Liveblog zur Bundesregierung: Dobrindt: Wer nicht flüchtet, ist nicht auf der Flucht in Gefahr – Politik


Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Merz strikt gegen Mehrbelastung bei Einkommensteuer

Merz: Tankrabatt funktioniert „so leidlich“ 

Israel bietet Lieferungen von Kerosin nach Deutschland an

Merz: klares Bekenntnis zur Fortsetzung der Koalition mit der SPD

Spahn als CDU-Fraktionschef wiedergewählt 

Dobrindt: Wer nicht flüchtet, ist nicht auf der Flucht in Gefahr 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will an seiner verschärften Migrationspolitik festhalten und wertet die gesunkenen Asylzahlen als Erfolg. „Wir gehen diesen Weg konsequent weiter“, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Nationale Maßnahmen wie Grenzkontrollen und das Aussetzen des Familiennachzugs hätten erheblich dazu beigetragen, die illegale Migration zu reduzieren.

Den Vorwurf, dass seine Politik die Flucht für viele Menschen gefährlicher mache, wies der Minister zurück: „Nein, es sorgt dafür, dass die Flucht nicht passiert.“ Und wer sich nicht auf die Flucht begebe, sei auch nicht auf der Flucht in Gefahr, argumentierte Dobrindt.

Auch an den Abschiebungen schwerer Straftäter in das von den islamistischen Taliban regierte Afghanistan halte er fest. Es liege im Interesse Deutschlands, dies zu tun, sagte der Innenminister. Einen „Deal“ mit den Taliban, der eine Gegenleistung beinhalte, gebe es aber nicht. Die entsprechende Vereinbarung sehe lediglich eine Prüfung vor, ob es sich bei den Betroffenen um afghanische Staatsbürger handle.

Im Jahr 2025 sind die Asyl-Erstanträge in Deutschland nach Angaben des Innenministeriums deutlich gesunken: Insgesamt wurden 113 236 Erstanträge gestellt, was einem Rückgang von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Kritiker Dobrindts wenden ein, dass der rückläufigen Entwicklung andere Faktoren zugrunde liegen als die kurzfristigen Maßnahmen der Bundesregierung.

Bundestag: Kritik an geplanter Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes

Die geplante Reform der Rechte von Menschen mit Behinderungen sorgt im Bundestag für deutliche Kritik. Oppositionsvertreter forderten bei einer Debatte Nachbesserungen. Auch manche Abgeordnete der Fraktionen von CDU/CSU und SPD äußerten sich so.

Mit dem Gesetzentwurf will die Koalition erreichen, dass Menschen mit Behinderungen besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Dazu ist unter anderem vorgesehen, dass auch im privaten Bereich – etwa in Geschäften, in Restaurants, Kinos oder auch in Arztpraxen – „angemessene Vorkehrungen“ für einen barrierefreien Zugang getroffen werden. Das kann etwa über mobile Rampen geschehen.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hat im Bundestag trotz eigener Bedenken für die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes geworben. „Persönlich hätte ich mir mehr gewünscht“, sagte sie bei der ersten Debatte über ihren Gesetzentwurf. Gleichwohl enthalte die Vorlage „wichtige Schritte“. Bas hob hervor, dass es erstmals Vorgaben für Barrierefreiheit in der Privatwirtschaft geben soll. Bas sagte, es gehe darum, „Barrieren zu überwinden und Teilhabe zu ermöglichen, ohne die Unternehmen zu überfordern“.

Barrieren lassen sich nicht alleine durch Gesetze und Vorschriften abbauen. Wir brauchen vielmehr ein Umdenken und Mitdenken auf allen Ebenen.

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)

Auch die SPD-Abgeordnete Heike Heubach, selbst gehörlos, kritisierte, dass die Interessen von Menschen mit Behinderungen mit dem Gesetzentwurf kaum wahrgenommen würden. Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel, hatte den Gesetzentwurf in der vorliegenden Form wegen der fehlenden Verpflichtung im privaten Bereich bereits als zahnlosen Tiger kritisiert. Auch zahlreiche Sozial- und Behindertenverbände üben Kritik.

