Toter Wal vor dänischer Insel entdeckt


Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden. Der Kadaver befindet sich nach Angaben der Nachrichtenagentur Ritzau rund 75 Meter vor der Küste der Insel im Kattegat. Das Gewässer liegt zwischen Dänemark und Schweden. Ein örtlicher Naturaufseher schätzte gegenüber dem Sender TV 2 Østjylland, dass das Tier zwischen zehn und 15 Meter lang sei. Damit passe die Größe zu einem ausgewachsenen Buckelwal. Das Tier dürfte bereits seit einiger Zeit tot sein.

Nach Einschätzung dänischer und deutscher Experten handelt es sich „höchstwahrscheinlich“ um den Buckelwal, der seit Wochen als „Timmy“ bekannt geworden war und zuletzt nach einer aufwendigen Rettungsaktion aus der Ostsee in die Nordsee gebracht worden war. Das berichtet die „Bild“-Zeitung.

Morten Abildstrøm von der Naturschutzbehörde auf Anholt sagte dem dänischen Sender DRTV: „Sowohl die deutschen als auch die dänischen Forscher, mit denen ich gesprochen habe, glauben, dass es sich höchstwahrscheinlich um den Buckelwal ‚Timmy‘ handelt.“

Noch ist unklar, ob der Wal geborgen wird. Derzeit gebe es keine entsprechenden Pläne, hieß es. Sollte der Kadaver jedoch näher an die Küste treiben oder andere Probleme verursachen, könnte sich das ändern.

Gewebeprobe soll Klarheit bringen

Zur eindeutigen Identifizierung des Tieres soll bei Niedrigwasser eine Gewebeprobe entnommen werden. Nach Angaben von Morten Abildstrøm hat ein deutscher Tierarzt, der bereits in den Fall „Timmy“ involviert gewesen war, um eine Probe gebeten. „Es werde ein gutes Stück aus dem Tier geschnitten“, berichtete der Naturschützer DRTV zufolge. Teile davon sollen sowohl Forschern in Deutschland als auch in Dänemark zur Verfügung gestellt werden.

Darüber hinaus soll untersucht werden, ob der Wal tatsächlich mit einem Sender ausgestattet wurde. Die deutsche Rettungsinitiative hatte angegeben, vor der Freilassung Anfang Mai einen GPS-Sender an der Rückenfinne befestigt zu haben. Unabhängig bestätigen ließ sich dies jedoch nie.

Deutsches Meeresmuseum hofft auf Untersuchung

Sollte sich bestätigen, dass es sich tatsächlich um den sogenannten Wismarer Buckelwal „Timmy“ handelt, hoffen Experten des Deutschen Meeresmuseums auf eine umfassende Untersuchung des Tieres. „Es geht darum, Erkenntnisse für künftige Strandungen und Rettungsaktionen zu gewinnen“, sagte eine Sprecherin des Museums der Deutschen Presse-Agentur.

Die Identifizierung könnte auch über die Fluke, also die große Schwanzflosse, erfolgen. Deren Musterung und Umrisse gelten bei Buckelwalen als einzigartig und ermöglichen normalerweise eine eindeutige Zuordnung einzelner Tiere. Das Deutsche Meeresmuseum hatte in den vergangenen Wochen allerdings keine eigenen Fotos der Fluke des gestrandeten Wals anfertigen können.

Gestrandeter Buckelwal vor der Ostseeküste
Mehrmals gestrandet: Helfer stehen neben dem geschwächten Buckelwal vor der Insel Poel (28.04.2026)Bild: Annegret Hilse/REUTERS

Nach Angaben der Rettungsinitiative wurde jedoch ein Foto der Fluke aufgenommen, um es mit internationalen Datenbanken abzugleichen. Unabhängig bestätigen ließ sich dies bislang nicht. Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC verweist darauf, dass insbesondere die Unterseite der Fluke sowie Narbenmuster auf der Haut zur eindeutigen Wiedererkennung einzelner Buckelwale genutzt werden. Forschungsteams hätten über Jahre hinweg Tausende solcher Identifikationsfotos nordatlantischer Buckelwale gesammelt.

Möglicherweise könnten auch Hautmerkmale erste Hinweise liefern. Nach Angaben des Museums wies der Wal auffällige Strukturen der Haut sowie eine erkennbare Schramme beziehungsweise Beschädigung der Hautoberfläche auf. Diese könnte durch eine Schiffsschraube verursacht worden sein.

