Paris: Eiffelturm Treppenstück für 450 000 Euro versteigert – Wirtschaft
Was macht ein Stück vom Eiffelturm an den Champs-Élysées? Passanten stoppen irritiert und gehen durch das imposante Tor in den Vorgarten, um aus der Nähe eine Treppe zu betrachten, die ins Nirgendwo führt. Tatsächlich ist es ein Original: Unverkennbar der braune Farbton, aus genietetem Stahl gefertigt, winden sich 14 Stufen um eine Säule.
Es handelt sich ein Teilstück der Wendeltreppe aus dem Jahr 1889, als der Turm unter der Leitung von Gustave Eiffel für die Weltausstellung in Paris erbaut wurde. Dieses 2,75 Meter hohe Element wurde als Abschnitt Nr. 1 jener Treppe registriert, die das zweite mit dem dritten Stockwerk verbindet. Als 1983 bei Modernisierungsarbeiten neue Aufzüge installiert wurden, wurde die Treppe abgebaut und versteigert. Die zwanzig Elemente fanden Käufer in allen Teilen der Welt.

Ein privater Sammler trennte sich nun von diesem historisch wertvollen Stück, das am Donnerstagnachmittag beim Pariser Auktionshaus Artcurial unter den Hammer kam. Vor Beginn der Auktion sagte Sabrina Dolla, bei Artcurial für den Bereich Art déco zuständig, es gebe drei, vier Interessenten: „Aber die größten Enthusiasten sind nicht unbedingt jene, die über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen.“
Der Schätzwert war mit 120 000 bis 150 000 Euro angesetzt, die Erwartungen waren höher. Zuletzt wechselte das Teilstück Nr. 17 für 253 500 Euro den Besitzer. Und hier handelt es sich schließlich um das „Element No 1 – Escalier d’origine Tour Eiffel“, so steht es auch auf einem Schild auf der Treppe.
Sehnsucht nach alten Zeiten
Generell stehen Stücke aus dem „alten Paris“ und der Art-déco-Periode derzeit hoch im Kurs bei Auktionen, bestätigt Dolla vom Auktionshaus Artcurial. In unsicheren Zeiten vermittelten solide Stücke wie der Eiffelturm offenkundig ein Gefühl von Sicherheit. Gleichzeitig werde eine Sehnsucht nach Sorglosigkeit und Nostalgie gestillt, es würden Erinnerungen an glückliche Zeiten geweckt. „Solche Stücke repräsentieren ein goldenes Zeitalter.“ Nicht aus Gold, aber immerhin aus Bronze ist eine Pariser Straßenlaterne aus dem Jahr 1881, die das Pariser Auktionshaus Drouot gerade für den Schätzpreis zwischen 8000 und 10 000 Euro anbietet.
Wer nicht weiß, wo und wie er ein Stück vom Eiffelturm oder eine Straßenlaterne unterbringen könnte, kann Reminiszenzen erwerben, die weniger Platz brauchen. Aber das nötige Kleingeld muss man auch dafür bereithalten. Als „Kaiser des Auktionsmarktes“ gilt Napoleon. Begehrteste Trophäe unter Sammlern ist sein typischer Zweispitz. Ein Exemplar dieser Kopfbedeckung aus dem Jahr 1805 wurde für 1,93 Millionen Euro versteigert. Auch Königin Marie-Antoinette, die durch die Guillotine starb, aber inzwischen als Modeikone gefeiert wird, zieht immer bei Auktionen: Im Vorjahr wurde einer ihrer Diamanten für 14 Millionen Dollar versteigert, für einen Perlenanhänger wurden zuvor 36 Millionen Euro gezahlt.
So viel musste der Bieter für das Stück Eiffelturm am Donnerstag nicht aufbieten. Innerhalb von vier Minuten kletterte der Preis in die Höhe, bei 340 000 Euro fiel der Hammer, mit Steuern sind 450 160 Euro fällig. Ein Mann im Saal ist der glückliche neue Eigentümer. Was er mit dem guten Stück macht, ließ er sich nicht entlocken.