Spahn: Mechanismus zu Diätenerhöhung hat sich bewährt

In der Debatte über die Aussetzung der Diätenerhöhung für die Bundestagsabgeordneten hat Unionsfraktionschef Jens Spahn den bestehenden Mechanismus als „gut funktionierend“ bezeichnet. Die Bezüge der Parlamentarier folgen der Lohnentwicklung. „Grundsätzlich sollten wir an diesem Mechanismus festhalten“, sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung „Maischberger“.

Über viele Jahre habe der Bundestag selbst über die Diätenerhöhungen entschieden, das sei falsch gewesen, betonte der Unionsfraktionschef. Der alte Mechanismus war häufig als Selbstbedienung kritisiert worden. Die Automatisierung gilt seit 2014.

Zum 1. Juli steht die Erhöhung der Diäten für Bundestagsabgeordnete gemäß der Lohnentwicklung an. Es geht dabei um 497 Euro pro Monat. Die SPD hat bereits einen Verzicht auf die Erhöhung vorgeschlagen.

Miersch: Reiche soll Krisenszenarien durchspielen 

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch fordert Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf, sich auf alle Folgen des Iran-Krieges vorzubereiten. Er wolle, dass die Bundeswirtschaftsministerin „auch jetzt schon alle möglichen Szenarien durchspielt“, sagte Miersch bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsforums der SPD in Berlin. 

„Wir dürfen nicht am Ende überrascht sein“, sagte Miersch. Er halte gravierende Folgen des Krieges in Bezug auf Benzin und weitere wichtige Rohstoffe für möglich. „Ich sage nicht, dass dann der Weg in die Notlage der einzige ist, aber ich möchte darüber nachdenken, und die politisch Verantwortlichen müssen es jetzt tun.“

Kanzler Friedrich Merz sagte indes bei einem Gespräch in der ZDF-Sendung  „Was nun, Herr Merz?“, dass man bereits auf alle Szenarien vorbereitet sei.  „Wenn sie eintreten, wird uns das nicht überraschen.“ Beim Wirtschaftsministerium beobachte ein Ausschuss tagesgenau die Marktlage.  

Merz strikt gegen Mehrbelastung bei Einkommensteuer

Angesichts konträrer Ansichten von Union und SPD ist es nach Einschätzung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) offen, ob der Koalition ein Kompromiss bei der geplanten Einkommensteuerreform gelingt. „Ob wir da zu einem gemeinsamen Weg finden, ist offen“, sagte Merz im ZDF-Interview in der Sendung „Was nun, Herr Merz?“. Merz bekräftigte seine Position, „dass wir bei der Einkommensteuer in der Tat etwas tun müssen – aber die unteren und mittleren Einkommen zu entlasten und die oberen noch zusätzlich zu belasten, geht einfach nicht“. 

Vor den Hintergrund seines ersten Amtsjahrs zieht der Bundeskanzler insgesamt eine gemischte Bilanz und setzt in Anbetracht schwacher Umfragewerte auf wieder wachsende Zustimmung für die schwarz-rote Koalition. Es gehe um die Frage, ob die Menschen in Deutschland den Parteien der demokratischen Mitte noch etwas zutrauten, sagte der CDU-Vorsitzende. Und da sage er ganz offen: „Ja, wir bleiben hinter diesem Anspruch, auch dem selbst gestellten Anspruch, zurück.“ 

Merz sagte, wenn die Union jetzt in Umfragen bei 24 Prozent oder schlechter liege, „dann ist das völlig inakzeptabel für das Selbstbewusstsein der CDU“. Bei der SPD sei es mit Werten von 14 Prozent nicht weniger schwierig. Man müsse den Anspruch haben, die Mehrheit der Bevölkerung gemeinsam in Union und SPD wieder zu erreichen und zu repräsentieren. „Das ist mein Ziel.“ Die Erwartungen an das Regierungsbündnis seien zu Anfang groß gewesen. Merz räumte ein, „dass wir daran beteiligt gewesen sind, sie zu erzeugen“.

