Anschlag auf Münchner Restaurant Eclipse: Mutmaßlicher Drahtzieher gefasst – US-Behörden erheben Anklage – München


Der mutmaßliche Drahtzieher einer europaweiten Anschlagsserie auf israelische Einrichtungen in diesem Frühjahr sitzt in den USA in Haft. Inzwischen haben die US-Strafverfolgungsbehörden Anklage gegen den Mann erhoben, wie die Nachrichtenagentur dpa mitteilt.

Wie das amerikanische Justizministerium am vorigen Wochenende bekanntgab, sei der 32 Jahre alte Iraker Mohammad Baqer Saad Dawood Al-Saadi in der Türkei festgenommen und anschließend in die USA gebracht worden. Der als Milizionär bezeichnete Al-Saadi soll hinter der proiranischen Terrorgruppierung Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya (kurz: Hayi) stehen. Diese ist in diesem Frühjahr erstmals in Erscheinung getreten und hat sich zu diversen Attentaten auf israelische und jüdische Ziele in Europa bekannt, unter anderem den Brandanschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in München am 10. April.

Dabei hatten bislang unbekannte Täter in der Nacht gegen 0.45 Uhr Sprengsätze an Fenstern des Lokals in der Heßstraße angebracht. Die Detonationen rissen Löcher in zwei Scheiben, eine dritte wurde beschädigt; verletzt wurde dabei niemand – die Gaststätte war zu dieser Zeit bereits geschlossen. Wenige Tage danach tauchte ein Bekennervideo im Internet auf, in dem Hayi die Tat für sich reklamierte. Amerikanische und deutsche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Gruppierung den iranischen Revolutionsgarden zumindest nahesteht. Zumal die Taten in den Bekennervideos als Reaktion auf den amerikanisch-israelischen Angriff gegen Iran bezeichnet werden.

Weil beim Anschlag in München von Anfang an der Verdacht auf ein antisemitisches Motiv bestand, hatte die hiesige Generalstaatsanwaltschaft die Federführung der Ermittlungen übernommen. Seinerzeit hieß es, deutsche Sicherheitsbehörden prüften die Authentizität des Videos. Auf SZ-Anfrage wollte sich die Generalstaatsanwaltschaft in dieser Woche nicht zu einem Ergebnis dieser Prüfung äußern. Mit Verweis auf laufende Ermittlungen lehnte ein Sprecher auch eine Stellungnahme zur Festnahme von Al-Saadi ab.

In der Mitteilung des US-Justizministeriums wird nicht explizit auf den Anschlag in München Bezug genommen, den einzig bekannten in Deutschland. Dem festgenommenen Al-Saadi wird von den Ermittlern in den USA vorgeworfen, seit März 18 Anschläge auf israelische oder jüdische Einrichtungen in Europa geplant und koordiniert zu haben, die sich zum Teil auch gegen amerikanische Interessen oder Bürger gerichtet hätten; dazu kämen zwei Fälle in Kanada.

Bei den europäischen Anschlägen hob das Ministerium indes denjenigen hervor, der am 12. April auf eine Synagoge in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje verübt worden war. Das Bekennervideo zu dieser Tat ist nach dem gleichen Muster aufgebaut und mit dem gleichen Logo versehen wie jenes zum Brandanschlag auf das Eclipse in München. Für Zeugenhinweise auf die möglichen Täter haben Münchner Generalstaatsanwaltschaft und Polizei 5000 Euro Belohnung ausgelobt.

In Sicherheitskreisen geht man davon aus, dass für die Taten in den jeweiligen Ländern Kriminelle über das Internet angeheuert wurden, die nicht unbedingt ideologisch motiviert seien. Den Angaben der US-Justiz zufolge sind die amerikanischen Ermittler Al-Saadi auf die Spur gekommen, als dieser Anfang April ein vermeintliches Mitglied eines mexikanischen Drogenkartells für Anschläge in den USA gewinnen wollte. Dieser sei jedoch ein Undercover-Agent des FBI gewesen und habe so von möglichen Anschlagszielen in New York City, Los Angeles und Scottsdale (US-Bundesstaat Arizona) erfahren. Den US-Fahndern sei es dann gelungen, Al-Saadi unter einem Vorwand in die Türkei zu locken, wo er von lokalen Polizeikräften festgenommen und amerikanischen Kollegen übergeben worden sei.

Über Al-Saadis Festnahme war in Deutschland zuerst auf der Internetseite „Verschlusssache – Über Spionage, Terrorismus und Sicherheitspolitik“ berichtet worden, die der Journalist Florian Flade betreibt. Flade ist auch Mitglied des Recherche-Netzwerks von Westdeutschem Rundfunk (WDR), Norddeutschem Rundfunk (NDR) und Süddeutscher Zeitung.



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