Warum Pilze, Milben und Co. dem Boden so gut tun


Trockener Boden mit Rissen

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Wenn Martin Schädler wissen will, was im Boden gerade so los ist, dann greift er zum Hammer. Er holt ein Torten-großes Stück Boden heraus. Schädler weiß: Es wimmelt darin von Leben.

Biologe Martin Schädler mit dem Hammer und einem Zylinder eine Bodenprobe

Ohne Kraft geht es nicht: Bodenproben entnimmt Biologe Dr. Martin Schädler mit dem Hammer und einem Zylinder.

Quelle: Hugo/ZDF


„Wenn man die höchstmögliche Biodiversität auf der Erde sucht, dann geht man in den Boden“, erklärt der Biologe, der am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) forscht.

Man sagt, dass wir auf einem durchschnittlichen Hektar Ackerboden etwa das
Äquivalent von 25 Kühen unterirdisch haben. Das ist also eine Menge Biomasse.

Dr. Martin Schädler, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

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Pilze und Mikroorganismen dominieren das Leben im Boden

Und das Leben dort könnte dabei vielfältiger kaum sein. Vor allem Pilze dominieren. Mit bis zu 50 Prozent haben sie den größten Anteil an der Biomasse unter der Erde, gefolgt von Bakterien und anderen Mikroorganismen. Dann erst kommen die Regenwürmer und schließlich andere Tiere wie Fadenwürmer, Milben, Springschwänze.

Was und wie viel im Boden tatsächlich lebt, hängt von vielen Faktoren ab. Und vom Standort. Unter einer Wiese etwa gibt es rund 37 Prozent mehr Tiere, vor allem Regenwürmer, als unter einem Acker.

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Die Probe entnimmt Schädler auf der Feldversuchsanlage Bad Lauchstädt in der Nähe von Halle in Sachsen-Anhalt. 50 Versuchsflächen, sogenannte Parzellen, gibt es hier mit insgesamt fünf verschiedenen Landnutzungstypen. Darunter Schafweiden, Wiesen bis hin zu intensiv genutzten Agrarflächen.

Klimawandel setzt Vielfalt im Boden unter Druck

Grundsätzlich gilt: Je weniger der Mensch mit Pflügen oder Pestiziden eingreift, desto mehr lebt im Boden. Die Forschenden des UFZ spüren in der Feldversuchsanlage in Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt aber noch einem weiteren Feind der Lebensvielfalt nach: dem Klimawandel.

Auf etwa der Hälfte der 50 Parzellen wird die Situation in etwa 50 Jahren simuliert – mit Hilfe einer aufwändigen Stahlkonstruktion. Mit Planen kann die Temperatur um mehrere Grad erhöht werden oder der Regen bei Bedarf abgehalten werden. Eine Beregnungsanlage kann umgekehrt aber auch zu viel Regen simulieren.

Seit 2001 wird der 22. Mai als Internationaler Tag der biologischen Vielfalt begangen. Er erinnert an den Tag im Jahr 1992, an dem der Text der Konvention über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity; CBD) offiziell angenommen wurde. Die CBD ist ein weltumspannendes, völkerrechtlich verbindliches Abkommen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der belebten Natur. Sie hat 196 Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland.


Abgeschlossen sind die Versuche noch nicht. Die Effekte sind aber schon jetzt zu beobachten: Die zunehmende Trockenheit im Sommer verringere die Dichte der Bodenorganismen deutlich, sagt Schädler. Besonders größere Arten würden verschwinden. „Abpuffern“ könne man das, so Schädler, indem man den Boden weniger intensiv bearbeitet, also etwa weniger pflügt.

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Boden als Wasserspeicher bei Trockenheit

„Der Boden ist eigentlich sowas wie der Schlüssel in der Anpassung an den Klimawandel“, so der Forscher. Denn wie gut der Boden sei, entscheide auch darüber, wie viel Wasser er speichern und an die Pflanzen wieder abgeben kann. Das Problem dabei sei:

Der Boden wird immer noch von vielen wahrgenommen als etwas, was man möglichst ausbeuten sollte.

Dr. Martin Schädler, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

In der intensiven Landwirtschaft bleibe dann häufig nichts anderes übrig, als immer wieder mineralischen Dünger aufzubringen, um den Boden fruchtbar zu halten, erläutert Schädler.

Bodenorganismen können viel leisten

Bodenorganismen sind immens wichtig: Sie sorgen für sauberes Trinkwasser, zersetzen organisches Material, bauen Humus auf und Schadstoffe ab. Schädler nennt den Boden deshalb einen „Bioreaktor“.

„Wenn wir uns jetzt einen Supermarkt vorstellen würden in einer Welt ohne Bodenlebewesen, dann wäre da gar nichts drin, weil jegliches Wachstum von diesem Bodenleben abhängig ist“, sagt Martin Schädler.

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Am wichtigsten sei aber, den Boden nicht blank zu lassen, empfiehlt der Biologe. Er solle entweder bewachsen oder mit Mulch, etwa gehäckselten Pflanzen oder Stroh, bedeckt sein. „Das ist ein Schutz für den Boden gegenüber Klima-Extremen und gleichzeitig Nahrung für das Boden-Nahrungsnetz“, erklärt Schädler.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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