Der Kanzler sagte mit Blick auf das erste Jahr der Koalition: „Wir haben noch längst nicht alles erreicht, aber wir haben viel erreicht.“ Im Kabinett gebe es eine gute Arbeitsatmosphäre und ein sehr gutes kollegiales Miteinander. Union und SPD seien unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen Vorstellungen. „Aber wir haben immer noch genug gemeinsame Schnittmengen.“ 

Auf die Frage nach einer möglichen Kabinettsumbildung sagte Merz: „Ich möchte, dass wir mit dieser Regierung Erfolg haben.“ Der CDU-Chef erneuerte die Aufforderung an die SPD zu größerer Verständigungsbereitschaft. Er suche keine anderen Mehrheiten im Bundestag. Das wisse auch die SPD. „Ich muss nur dem Eindruck entgegentreten, als ob die SPD damit sozusagen einen Freibrief hat, alles durchzusetzen, was sie gerne durchsetzen möchte“, sagte der Kanzler. „Das geht nicht.“ Er wolle ebenfalls Kompromisse in der Koalition, „aber die dürfen nicht so weit gehen, dass die CDU dahinter verschwindet“. 

Merz: Tankrabatt funktioniert „so leidlich“ 

Kanzler Friedrich Merz schätzt die Wirkung des Tankrabatts zur Entlastung der Autofahrer von gestiegenen Spritpreisen vorerst zurückhaltend ein. „Er funktioniert so leidlich“, sagte der CDU-Politiker in der ZDF-Sendung „Was nun, Herr Merz?“. Einige Tankstellen hätten wirklich um 17 Cent reduziert, andere weniger. Nun sei der Markt relativ beweglich. „Insofern kann man das jetzt auch nicht eins zu eins alles nachvollziehen.“

Merz machte deutlich, dass er die auf zwei Monate befristete Entlastung für gerechtfertigt hält. Man habe dies „in einem vernünftigen Kompromiss in der Koalition so beschlossen, und das wirkt.“ Der Kanzler sagte: „Wir haben die Preise gesenkt, indem wir auf Mineralölsteuereinnahmen verzichten.“ Dies sei auch eine Forderung etwa von Arbeitgebern und Gewerkschaften gewesen.

Merz sagte mit Blick auf mögliche weitere wirtschaftliche Folgen des Iran-Krieges: „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet. Wenn sie eintreten, wird uns das nicht überraschen.“ Beim Wirtschaftsministerium beobachte ein Ausschuss tagesgenau die Marktlage. Das Kabinett habe dazu einen Bericht bekommen, der nächste folge am kommenden Mittwoch. Die Regierung stehe in Kontakt mit allen Akteuren etwa der Mineralölwirtschaft und den Raffinerien. 

Gesetzesreform soll Schutz vor Diskriminierung verbessern

Im Alltag und im Arbeitsleben werden Menschen benachteiligt. Doch nicht immer können Betroffene sich dagegen zur Wehr setzen. Eine Gesetzesänderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) soll das nun erleichtern. So soll der Schutz vor Diskriminierung auch auf sexuelle Belästigung ausgeweitet werden. Das gilt in Zukunft nicht nur für den Arbeitsplatz, sondern auch auf dem Wohnungsmarkt, im Fitnessstudio und in der Fahrschule. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes will Betroffene außerdem mehr unterstützen – etwa durch ein Streitschlichtungsverfahren.

Mit dem Gesetzentwurf soll auch die sogenannte Kirchenklausel an Richter-Entscheidungen angepasst werden. So ist etwa die Religionszugehörigkeit nur dann ein Kriterium bei der Einstellung, wenn sie für die jeweilige Arbeitsposition erforderlich ist. Im AGG ist das bislang bisher nicht berücksichtigt. 

