Last-Minute-Sommer: Sinken die Preise für Urlaube in letzter Minute? – Reise
Die Deutschen gelten landläufig nicht nur als Reiseweltmeister, sondern auch als Frühbucher-Champions. Nicht wenige organisieren ihren nächsten Sommerurlaub schon kurz nachdem sie aus demselben zurückgekommen sind. Es gilt: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub.
Aber in diesem Jahr halten sich viele auffällig mit ihren Reisebuchungen für den Sommer zurück. Das liegt natürlich zu einem großen Teil an dem Krieg, den die USA und Israel Ende Februar, zur normalerweise besten Buchungszeit, begonnen haben und der immer noch schwelt. Gleichzeitig ist die Reiselust der Deutschen ungebrochen hoch. Deshalb und wegen der aktuellen Zurückhaltung könnte es in diesem Sommer trotz Kerosinpreis-Steigerungen mehr Last-Minute-Angebote geben als in den vergangenen Jahren.
Das vermutet (und befürchtet) man sogar bei der Tui, die als größter Reiseveranstalter Europas gilt. Etwa die Hälfte der Urlaubswilligen habe bisher noch nicht gebucht, teilte der Veranstalter mit, der nicht nur in Deutschland, sondern auch in Großbritannien weite Teile der Bevölkerung zu Sonne und Strand bringt. Im Vergleich zum selben Zeitpunkt im Vorjahr liegen die Buchungen um sieben Prozent zurück.
Am östlichen Mittelmeer, in Ländern wie Ägypten, der Türkei und Zypern, ist die Zurückhaltung dabei deutlich größer als in Spanien inklusive der Balearen und in Griechenland. Dort sehe man eine gute bis normale Nachfrageentwicklung. „Die sehen wir am östlichen Mittelmeer nicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Tui, Sebastian Ebel.
Für schwächer nachgefragte Ziele wolle man deshalb mit guten Angeboten gegensteuern. „Das bedeutet kleinere Margen für uns, aber bessere Preise für die Kunden.“ Man hoffe da auf ein starkes Last-Minute-Geschäft. Für Spanien und Griechenland werde es aber wohl keine Preissenkungen oder gar Schnäppchen geben.
Ähnliches berichten auch andere Veranstalter wie Dertour. Die Buchungszurückhaltung sei deutlich zu spüren, sagt Dertour-Sprecherin Angela de Sando. Auch die Präferenz für westlich gelegene und somit weiter vom Kriegsgebiet entfernte Mittelmeerziele kann sie bestätigen. Allerdings zögen die Buchungen derzeit wieder an, weil insbesondere Familien, die im August in den Urlaub möchten, nicht die Nerven haben, noch länger zu warten.
Preisvorteile „im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich“
Denn Last-Minute-Angebote gibt es meist erst vier bis sechs Wochen vor Reiseantritt. Und dann braucht es auch noch Flexibilität, was das Reiseziel betrifft. Wobei dieses für die meisten Urlauber ohnehin nachrangig ist: egal ob Türkei, Mallorca oder Portugal – Hauptsache Sonne, Strand und Wärme.
Der Preis hingegen ist ein wichtiges Entscheidungskriterium, und die Frage, wie hoch die Nachlässe bei Last-Minute-Buchungen sind, ist nicht so leicht zu beantworten. Vorwiegend ergeben sich die Skonti durch kurzfristige Preisnachlässe der Hoteliers. Die wird es in diesem Jahr sicherlich für bestimmte Regionen und Termine geben.
Allerdings steht noch im Raum, ob steigende Flugpreise einen Teil dieser Rabatte wieder auffressen. Denn derzeit gehen noch jene Pauschalpakete über den Ladentisch, die vor dem Iran-Krieg geschnürt wurden, das heißt jene mit verhältnismäßig günstigen Flügen. Wenn diese aufgebraucht sind, werden Flugpreise tagesaktuell berechnet, und das könnte teurer werden.
Nichtsdestotrotz könnten risikofreudige und spät entschlossene Urlauber je nach Reiseziel und Termin Preisvorteile „im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich finden“, wie ein Tui-Sprecher mitteilte.
Die Türkei, im vergangenen Sommer sehr stark nachgefragt, dürfte wohl in den kommenden Wochen einiges an Buchungen aufholen, da sind sich die Veranstalter sicher. Das große Angebot von Flugverbindungen, gepaart mit den vielen All-inclusive-Hotels führt zu einem ziemlich guten Preis-Leistungs-Verhältnis, dem Familien oft nicht widerstehen können. Auch Ägypten kann damit punkten.
Rückgang bei Reisen in die USA
Kein Badeziel, aber traditionell das beliebteste Fernreiseziel der Deutschen im Sommer, sind die USA. Und hier zeichnet sich ab, was schon im vergangenen Sommer begonnen hatte: Nach ICE-Deportationen, Zollkrieg und geplanten Einreiseverschärfungen ist vielen die Lust auf eine Rundreise im Land vergangenen, und das, obwohl Flüge, Mietwagen und der Wechselkurs deutlich günstiger sind als in vergangenen Jahren.
Laut National Travel and Tourism Office gab es etwa im April 14 Prozent weniger internationale Einreisen, unter den Deutschen wollte sogar ein Drittel weniger in die USA reisen als im April 2025. Das wird sicherlich nicht für den gesamten Sommer so bleiben. So heißt es bei Dertour, wo man viele USA-Reisen im Programm hat, die Rückgänge bewegten sich im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.
Aber egal, wohin es am Ende geht: Der Sommerurlaub wird nicht abgesagt. Laut der Forschungsgruppe Urlaub und Reisen (FUR) planten zu Beginn des Jahres 76 Prozent der Gesamtbevölkerung eine längere Urlaubsreise. Und auch Marktanalysen der Tui kamen zum Ergebnis, dass in diesem Jahr ähnlich viele verreisen wollen wie im vergangenen Jahr. Da waren es laut FUR 57 Millionen Menschen gewesen.
Mit Material von dpa.

