehofft, dass sie eingebunden werden und dass sie somit die Fähigkeitslücken, die dadurch entstehen, sukzessive selbst füllen können.
Isabelle Schäfers, ZDF-Korrespondentin
US-Präsident Trump müsse vom Mehrwert des Bündnisses überzeugt werden, so US-Außenminister Rubio beim Treffen der NATO-Außenminister in Schweden. ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers berichtet.
22.05.2026 | 1:15 min
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur haben die USA bereits grundsätzlich entschieden, künftig weniger Streitkräfte für Abschreckung und Verteidigung unter Nato-Kommando in Bereitschaft halten zu wollen.
Es wird demnach erwartet, dass dafür dann die europäischen Alliierten und Kanada ihren Anteil am sogenannten Nato Force Model erhöhen. Über dieses wird festgelegt, welche Mitgliedstaaten wie viele Kräfte bereithalten und wie schnell diese verfügbar sein müssen.
Schaltgespräch mit Nico Lange (Verteidigungs- und Sicherheitsexperte (Münchner Sicherheitskonferenz (MSC)) zum NATO- Treffen und zu Globesec 2026
22.05.2026 | 5:08 min
Zuletzt hatten die USA nach kritischen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bereits den Abzug von rund 5.000 Soldaten aus Europa angekündigt und entschieden, Pläne zur Stationierung von Mittelstreckenwaffen in Deutschland vorerst nicht umzusetzen.
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Quelle: dpa
Über dieses Thema berichteten das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 22.05.2026 ab 5:30 Uhr sowie heute in Deutschland am 22.05.2026 um 14:00 Uhr.