Wer diskriminiert wird, soll außerdem mögliche Rechtsansprüche künftig länger geltend machen können. Die Frist soll für Fälle im Alltag und im Arbeitsleben von bislang zwei auf vier Monate verlängert werden. Den Gesetzentwurf zur Änderung des AGG hat die Bundesregierung am Mittwoch auf den Weg gebracht. Nun muss noch der Bundestag darüber entscheiden. Das AGG umfasst jedoch nicht Fälle, die mit staatlichen Stellen wie Behörden oder der Polizei zu tun haben. 

Bas zu Koalitionsstreit: „Müssen uns alle mehr am Riemen reißen“ 

SPD-Chefin ​und Arbeitsministerin Bärbel Bas hat erhebliche Spannungen in der Regierungskoalition eingeräumt. „In den vergangenen Wochen hat es ordentlich geruckelt“, sagte sie in einem ​am Mittwoch veröffentlichten Interview des Spiegels. Als Gründe nannte sie die Weltlage, die ⁠Krisen und die knappe Mehrheit der Koalition. Zugleich mahnte sie eine bessere Diskussionskultur an: „Wir müssen uns ​alle ​mehr am Riemen reißen.“ Streit ‌müsse es um inhaltliche Fragen geben. ‌Wenn die Rente künftig nur noch als „Basis-Absicherung“ bezeichnet werde, könne sie als SPD-Vorsitzende dazu ​nicht schweigen, sagte ​sie mit Blick auf Äußerungen ​von Kanzler Friedrich Merz (CDU). 

Wir ⁠haben eine verdammte Verantwortung, das ‌gemeinsam hinzukriegen.

SPD-Chefin ​und Arbeitsministerin Bärbel Bas

Ein Jahr nach Regierungsstart betonte Bas die Kompromissbereitschaft ihrer Partei. Kompromisse seien aber keine Einbahnstraße. ‌Als Beispiele für Entgegenkommen der SPD nannte sie das Entbürokratisierungspaket sowie Reformen ‌bei der Grundsicherung ‌und im Gesundheitswesen. „Sie sehen, die SPD ​hat bereits eine Reihe von Kompromissen gemacht. Und sie wird weitere ​eingehen“, sagte die Ministerin. Trotz der Auseinandersetzungen werde ‌sie für die Regierung kämpfen. „Mit voller Überzeugung, denn sie ist besser als ihr Ruf.“ Ein Scheitern der Koalition würde nur der AfD in die Hände spielen. 

Israel bietet Lieferungen von Kerosin nach Deutschland an

Im Zuge der Energiekrise hat Israel in Aussicht gestellt, Deutschland durch Lieferungen von Kerosin und Erdgas zu unterstützen. Israels Energieministerium und das Außenministerium des Landes teilten mit, sie entsprächen damit einer Anfrage der Bundesregierung wegen der Lage in der Straße von Hormus.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bestätigte, im Rahmen einer Energiepartnerschaft mit Israel werde auch über die Lieferung von Erdgas und Kerosin gesprochen. Details und Informationen über Mengen lägen dem Ministerium allerdings nicht vor, da der Ankauf von Gas oder Rohöl über Unternehmen laufe. Aktuell gebe es keine physischen Energieknappheiten in Deutschland.

Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hatte jüngst dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt, dass Kerosinmangel für Deutschland kein Thema sei. Es gebe ausreichend Raffinerien, die Kerosin herstellen können. Im April hatte sich auch der Nationale Sicherheitsrat mit der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs befasst. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, die Vorräte an Kerosin seien als „für eine absehbare Zeit“ ausreichend erachtet worden. Man sei sich allerdings der „angespannten Situation“ bewusst und werde die Lage weiter intensiv beobachten. Mit dem Iran-Krieg hat sich der Preis für Kerosin mehr als verdoppelt, Experten warnen vor Engpässen im Sommer.

Wie die Lage beim Kerosin wirklich ist, beschreibt SZ-Parlamentskorrespondent Michael Bauchmüller:

Nur Doom and Gloom 24/7 hält auch die stärkste Gesellschaft auf Dauer nicht aus, ohne am Ende auseinanderzufallen.

