Bürstenhaus Frankfurt: Das letzte Fachgeschäft seiner Art in der Töngesgasse


Das Bürstenhaus in der Töngesgasse ist ein haptisches Erlebnis: Borsten von Haus- und Wildschweinen kratzen über die Haut, Pferdehaare fühlen sich weich an, und geradezu samtig – kaum mehr als Borsten zu bezeichnen – sind die Haare von Mohairziegen. Was sich alles bürsten lässt, wird einem erst hier bewusst. In dem Fachgeschäft gibt es neben Haarbürsten auch Zwischenzehen- und Tastaturbürsten sowie Handwerker- und Ärztebürsten. Mit Letzteren werden allerdings weder Handwerker noch Ärzte gebürstet, sondern Hände und Nägel – mal mit festeren, mal mit weicheren Borsten.

Angelika Kleine, 65 Jahre, ist einst der Liebe wegen in das Geschäft eingestiegen. Ihr damaliger Lebensgefährte – und Vater ihrer Kinder – ist der Sohn der früheren Besitzer. „Die Liebe ging, das Geschäft blieb“, sagt sie heute. Seit 2012 ist Kleine die Inhaberin. Doch Ende des Jahres wird sie in den Ruhestand gehen. Wenn sie bis dahin keinen Nachfolger findet, wird das Bürstenhaus, das in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feierte, schließen.

Im Bürstenhaus gibt es nicht nur Bürsten, sondern auch Handbesen und Fußmatten zu kaufen.
Im Bürstenhaus gibt es nicht nur Bürsten, sondern auch Handbesen und Fußmatten zu kaufen.Janek Stempel

Neben Bürsten und Rasierpinseln aller Art gibt es Seifen, Fußmatten und Haushaltswaren wie Tücher. Viele der Bürsten und Pinsel stammen aus Deutschland, manche aus Frankreich und Italien; einiges ist noch handgemacht. Fast jeder, der in diesen Tagen das Geschäft betritt, spricht die drohende Schließung an. „Meine Großeltern kamen schon hierher“, sagt eine Kundin. Kleine konnte sich in den letzten Jahren auf ihren festen Kundenstamm verlassen und so auch Krisen wie die Pandemie überstehen.

Für die Inhaberin ist das Tolle an Bürsten ihre Vielseitigkeit. Zudem sei Bürsten eine Form der Pflege, „die man sieht und spürt“. Das ist auch der Grund, warum das Bürstenhaus in seinem Logo die Worte „Stilvoll gepflegt“ führt. Das beziehe sich auf Haare, Schuhe und Möbel, sagt Kleine – auf alles, was sich bürsten, fegen oder wischen lässt.

Das Bürstenhaus ist das letzte Fachgeschäft seiner Art in Frankfurt, nachdem auch der Familienbetrieb „Hintz Bürsten“ seine Filiale in Bockenheim schloss. Sollte der Laden in der Töngesgasse nun tatsächlich schließen, wäre das ein „Verlust von Einkaufskultur“, sagt Kleine. Sie hoffe nach wie vor, jemanden für die Nachfolge zu finden. Doch die Führung eines Einzelhandelsgeschäfts dürfe nicht unterschätzt werden: „Wir sind ein Business, kein Kaufmannsladen.“

Bürstenhaus, Töngesgasse 27, 60311 Frankfurt am Main; montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 11 bis 17 Uhr



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