Russland mit bisher größtem Luftangriff und neuer Taktik
Kiew erlebt einen der schlimmsten Luftangriffe seit Kriegsbeginn. Russland greift unter anderem mit hunderten Drohnen an. In der Hauptstadt wurde ein Trauertag ausgerufen.
15.05.2026 | 2:20 min
Am 13. und 14. Mai startete Russland den bislang größten Luftangriff gegen die Ukraine im gesamten Krieg. In diesen 24 Stunden setzte Moskau etwa 1.567 Drohnen und 56 weitere Raketen ein, darunter Hyperschall-Kinschal-Systeme.
Dies war weitaus umfangreicher als die bisherigen größten Angriffe, bei denen fast 1.000 Drohnen zum Einsatz kamen. Russland nutzte offenbar den dreitägigen Waffenstillstand um den 9. Mai herum, um einen besonders großen Luftangriff vorzubereiten.
Dieser Angriff gehörte auch zu den größten Angriffen gegen Kiew. Allein in der Hauptstadt wurden 24 Menschen getötet und mehr als 40 verletzt. Die meisten von ihnen starben in einem Wohnhaus, das nach mehreren Treffern vollständig einstürzte.
Rettungskräfte arbeiten am 14. Mai 2026 in Kiew an einem teilweise zerstörten Wohngebäude nach russischen Drohnen- und Raketenangriffen.
Quelle: AFP
Russland mit neuer Taktik bei Luftangriffen
Bei den Angriffen setzte Russland erneut seine neue Drohnen-Taktik ein, die es seit diesem Frühjahr anwendet. Zuvor fanden die meisten Drohnenangriffe nachts statt, da Drohnen dann weniger anfällig für Luftabwehrgeschütze sind. Tagsüber flogen nur wenige Drohnen ins Hinterland der Ukraine, meist um das Alltagsleben durch Luftangriffswarnungen zu stören.
… ist Senior Advisor beim European Policy Centre. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.
… ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
In letzter Zeit hat Russland jedoch begonnen, auch tagsüber groß angelegte Drohnenangriffe zu starten. Diese Angriffe verfolgen zwei Ziele. Erstens sollen sie den Schaden für das zivile Leben und die Bevölkerung maximieren, indem mehrere Ziele am helllichten Tag getroffen werden. Zweitens werden diese Angriffe stets mit groß angelegten Drohnen- und Raketenangriffen in der folgenden Nacht kombiniert – ihr Ziel ist es somit, die Luftabwehr bereits vor den nächtlichen, größeren Angriffen zu erschöpfen und zu schwächen.
Weiterhin hohe Erfolgsrate der Luftverteidigung
Trotz des Ausmaßes des Angriffs vom 13. bis 14. Mai gelang es der ukrainischen Luftabwehr laut offiziellen Angaben, 94 Prozent der Drohnen und 73 Prozent der Raketen abzuschießen. Gegen die Drohnen schnitten die neuen, bereits in Serie gefertigten leichten Abfangdrohnen der Ukraine außerordentlich gut ab.
Nach russischen Angriffen auf die Ukraine gibt es viele Tote und Verletzte. Ein Ende des Krieges scheint derzeit ferner denn je.
15.05.2026 | 2:29 min
Paralleler Angriff auf Region Transkarpatien
Während der Angriffe am 13. Mai startete Russland auch den bislang größten Luftangriff auf die ukrainische Region Transkarpatien im äußersten Westen des Landes. Insgesamt drangen elf Drohnen von Südosten her in die Region ein. Offiziellen Angaben zufolge konnten die Luftabwehr und elektronische Kriegsführung die meisten von ihnen neutralisieren. Doch es kam zu Treffern in Uschhorod sowie in Swaljawa und einer Reihe weiterer Orte.
Glücklicherweise gab es in Transkarpatien keine Toten oder Verletzten. Dies war ein besonderer Glücksfall, da die Region an Luftangriffe so ungewohnt war, dass in Uschhorod viele Luftschutzbunker tatsächlich verschlossen waren, sodass die Einheimischen sie nicht betreten konnten.
„Dementsprechend öffnen sich immer neue Möglichkeiten für die Ukraine, russische Industrie zu treffen“, so Militärexperte Gustav Gressel.
15.05.2026 | 5:18 min
Russland geht das Risiko von Treffern auf Nato-Gebiet ein
Die Angriffe auf Uschhorod waren auch deshalb riskant, weil die Stadt sehr nahe an der slowakischen Grenze und damit an einer Nato-Grenze liegt. Diese Nähe bedeutet beispielsweise, dass die Landebahn des Flughafens von Uschhorod buchstäblich am Grenzzaun endet.
Daher barg ein Angriff auf Uschhorod mit mehreren Drohnen auch das Risiko einer ungewollten Eskalation, sollte eine der Drohnen auf Nato-Gebiet fallen – selbst, wenn dies nicht absichtlich geschehen wäre, sondern durch Feuer der Luftabwehr verursacht worden wäre.
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Russland greift die Ukraine an
:Aktuelles zum Krieg in der Ukraine
Seit Februar 2022 führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Kämpfe dauern an. Alle Entwicklungen und Ukraine-News im Liveticker.
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Über den Krieg in der Ukraine berichtete das ZDF in mehreren Sendungen, zuletzt in der heute-Sendung am 15.05.2026 ab 19:00 Uhr, bei heute Xpress am 15.05.2026 ab 14:59 Uhr sowie im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF am 15.05.2026 ab 05:30 Uhr.