Bundeskanzler Friedrich Merz beim CDU-Wirtschaftsrat in Berlin über die Stimmung im Land.

Merz: klares Bekenntnis zur Fortsetzung der Koalition mit der SPD

Die schwarz-rote Regierung war in den vergangenen Wochen im Streit versunken. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht trotzdem keine Alternative zur Zusammenarbeit mit der SPD: Er erteilt allen Spekulationen über eine Minderheitsregierung oder eine Neuwahl des Bundestags eine Absage. „Ich sage hier sehr klar und deutlich: Eine Minderheitsregierung ist für mich keine Option. Und ich werde sie nicht eingehen. Und ich werde sie nicht auslösen“, sagte er auf dem Wirtschaftstag 2026.

Und bitte träume auch niemand von Neuwahlen. Was soll denn danach dabei herauskommen?

Kanzler Merz

Der CDU-Vorsitzende verwies darauf, dass dies eine wochenlange eingeschränkte Handlungsfähigkeit Deutschlands bedeuten würde. „Glaubt irgendwer ernsthaft, dass ein Land im Wahlkampf inmitten einer solchen Wirtschaftskrise die notwendigen Entscheidungen treffen kann, die wir jetzt brauchen?“

Vor diesem Hintergrund bekannte sich Merz klar zur Fortsetzung der Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode in drei Jahren. „Wir wollen und wir müssen mit dieser Koalition, die wir jetzt haben, erfolgreich sein.“ 

Spahn als CDU-Fraktionschef wiedergewählt 

Jens Spahn bleibt Vorsitzender der Bundestagsfraktion von CDU und CSU. Die Abgeordneten der größeren Regierungsfraktion bestätigten den CDU-Politiker ein Jahr nach seinem Amtsantritt mit 86,5 Prozent der Stimmen bis zum Ende der Legislaturperiode im Amt.

Die Unionsabgeordneten schätzen an Spahn, dass er ihre Positionen gegenüber der SPD deutlicher vertritt als Merz, schreiben Daniel Brössler und Robert Roßmann.

Söder fordert mehr Einsatz in Berlin gegen den Abzug der US-Soldaten

Die Bundesregierung muss sich nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder entschlossener gegen die US-Pläne zur Truppenreduzierung in Deutschland wehren. „Bei aller Coolheit und aller Coolness – das sind ernstzunehmende Vorgänge, wenn Soldaten abgezogen werden“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Rande von Beratungen seines Kabinetts in Brüssel. Deswegen seien „Achselzucken und Schulterzucken irgendwie zu wenig und ein bisschen Einsatz gefragt“.

Ohne Kanzler Friedrich Merz (CDU) oder andere Regierungsmitglieder beim Namen zu nennen, machte Söder deutlich, dass er die Verantwortung für die jüngste Entwicklung auch in Berlin sieht: „Und wir sind uns auch nicht ganz sicher, ob es wirklich zwingend gewesen ist, dass das passiert ist.“ Es müsse nun versucht werden, die genannte Zahl von 5000 Soldaten, die abgezogen werden sollen, noch einmal deutlich zu reduzieren, so Söder. Sollte es zum Abzug kommen, brauche es auch Kompensationen für betroffene Regionen, die dürfe man nicht alleine lassen. Einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge soll die im bayerischen Vilseck stationierte Stryker-Brigade abgezogen werden.

Koalition will Heizungsgesetz lockern – Grüne sehen Gefahr für Klimaziel 2045 

Bei Gas- und Ölheizungen soll bis 2040 die Nutzung von mindestens 60 Prozent klimafreundlichen Brennstoffen wie Biomethan oder synthetischer Treibstoff vorgeschrieben werden. Dies geht aus dem Entwurf zur Reform des sogenannten Heizungsgesetzes aus dem Haus von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hervor. Weitere Vorgaben der sogenannten Bio-Treppe für die Zeit nach 2040 enthält der Entwurf nicht. Kritiker fürchten deshalb um die deutschen Klimaziele.

