Wie langweilig, DFB: Die Videos zur Nominierung des WM-Kaders


Seit Wochen liest und hört man es überall: Deutschland braucht mehr positive Nachrichten! Der Deutsche Fußball-Bund hat sich das zu Herzen genommen. Denn seit Donnerstag wissen wir: Die für die im Juni beginnende Weltmeisterschaft nominierten Spieler sind Vorzeigeehemänner, Vorzeigeväter, Vorzeigesöhne, Vorzeigebrüder.

Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.



In durchemotionalisierten Instagramvideos, mit denen der DFB die Nominierten nacheinander verkündete, kommen Partnerinnen, Geschwister und Eltern zu Wort und lobpreisen „Jo“, „Schlotti“ oder „Nene“. Die staunende Öffentlichkeit erfährt dabei: Diese Männer kicken nicht nur, seitdem sie Dreikäsehochs sind, sie machen auch – wenn sie nicht gerade in Trainingslagern, bei Auswärtsspielen oder einer vierwöchigen WM weilen – bella figura (die Italiener sind ja nicht dabei) beim Heiraten, als Schwangerschaftsbegleiter und bei der liebevollen Betreuung ihrer Kinderschar. Beste Freunde sind sie auch, seit Kindheitstagen versteht sich, und wahnsinnig am Boden geblieben.

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Keine Überraschungen oder gar Humor

Das alles dokumentieren Privatfotos und -videos, die teils so aussehen, als stammten sie aus den Siebzigern. Die Videos setzen auf Gefühligkeit, auf das Persönliche – und kommen dabei sehr altbacken daher: ohne Überraschungen, ironische Brüche oder gar Humor. Mindestens einmal muss in jedem der Satz „Wir sind so unfassbar stolz auf dich“ fallen. Und Bundestrainer Julian Nagelsmann sagen: „Du bist ein Supertyp.“ Hat man ein Video gesehen, kennt man alle. Was genau sich der DFB davon verspricht, seine Nationalspieler in erster Linie als musterhafte Familienmenschen zu inszenieren, bleibt rätselhaft. Wer exzellent Windeln wechselt, schießt nicht automatisch Tore.

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Anders machen es unsere Nachbarn, die Franzosen. In einer auf das Gastgeberland USA gemünzten Umgebung tauchen alle nominierten Spieler in kurzen Sequenzen nacheinander auf, entweder in persona oder in bildlichen Referenzen. Unter anderem shoppt Warren Zaïre-Emery ein Dutzend Fußballschuhe, die Superstar Kylian Mbappé – als Fashion Victim bekannt – amüsiert über den Kassenscanner zieht. Bayern-Spieler Michael Olise testet rituell den Rasen, auch wenn es der unterm Grill ist, und Mittelfeldspieler Adrien Rabiot sitzt im Diner und malt Pfeile auf ein Fußballfeld. Die Spieler interagieren im Video miteinander – bei einem Mannschaftssport keine schlechte Idee. „26 joueurs, 1 equipe“ eben, so ist das Filmchen benannt. Es wirkt aus einem Guss: charmant, originell, unterhaltsam und vor allem mit einem Augenzwinkern produziert.

Diese drei Punkte gehen eindeutig an Frankreich. Da sind sie wieder, die schlechten Nachrichten.

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