Libanon und Israel verlängern Waffenruhe
Das US-Außenministerium erklärte, die Verlängerung der Waffenruhe solle Zeit für weitere „Fortschritte“ bei der Suche nach einer dauerhaften Friedenslösung schaffen. Außenamtssprecher Tommy Pigott erläuterte, die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon sollten am 2. und 3. Juni fortgesetzt werden. Bereits am 29. Mai wolle das US-Verteidigungsministerium Militärvertreter aus beiden Ländern zusammenbringen.
Es gehe um eine vollständige Anerkennung der Souveränität und territorialen Integrität beider Länder und „echte Sicherheit entlang ihrer gemeinsamen Grenze“. Das hatte auch US-Außenminister Marco Rubio immer wieder betont und angemahnt.
Die libanesische Regierung, die keine aktive Kriegspartei ist, pocht vor allem zunächst auf Deeskalation und eine dauerhafte Waffenruhe. Eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel hat die libanesische Regierung unter den aktuellen Bedingungen mehrfach ausgeschlossen.
Serie von Angriffen
Die Regierungen beider Länder hatten sich Mitte April erstmals auf eine Feuerpause geeinigt. Allerdings ist die Waffenruhe äußerst brüchigund wird von beiden Seiten immer wieder verletzt. Erst am Freitag wurden nach libanesischen Angaben bei einem mutmaßlich von den israelischen Streitkräften geführten Angriff im Süden des Landes sechs Menschen getötet. Unter den Toten sollen auch drei Sanitäter sein. Die radikal-islamische Hisbollah meldete ihrerseits neue Drohnenangriffe auf israelische Kasernen in der grenznahen nördlichen Stadt Kirjat Schmona. Die israelische Stadt steht seit Monaten unter Beschuss. Die Hisbollah wird von zahlreichen Ländern als Terrororganisation eingestuft.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei feuerte die Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze. Israelische Streitkräfte griffen Stellungen der Miliz im Süden des Libanons und Hochburgen der Hisbollah in den Vororten der Hauptstadt Beirut an.
Fast 3000 Tote
Gemäß bereits bestehender Vereinbarungen soll die libanesische Regierung die pro-iranische Hisbollah mit internationaler Hilfe daran hindern, vom Libanon aus Angriffe auf israelische Ziele auszuführen. Gleichzeitig soll Israel auf „offensive Militäroperationen“ im Libanon verzichten, sich aber gegen bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen dürfen.
Seit dem erneuten Aufflammen der Kämpfe Anfang März wurden im Libanon offiziellen Angaben zufolge rund 2900 Menschen getötet, darunter zahlreiche Frauen und etwa 200 Kinder.
Premier Salam will Brücken schlagen
Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam bemüht sich um Vermittlung. Ihm geht es darum, sowohl Israel als auch die in seinem Land agierende Hisbollah in die Schranken zu weisen. Salam rief arabische und andere Staaten zur Unterstützung auf, um die Verhandlungsposition seines Landes gegenüber Israel zu stärken.
In einer Anspielung auf die vom Iran unterstützte Hisbollah sagte er zugleich, der Libanon wolle keine weiteren „rücksichtslosen Abenteuer, die ausländischen Projekten und Interessen dienen“.
haz/pgr/al (afp, dpa, rtr)
