Ist Deutschland auf Klimakurs? Jein!


Deutschland hat 2025 sein Klimaziel übererfüllt. Vor allem die Industrie und die Energiewirtschaft haben hier mehr Emissionen eingespart als vorgesehen. Dieser auf den ersten Blick positive Trend, ist aber vor allem eine Momentaufnahme. Denn neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien hat insbesondere die schwache Konjunktur zu sinkenden Emissionen beigetragen.

Zu diesem Schluss kommt der Expertenrat für Klimafragen. Das wissenschaftliche Gremium berät die Bundesregierung bei der Erreichung von Deutschlands Klimazielen und erstellt Gutachten und Projektionen zu der Wirksamkeit der klimapolitischen Maßnahmen. 

Deutschland will ab 2045 klimaneutral wirtschaften und ab 2050 sogar negative Emissionen erreichen. Mit den bisherigen Maßnahmen würden diese Ziele jedoch deutlich verfehlt, so die Ratsvorsitzende Barbara Schlomann.

Besonders die Bereiche Verkehr und Gebäude verfehlen derzeit ihre Klimaziele.

Positiv fällt auf, dass sich die Wälder in Deutschland leicht erholen. Sie sind nicht nur wichtige Ökosysteme, sondern gelten auch als sogenannte CO2-Senken. Das heißt, sie entnehmen der Luft Klimagase und wandeln sie in Biomasse um.

Insgesamt sieht der Trend dennoch düster aus. Denn natürliche Systeme wie Wälder, Moore, Graslandschaften oder landwirtschaftliche Ackerflächen, die eigentlich Kohlenstoff speichern, sind zu Treibhausgasquellen geworden.

Das passiert zum Beispiel wenn ein Moor trockengelegt wird. Dann wird das gebundene CO2 freigesetzt. Ohne zusätzliche Maßnahmen werden die Kohlenstoffspeicher bis 2050 durchgehend zu Treibern der Erderwärmung. Die Bundesregierung hatte sich ursprünglich das Ziel gesetzt diesen Trend umzukehren.

Der Rat empfiehlt der Bundesregierung, eine „Klimaschutzpolitik zu einer kohärenten politischen Gesamtstrategie“ weiterzuentwickeln.

Ratsmitglied Julia Pongratz hebt hervor, dass neue Ansätze wie die Stärkung der Kreislaufwirtschaft und die Elektrifizierung derIndustriesowie Anreize für eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten zwar in die richtige Richtung gingen, aber bei Weitem nicht ausreichten. 

Wichtig sei dabei, dass soziale Verteilungsfragen und ökonomische Folgen stärker in den Blick genommen würden, betont Pongratz.

Deutschland will Infrastruktur modernisieren

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Die Sektoren mit dem stärken Einfluss auf die deutsche Klimabilanz sind Industrie, Energie und Verkehr. Durch Erneuerbare Energien sowie eine Modernisierung der Stromnetzte, Speicher- und Ladekapazitäten ließen sich vor allem letztere schneller auf den grünen Pfad bringen.

Bundesregierung hat nachgebessert – ein bisschen

Nachdem die Bundesregierung per Gerichtsentscheid schon zuvor beim Klimaschutz nachbessern musste, hat sie im März ein zusätzliches Klimaschutzprogramm vorgestellt.

Das Programm sieht unter anderem vor:

  • den Ausbau der Windkraft zu beschleunigen
  • die Förderung von Biokraftstoffen
  • die Förderung von E-Autos und Nahverkehr
  • sowie Strom statt Erdgas in der Industrieproduktion

Der Expertenrat bemängelt allerdings, dass die Maßnahmen noch zu allgemein seien. „Das heißt, es fehlt einfach noch ein konkreter Weg, um tatsächlich zu diesen Einsparungen zu kommen.”

Auch mit einer kompletten Erfüllung der Emissionseinsparungen durch das neue Programm, würde Deutschland seine Klimaziele immer noch nicht erreichen.

Nicht zuletzt gäbe es auch eine ganze Menge Akzeptanz- und Infrastrukturfragen die noch zu lösen seien, fügt Schlomann hinzu.

Umweltminister will Warnung „ernst nehmen“

Als Reaktion auf den Prüfbericht veröffentlichte Bundesumweltminister Carsten Schneider eine Stellungnahme, in der er erklärte, die Ergebnisse ernst zu nehmen und gründlich prüfen zu wollen.

Deutschland Berlin 2026 | Carsten Schneider stellt Klimaschutzprogramm 2026 vor
Umweltminister Carsten Schneider im März bei der Präsentation des KlimaschutzprogrammsBild: dts Nachrichtenagentur/IMAGO

Die Maßnahmen des neue Klimaschutzprogramms müssten jetzt konsequent umgesetzt werden, so Schneider, vor allem die Förderung für E-Autos.

„Die wichtigste Antwort auf die Warnung der Experten muss jetzt volle Vorfahrt für erneuerbare Energien sein. Ein zweiter relevanter Hebel ist die anstehende Reform des EU-Emissionshandels,” so Schneider.

Von letzterem verspricht man sich vor allem Anreize für die Industrie und den Energiemarkt auf Strom umzustellen.

Der Expertenrat überprüft, ob die Maßnahmen der Bundesregierung mit dem Klimaschutzgesetz vereinbar sind.Das Gesetz hat bestimmte Zielmarken auf dem Weg zu Klimaneutralität definiert.

Redaktion: Tamsin Walker, Neil King

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