Rätsel um das Ende der Rettungsaktion

Die Entdeckung könnte das letzte Kapitel einer außergewöhnlichen und umstrittenen Rettungsaktion markieren, die seit Wochen international Aufmerksamkeit erregte. Der Buckelwal war Anfang März erstmals vor der deutschen Ostseeküste gesichtet worden und tauchte später im Hafen von Wismar auf. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor der Gemeinde Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein.

Gestrandeter Wal Timmy wird mit Tüchern vor der Sonne geschützt
Naturschützer rieten von Anfang an davon ab, dem geschwächten Wal zu helfenBild: AAPimages/Panckow/picture alliance

Zwar gelang es dem Tier damals, über eine ausgehobene Rinne wieder ins tiefere Wasser zu gelangen. Doch statt Kurs auf die offene Nordsee zu nehmen, schwamm der geschwächte Wal erneut Richtung Wismar und strandete mehrfach. Schließlich landete er auf einer Sandbank in der flachen Kirchsee-Bucht bei der Insel Poel. 

Über rund 60 Tage hielt sich der Wal nach Angaben der Initiative zu großen Teilen in flachen Gewässern auf. Experten von Tierschutzorganisationen schätzten seine langfristigen Überlebenschancen deshalb übereinstimmend als sehr gering ein.

Mitte April entschied Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), eine private Rettungsinitiative zu dulden. Schließlich wurde ein Lastkahn, eine sogenannte Barge, organisiert, um den Wal aus der Ostsee zurück in Richtung Nordsee zu transportieren.

Geborgener Buckelwal wird in geflutetem Lastschiff Richtung Nordsee transportiert
In einer Barge wird der Wal von der Ostsee in die Nordsee transportiert (29.04.2026)Bild: Philip Dulian/dpa/picture alliance

Am 2. Mai wurde das Tier den Angaben der Initiative zufolge freigesetzt. Wie genau der Einsatz endete, blieb jedoch unklar. Fotos oder Videos der Freilassung existieren nach Aussage der Organisatoren nicht. Ebenso blieb offen, in welchem gesundheitlichen Zustand sich der Wal nach dem Transport befand. Das Tier soll durch das wiederholte Stranden sowie durch den Aufenthalt auf dem Lastkahn verletzt gewesen sein.

Dänemark setzt auf „Gang der Natur“

In Dänemark gelten bei Walstrandungen vergleichsweise zurückhaltende Regeln. Nach dem Bereitschaftsplan der Umweltbehörde Miljøstyrelsen von 2024 sollen Strandungen grundsätzlich nicht durch Rettungsversuche beeinflusst werden. „Walstrandungen werden als ein natürlicher Teil des Gangs der Natur betrachtet, der nicht durch menschliche Eingriffe gestört werden sollte“, heißt es darin.

Zunächst werde geprüft, ob Universitäten oder Museen Interesse an Gewebeproben oder Skelettteilen für Forschungs- und Lehrzwecke haben. Besteht daran kein Interesse und geht von dem Kadaver keine Gefahr etwa für den Schiffsverkehr aus, bleibt das Tier in der Regel sich selbst überlassen.

Die Tötung schwerkranker Wale ist nach dänischen Vorgaben nur unter bestimmten Bedingungen möglich – allerdings lediglich bei kleineren Tieren von bis zu etwa vier Metern Länge. Ein ausgewachsener Buckelwal fällt nicht darunter.

Die abgelegene Insel Anholt könnte eine mögliche Untersuchung zusätzlich erschweren. Den Angaben zufolge fährt lediglich einmal täglich eine Fähre dorthin.

Immer wieder Walfunde in Dänemark

Walbeobachtungen sind an den dänischen Küsten keine Seltenheit, Strandungen größerer Meeressäuger kommen jedoch vergleichsweise selten vor. Anfang dieses Jahres strandeten mehrere vermutlich bereits verendete Pottwale an unterschiedlichen Orten in Dänemark. Einer davon wurde obduziert. Dabei stellte sich heraus, dass das Tier verhungert war, weil Fischernetze seine Speiseröhre blockiert hatten.

Bereits im Frühjahr 2025 war zudem ein Buckelwal nahe Aarhus verendet. Für Aufsehen sorgte auch ein anderer Fund auf der Ostseeinsel Bornholm: Nachdem dort im Sommer 2024 ein toter Buckelwal angespült worden war, entdeckten Strandreiniger Monate später nahe Snogebæk einen etwa eineinhalb Meter langen Walpenis, der aller Wahrscheinlichkeit nach von diesem Tier stammte.

pgr/se (dpa, BILD, afp)



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