Wachsfigur für Jamal Musiala: „Wie in einem Horrorfilm“ – München


Es dauert knapp zwei Sekunden, bis Jamal Musiala sich wieder gefangen hat. Der 23-jährige Fußballer des FC Bayern steht am Dienstagnachmittag im zweiten Stock des Bayerischen Hofs, als hinter ihm gerade der Vorhang zur eigentlichen Attraktion fällt. Musiala, der echte, dreht sich um, schaut und sieht Jamal Musiala, den aus Wachs. Er blickt ernst, formuliert still mit den Lippen etwas, das ein „Oh, mein Gott“ sein könnte, erst dann lacht er. Da lacht sein Wachsdouble ihn schon lange an.

Vielleicht ist der meist eher still wirkende junge Mann wirklich ein wenig bewegt von diesem Moment. Denn auch wenn er seit Jahren zur Kategorie Deutscher Premium-Fußballstar gehört: Nur selten wird einem wahrscheinlich mal so bewusst, dass man von anderen als ganz besonders angesehen wird. Als so besonders, dass man in einem Wachsfigurenkabinett aufgestellt werden sollte. In diesem Moment wird dieser Status buchstäblich greifbar.

Aber Musiala ist andererseits natürlich auch längst Medienprofi, sodass er sich gleich wieder im Griff hat. Sein Auftritt schwenkt dann ins humoristisch Unterhaltsame. Mit kleinen Spitzen etwa gegen den Kollegen Joshua Kimmich, der schon bei Madame Tussauds in Berlin steht, oder auch gegen das Sturmwunder des FC Bayern dieser Saison, Michael Olise.

Zunächst ist es ein gewohntes Bild, wenn Musiala auf die Öffentlichkeit trifft. Hier zigfaches Handyfilmen, dort stapft der junge Mann in Weitshirt und Weithose mit einem „Hallo, Hallo“ in den Saal, auf das keiner antwortet, weil ja gerade Musiala den Raum betreten hat und alle erstmal die Luft anhalten. Zuvor hat Nadja Troublefield von Madame Tussauds erklärt, dass der Sportler vier Stunden Model stehen und sitzen musste und es acht Monate gedauert habe, bis diese Figur „in Handarbeit“ entstanden ist, die nun mit Deutschland-Trikot und mit seiner typischen Salutier-Pose als Torjubel bereitsteht. Warum Musiala? Weil er so viele Fans, gerade auch viele weibliche habe, sagt Troublefield. Bald steht er also neben Manuel Neuer, Kimmich, Messi und Mbappé in Berlin.

Als der Vorhang gefallen und Musiala sich an seinen Nebenmann gewöhnt hat, also nur noch im Wortsinn neben sich steht, beginnt die Interviewrunde, die in Zeiten eines anstehenden Pokalfinales und einer Fußball-WM immer auch der Versuch ist, möglichst viel Fußball-Informationen aus dem Fußballer rauszubekommen. Wobei man ja eigentlich nur über Wachs sprechen soll. Bei Wachs ist Musiala dann auch eindeutig unterhaltsamer.

„Wow, der hat ja eine bessere Frisur als ich“, sagt Musiala über sein Double.
„Wow, der hat ja eine bessere Frisur als ich“, sagt Musiala über sein Double. Johannes Simon

„Wow, der hat ja eine bessere Frisur als ich“, bemerkt er zum Einstieg und fragt sich, ob die Bartstoppeln auch alle per Hand eingefügt wurden. Die Haare, das wird klar, beeindrucken ihn besonders. Ein Kollege möchte wissen, wie sexy sich Musiala als Figur findet, was den aber nicht aus der Ruhe bringt, stattdessen kommt ein: „Ich bin sehr zufrieden damit, wie ich aussehe.“ Nichtssagend antworten, das können wenige besser als Fußballer, jegliche Frage zum Pokalfinale etwa kontert Musiala mit den Schlagworten „Fokus“ und „alles geben“. Da reißt einen dann seine Erklärung, wie es ist, sich selbst als Figur das erste Mal zu begegnen, hart aus dem Fußball-Floskel-Koma: „Das ist scary, das war ein kleiner Schock für mich, so wie in einem Horrorfilm, wenn man jemandem begegnet.“ Und damit hat er dann offenbar doch Gefallen gefunden an der Fragerunde.

Zu der Aussicht, neben Kimmichs Figur in Berlin zu stehen, sagt der 23-Jährige: „Hoffentlich sehe ich besser aus als Jo.“ Die Frage einer Radioreporterin, ob er Liebesbriefe bekomme, belächelt er still, genauso wie die nach Manuel Neuer bei der WM, die nach der Schmäh-Aktion der Löwenfans bei der Meisterfeier am Wochenende beantwortet er gemütlich mit einem: „Hab’ ich nicht mitbekommen.“ Und dann soll er sich noch jemanden aussuchen, der vielleicht auch eine Figur verdient hätte bei Madame Tussauds. Jamal Musiala überlegt, dann grinst er und sagt: „Mike.“ Gemeint ist Michael Olise. Aber warum? „Weil ich nicht weiß, ob der überhaupt vier Stunden stillsitzen kann.“



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