Die Koalition will mit dem sogenannten Gebäudemodernisierungsgesetz das sehr umstrittene Heizungsgesetz der Ampelkoalition ersetzen. Die Pflicht, dass neue Heizungen zu 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen, soll wegfallen. Dadurch bleiben auch Gas- und Ölheizungen erlaubt. Stattdessen sollen diese schrittweise mit mehr klimafreundlichen, also erneuerbaren oder künstlich hergestellten Brennstoffen betrieben werden.

Das ist seit einigen Wochen bekannt. Neu im Referentenentwurf sind nun die genauen Stufen der Bio-Treppe: Von Januar 2029 an sollen mindestens 10 Prozent klimafreundliche Brennstoffe genutzt werden, von Januar 2030 an mindestens 15 Prozent, von Januar 2035 an mindestens 30 Prozent und von Januar 2040 an mindestens 60 Prozent. Damit enden die Stufen der Bio-Treppe.

Deutschland hat sich jedoch das Ziel gesetzt, von 2045 klimaneutral an zu wirtschaften. Das bedeutet, dass dann keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen werden dürfen. Um dies zu erreichen, dürfen dann eigentlich keine fossilen Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle mehr genutzt werden – zumindest nicht ohne Speicherung des entstehenden Kohlendioxids.

Die Grünen üben deshalb scharfe Kritik an dem Referentenentwurf des sogenannten Heizungsgesetzes. „Das Gesetz kippt das Verbot fossiler Brennstoffe ab dem 1.1.2045 – und untergräbt damit das Klimaziel 2045“, sagte der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner der Deutschen Presse-Agentur. „Ohne ein klares Aus für Öl und Gas in Heizungen sind die Klimaziele unerreichbar und wir bleiben abhängig von fossilen Energien – eine ganz dumme Idee“, erklärte Kellner.

Newsdesk

Spahn stellt sich zur Wiederwahl als Fraktionschef

Knapp ein Jahr nach der Bundestagswahl wählen die 208 Abgeordneten der CDU und CSU ihre Führung neu. Als Fraktionsvorsitzender stellt sich erneut Jens Spahn zur Wahl, der am 5. Mai 2025 mit 91,3 Prozent der Stimmen zum Nachfolger von Friedrich Merz gewählt worden war.

Wie groß sein Rückhalt in der Fraktion ist, wird sich bei der Wahl am Nachmittag zeigen. Nach der Klausurtagung des Fraktionsvorstands antwortete er am vergangenen Dienstag auf die Frage, ob er bei seiner Wiederwahl wieder mit einem Ergebnis über 90 Prozent rechne, er freue sich „auf ein gutes Ergebnis“. Die Fraktionssitzung soll heute um 15 Uhr beginnen. Mit einem Wahlergebnis wird gegen 17 Uhr gerechnet.

Anders als andere Fraktionen im Bundestag wählt die Union ihre Führung schon nach einem Jahr neu und nicht erst zur Mitte der Wahlperiode. Der neue Vorstand mit rund 60 Abgeordneten bleibt dann aber bis zur nächsten Wahl im Amt, also in der Regel drei Jahre – wenn es keine Neuwahl gibt. Mit einer Gegenkandidatur ist bei der Wahl des Fraktionschefs nicht zu rechnen.

Jens Spahn, 45, kommt aus Ahaus im Münsterland und sitzt seit 24 Jahren im Bundestag. Von 2017 bis 2021 war er Gesundheitsminister unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Seine erste Amtszeit als Fraktionschef begann holprig. Das Platzen der Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht wurde ihm angelastet, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannt hatte.

Henrike Roßbach und Georg Ismar haben Jens Spahn und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch getroffen. Den Text über zwei Männer, die wenig gemeinsam haben, und jetzt eine ganze Regierung zusammenhalten müssen, lesen Sie hier:



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