Zwei Festnahmen wegen Spionageverdacht für China in München


Ein Schild in der Bundesanwaltschaft beim Bundesgerichtshof

Stand: 20.05.2026 • 13:28 Uhr

Ein Ehepaar soll für China Kontakte zu Wissenschaftlern aufgebaut haben. Jetzt wurden die beiden festgenommen. Die Behörden warnen seit Jahren vor chinesischer Spionage.

Von Michael Götschenberg und Holger Schmidt, ARD-Sicherheitsexperten

Die Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßliche chinesische Spione in München festnehmen lassen. Die Durchsuchung der Wohnung und der Arbeitsplätze des Ehepaars dauert an.

Die Behörde wirft Xuejun C. und Hua S. vor, für den chinesischen Geheimdienst tätig zu sein. Konkret sollen sie sich als Dolmetscher oder als Mitarbeiter eines Automobilkonzerns ausgegeben und Kontakt zu zahlreichen Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufgenommen haben – darunter insbesondere Universitätsprofessoren in den Bereichen Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik oder Künstliche Intelligenz.

Wissenschaftler nach China gelockt

Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme sollen einige Wissenschaftler nach China gelockt worden sein, um dort gegen Honorar Vorträge vor einem zivilen Publikum zu halten. Tatsächlich sollen sie aber bei den Veranstaltungen vor allem auf chinesische Militärs, Geheimdienstmitarbeiter oder Angehörige staatlicher Rüstungsunternehmen getroffen sein.

Die Ermittlungen wurden zunächst durch die Spionageabwehr des Bundesamts für Verfassungsschutz vorangetrieben. Im weiteren Verlauf beauftragte die Bundesanwaltschaft das bayerische Landeskriminalamt, das die Beschuldigten dann auch festnahm.

Darüber hinaus sind die Ermittler auch an insgesamt zehn weitere, nicht tatverdächtige Personen herangetreten, die als Zeugen in Betracht kommen. Diese Maßnahmen finden in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen statt.

Deutschland seit Jahren im Fokus

Die deutsche Spionageabwehr warnt seit vielen Jahren vor chinesischer Spionage, insbesondere auch mit dem Ziel, Innovationen und Informationen im Bereich Technologie und Wissenschaft nach China zu transferieren. Im Mai 2025 hatte der Generalbundesanwalt drei deutsche Staatsangehörige vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf angeklagt, die im Auftrag des chinesischen Geheimdienstes in Deutschland tätig gewesen sein sollen. Ein Ehepaar und ein Mann sollen zu diesem Zweck eine Firma betrieben haben, um auf diesem Weg Kontakt zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Deutschland aufzunehmen.

Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft soll es um militärisch nutzbare innovative Technologien gegangen sein, insbesondere zur Weiterentwicklung von Bootsmotoren, Sonarsystemen, Flugzeugschutzsystemen, Antrieben für Panzerfahrzeuge und militärisch nutzbare Drohnen. Der Spionagevorwurf musste im Laufe des Prozesses allerdings fallen gelassen werden. Das Verfahren wurde wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetzt fortgesetzt und dauert an.

Spionage auch im politischen Bereich

Auch im politischen Bereich spioniert China. Im April 2024 ließ die Bundesanwaltschaft Jian G., einen Assistenten des AfD-Europaabgeordneten Maximilian Krah, festnehmen. G. wurde beschuldigt, seit 2002 Mitarbeiter des chinesischen Geheimdienstes gewesen zu sein. Mit dem Einzug Krahs ins Europäische Parlament im Jahre 2019 soll er Informationen aus dem Parlamentsbetrieb und über die AfD an den chinesischen Geheimdienst übermittelt haben. Außerdem soll er chinesische Oppositionelle und Dissidenten in Deutschland ausgespäht haben.

Ein halbes Jahr nach der Festnahme G.s wurde eine chinesische Staatsangehörige festgenommen, die bei einem Logistikunternehmen am Flughafen Leipzig/Halle beschäftigt war und an G. Informationen beispielsweise über den Transport von Rüstungsgütern oder über Flüge von Personen aus der deutschen Rüstungsindustrie übermittelt haben soll.

Beide wurden zu mehreren Jahren Haft verurteilt, die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.



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