Hohe Inflation – das neue Normal?


Ölpumpe im Bahrain.

Stand: 20.05.2026 • 15:39 Uhr

Das deutlich gestiegene Preisniveau in der Eurozone dürfte Experten zufolge länger bestehen als erhofft. Und die Inflation könnte weiter steigen. Hohe Öl- und Gaspreise waren nur der erste Schritt.

Seit Ende Februar dieses Jahres haben der Iran-Krieg und die Sperrung der für den Welthandel wichtigen Straße von Hormus vor allem die Öl- und Gaspreise nach oben getrieben. Fast drei Monate geht das schon so. Die anfänglich behauptete schnelle Beilegung des Konflikts ist bisher ausgeblieben.

Das hat die Inflation in der Eurozone im April laut der Statistikbehörde Eurostat auf 3,0 Prozent angeheizt. In Deutschland waren es im April laut Statistischem Bundesamt 2,9 Prozent – weit weg von den zwei Prozent Inflation, die die Notenbanken anstreben. Weil sie hier am ehesten Preisstabilität gegeben sehen.

Ölmarkt bleibt angespannt

Dass die Teuerungsrate bald wieder sinkt, damit ist nicht zu rechnen. Im Gegenteil, sagt Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel: „Die Perspektive ist, dass wir, sollte sich gar nichts ändern, in den nächsten Monaten Inflationsraten zwischen drei und vier Prozent haben. Es könnte auch noch etwas höher gehen.“

Denn am Öl- und Gasmarkt ist keine grundlegende Entspannung in Sicht. Außerdem verteuern höhere Energiepreise die Herstellung von Gütern. Das zeigt sich aktuell in Deutschland. Die Erzeugerpreise sind laut Statistischem Bundesamt im April um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen – so stark wie seit drei Jahren nicht mehr.

Teuerung greift um sich

Werden die höheren Kosten an die Kunden weitergereicht, habe das Folgen, sagt Maximilian Wienke von der Investmentplattform E-Toro: „Man geht davon aus, dass auch viele andere Bereiche teurer werden. Vor allem aufgrund der Transport- und Logistikkosten werden die Lebensmittelpreise im Supermarkt steigen, es können auch die Neben- und Wohnkosten steigen. Auch der ganze Dienstleistungsbereich – wer in den Urlaub fährt, Freizeitaktivitäten, Restaurantbesuche – kann teurer werden.“

Nicht nur wegen der erhöhten Energiepreise, sondern auch wegen möglicherweise steigender Löhne, meint Wienke: „Die Arbeitnehmer werden sicherlich höhere Löhne fordern, um überhaupt mit dieser Inflation klarzukommen.“

Höhere Lohnforderungen durch Inflation

Das tun die Arbeitnehmer – beziehungsweise deren Vertreter, die Gewerkschaften – bereits. So fordert die Gewerkschaft ver.di beispielsweise in der aktuellen Tarifrunde bei der Telekom 6,6 Prozent mehr Geld. Bei der Postbank kämpft ver.di derzeit für acht Prozent mehr bei den Tariflöhnen.

Chefvolkswirt Mumm ist überzeugt, dass die Europäische Zentralbank im Kampf gegen die Inflation zügig wird handeln müssen: „Das ist ziemlich sicher, dass wir im Juni eine Leitzinserhöhung durch die EZB sehen werden.“

Leitzinserhöhung scheint sicher

Laut ECB-Watch rechnen Marktteilnehmer derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 Prozent, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen auf ihrer nächsten Sitzung Mitte Juni um 25 Basispunkte auf dann 2,25 Prozent anheben wird.

Denn höhere Zinsen verteuern Kredite und bremsen dadurch die Nachfrage, was wiederum die Inflation zurückdrängen kann – was aber eben gleichzeitig auch dem Wirtschaftswachstum zusetzt. Und das Wachstum leidet schon jetzt, sagt Mumm: „Natürlich sorgt auch diese Unsicherheit, die die ganze Iran-Eskalation mit sich bringt, dafür, dass Konsum und Investitionen zurückgehalten werden. Die Wirtschaft wird dadurch schon ein Stück weit ausgebremst.“

Lösung Iran-Krieg ist entscheidend

In den vergangenen Wochen haben führende Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für Deutschland denn auch deutlich nach unten korrigiert.

Also hohes Preisniveau und niedriges Wachtum – wie lange das noch so weitergehen wird? Maximilian Wienke von E-Toro meint: „Solange es keine Lösung gibt im Iran-Konflikt oder zumindest irgendwie positive Signale daherkommen, dann wird sich auch die Lage nicht entspannen.“



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