USA ziehen langfristig weitere Truppen aus Europa ab
Der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa, US-General Alexus Grynkewich, nennt Details zum geplanten US-Truppenabzug aus Deutschland.
Quelle: AFP
Die USA werden der Nato zufolge in den kommenden Jahren weitere Truppen aus Europa abziehen. Den Alliierten werde dabei jedoch ausreichend Zeit eingeräumt, die wegfallenden US-Streitkräfte durch eigene Einheiten zu ersetzen, sagte am Dienstag der oberste Nato-Kommandeur, US-General Alexus Grynkewich, nach einem Treffen mit führenden Militärs in Brüssel.
Einen Zeitplan könne er nicht nennen, sagte Grynkewich. Es werde sich um einen „fortlaufenden Prozess über mehrere Jahre hinweg“ handeln. Der Oberbefehlshaber der Nato-Truppen in Europa äußerte sich dennoch wenig besorgt über den angekündigten Truppenabzug. „Ich möchte betonen, dass diese Entscheidung keinen Einfluss auf die Umsetzbarkeit unserer regionalen Pläne hat“, so Grynkewich weiter.
Ich bin sehr zufrieden mit dem, wo wir stehen.
Alexus Grynkewich, US-General
Rund 5.000 ihrer Soldaten will die US-Regierung innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate aus Deutschland abziehen. Derzeit sind mehr als 35.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert.
02.05.2026 | 2:03 min
US-Truppenabzug betrifft Brigade in Deutschland
Die USA hatten Anfang Mai angekündigt, binnen eines Jahres 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus Deutschland abzuziehen. US-Präsident Donald Trump erklärte später, Washington werde die Zahl „noch deutlich stärker reduzieren“.
Grynkewich stellte jetzt klar, dass zumindest kurzfristig „die Gesamtzahl 5.000“ betrage. Ein Großteil dieser Soldaten gehöre zu der Brigade, die nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 nach Deutschland verlegt worden war, und nun in die USA zurückkehrt.
Langfristig müsse aber angesichts des Ausbaus europäischer Fähigkeiten und Kapazitäten mit weiteren Verlegungen von US-Soldaten an andere Schauplätze in der Welt gerechnet werden.
Der US-Truppenabzug beunruhigt den Verteidigungsminister weniger – vielmehr aber das drohende Aus für die Tomahawks: Europa müsse diese Fähigkeitslücke nun selbst schließen.
04.05.2026 | 7:02 min
Grynkewich bestätigt Aus für Raketenpläne in Deutschland
Der Nato-Oberbefehlshaber bestätigte, dass die Vereinigten Staaten vorerst keine weitreichenden Mittelstreckenwaffen in Deutschland stationieren werden. Die zuvor geplante Verlegung eines sogenannten „Long Range Fires Battalion“ werde nicht beginnen, so Grynkewich.
Bei Tomahawk handelt es sich um einen US-Marschflugkörper, der mit Unterschallgeschwindigkeit in extrem geringer Höhe fliegt, um feindliches Radar zu unterlaufen. Mit einer Reichweite der konventionellen Varianten von bis zu 1.600-1.700 Kilometern könnte die Bundeswehr damit Ziele in Russland treffen.
Der Bundeswehr zufolge hatten Deutschland und die USA vereinbart, dass ab 2026 US-Tomahawk-Marschflugkörper auf deutschem Boden zeitweise stationiert werden sollen. Die Stationierung sollte eine Fähigkeitslücke in der Nato-Verteidigung schließen und insbesondere gegen russische Raketendrohungen schützen.
Quellen: Bundeswehr, US-Verteidigungsministerium
Eine Abmachung aus dem Jahr 2024 hatte eigentlich vorgesehen, dass die USA von 2026 an in Deutschland wieder Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen stationieren, die weit bis nach Russland reichen. Darunter sollten Marschflugkörper vom Typ Tomahawk mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern sein, Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen.
Geopolitische Krisen, Nato-Ziele: Deutschland muss mehr Geld für Verteidigung ausgeben. Wie stark die deutsche Wirtschaft und Rüstungsindustrie davon profitieren.
15.05.2026 | 0:54 min
Zuletzt Spannungen zwischen Merz und Trump
Zuletzt hatten sich allerdings Hinweise verdichtet, dass sich die Trump-Administration nicht an die von der Vorgängerregierung getroffene Absprache halten will. Vorausgegangen war ein verbaler Schlagabtausch zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Trump.
Die Hoffnung der Bundesregierung ist nun, dass Deutschland Tomahawk-Marschflugkörper zumindest kaufen kann. Zudem wird geprüft, ob nicht ein Joint Venture zwischen deutschen und amerikanischen Unternehmen geschaffen werden könnte, um Tomahawk-Marschflugkörper künftig auch in Deutschland produzieren zu können. Darüber hatte zunächst die „Welt“ berichtet.
Wichtiger Hinweis in eigener Sache
Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt.
Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt – geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick.
Quelle: AFP, Reuters, dpa
Über den US-Truppenabzug berichteten im ZDF mehrere Sendungen, unter anderem frontal am 12.05.2026 ab 21:00 Uhr.
